Warum bellt mein Hund am Zaun bzw. am Fenster?

Diese Situation kennen viele Hundehalter: Der Hund sieht eine Bewegung vor dem Fenster oder am Zaun ... und - * zack!* - schon steht er da und "verbellt" den Fußgänger, Postboten, Radfahrer oder das Auto.

Manche begrüßen es als "Alarmmeldung", doch wenn der Hund sich nicht beruhigen und ablenken lässt, hat das mit "Alarm" nichts mehr zu tun. Dann ist es bereits zur Obsession, zum zwanghaften Verhalten, geworden. Und dann ist es nicht mehr lustig, denn dann quält sich der Hund jedes einzelne Mal da durch.

Warum macht er das überhaupt?

Die Antwort auf das »Warum?« ist einfach: Revierverhalten. Dein Hund "verteidigt" sein Revier und sein Rudel gegen potenzielle Eindringlinge. Richtig ist auch: Er macht es aus zwei Gründen:

  1. Alarm-Meldung ans Rudel
  2. Schutz von Revier und Rudel

Wenn es sich um eine reine Alarm-Meldung handelt, dann bellt der Hund ein paar Mal und gibt sofort Ruhe, sobald du ihn dazu aufforderst. (» Bello! Ist gut!«)

Lässt er sich jedoch nicht beruhigen, dann ist es kein "Alarm" mehr, sondern tatsächlich der Versuch, ganz allein das Revier und das Rudel zu verteidigen. Und gerade hier ist der Schritt zur "krankhaften Besessenheit" nur noch sehr, sehr klein.

Warum macht er das jedes Mal?

Nun sollte man meinen: » Der Hund muss es doch irgendwann lernen, oder nicht?! Ich meine, NIEMALS kommt irgendjemand in unser Revier. Ganz egal, wie viele Menschen, Radfahrer oder Autos da vorbeifahren. Wird ihm das nicht langweilig? Begreift er nicht, dass er das gar nicht tun braucht?«

Tatsächlich ist es aber genau andersherum: Der Hund HAT ERFOLG! Jedes einzelne Mal! Denn jedes einzelne Mal denkt er:

»Alter, war das knapp! Da wollte einer in unser Revier eindringen. Aber ich habe ihn GANZ ALLEIN vertrieben!«

Denn wie sieht es tatsächlich aus?

  1. Mensch kommt an den Zaun (geht daran vorbei)
  2. Hund bellt und droht: »Du kommst hier nicht rein! Hau ab!«
  3. Mensch geht vorbei
  4. Hund droht noch mehr: »Siehst du? Du merkst es selbst! Ich bin stark. Ich vertreibe dich!«
  5. Mensch ist weg
  6. Hund denkt: »Puh! Geschafft! Das war anstrengend. Aber hätte ich nicht gebellt, wäre der Fremde einfach eingedrungen. Was hätte mein Rudel nur ohne mich getan?!«

Und so läuft das jedes einzelne Mal ab: Mensch kommt - Hund vertreibt - Mensch geht - Hund denkt, dass er den Menschen vertrieben hat. Und ja: Er belohnt sich damit selbst! Er verschafft sich selbst Erfolgserlebnisse und Glücksgefühle.

Würden die Menschen in der wichtigen Sozialisierungsphase (ca. 1,5 - 6 Monate) dem Hund beibringen » Guck! Die Leute da vor dem Zaun, die kommen und gehen auch, ohne dass du sie vertreiben musst.«; würde der Hund bei solchen Gelegenheiten fortan nur noch entspannt liegenbleiben und beobachten.

Und er würde trotzdem noch aufstehen und Lieferanten, Postboten, Bekannte und Freunde anbellen und Alarm geben, ... wenn sie das Revier wirklich betreten.

Kann ich es meinem Hund abgewöhnen?

Natürlich! Nur wird es umso aufwändiger, je ritualisierter das Verhalten bereits ist. Richte dich also auf Wochen und Monate ein, wenn du korrigieren willst, was du über Jahre versäumt hast.

Wenn der Hund hauptsächlich in einer Wohnung lebt und sie als "sein Revier" betrachtet, reicht es oft schon, die Fenster in den Bereichen, die der Hund zum Rausgucken nutzt, mit Folie abzukleben: »Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß!«

Wenn der Hund jedoch ein Grundstück "bewacht", dann braucht es sehr viel mehr Aufwand und Geduld. (Es sei denn, man kann das Grundstück an allen wichtigen Reviergrenzen für den Hund "blickdicht" machen.)

Alternativ-Verhalten anbieten!

Hocke dich mit deinem Hund in Sichtweite des Zauns - aber nicht zu dicht - und warte auf vorbeigehende Passanten, Radfahrer, etc.

Sobald du jemanden kommen siehst - und noch BEVOR dein Hund loslegen kann - stopfst du fleißig Leckerlie in deinen Hund. Und zwar so lange, bis der Passant wieder außer Sicht ist.

Das wiederholst du einige Dutzend Male: Passant kommt? Hund vollstopfen! Passant weg? Nix mehr geben.

Leckerlie nur bei richtigem Verhalten! Sprintet der Hund los und kläfft, gibt's kein Leckerlie bei diesem Passanten. Auch keinen Abruf. Nächster Passant? Nächster Versuch!

Der Hund kann, darf und SOLL den Passanten ruhig sehen. Doch er darf NICHT lossprinten und kläffen. Wenn du ihn - gerade am Anfang - nicht sicher in den Griff bekommst, dann erhöhe die Entfernung zum Zaun. Je weiter ihr vom Zaun entfernt seid, desto langsamer steigt sein Adrenalinspiegel wegen des frechen Passanten, der da eindringen will.

Tipp Kombiniere diese Übung mit den Grundkommandos »Sitz!« und »Platz!«. Das hilft oft, den Hund noch mehr auf dich zu fokussieren.

Nicht quatschen! Machen! Wie meistens beim Training gilt: Kein Rumlabern! Kurze Kommandos. Kurzes Lob. Viel Leckerlie.

WICHTIG! JEDEN TAG! Die Trainingstage MÜSSEN zusammenhängend sein. Und an diesen Tagen gibt es NUR "kontrollierten Auslauf" in Kombination mit Training! Sonst verspielst du viel Zeit.