Nun sollte man meinen: »
Der Hund muss es doch irgendwann lernen, oder nicht?! Ich meine, NIEMALS kommt irgendjemand in unser Revier. Ganz egal, wie viele Menschen, Radfahrer oder Autos da vorbeifahren. Wird ihm das nicht langweilig? Begreift er nicht, dass er das gar nicht tun braucht?«
Tatsächlich ist es aber
genau andersherum: Der Hund HAT ERFOLG! Jedes einzelne Mal! Denn jedes einzelne Mal denkt er:
»Alter, war das knapp! Da wollte einer in unser Revier eindringen. Aber ich habe ihn GANZ ALLEIN vertrieben!«
Denn wie sieht es tatsächlich aus?
- Mensch kommt an den Zaun (geht daran vorbei)
-
Hund bellt und droht: »Du kommst hier nicht rein! Hau ab!«
- Mensch geht vorbei
-
Hund droht noch mehr: »Siehst du? Du merkst es selbst! Ich bin stark. Ich vertreibe dich!«
- Mensch ist weg
-
Hund denkt: »Puh! Geschafft! Das war anstrengend. Aber hätte ich nicht gebellt, wäre der Fremde einfach eingedrungen. Was hätte mein Rudel nur ohne mich getan?!«
Und so läuft das jedes einzelne Mal ab: Mensch kommt - Hund vertreibt - Mensch geht - Hund denkt, dass er den Menschen vertrieben hat. Und ja:
Er belohnt sich damit selbst! Er verschafft sich selbst Erfolgserlebnisse und Glücksgefühle.
Würden die Menschen in der wichtigen Sozialisierungsphase (ca. 1,5 - 6 Monate) dem Hund beibringen »
Guck! Die Leute da vor dem Zaun, die kommen und gehen auch, ohne dass du sie vertreiben musst.«; würde der Hund bei solchen Gelegenheiten fortan nur noch entspannt liegenbleiben und beobachten.
Und er würde trotzdem noch aufstehen und Lieferanten, Postboten, Bekannte und Freunde anbellen und Alarm geben, ... wenn sie das Revier wirklich betreten.