Wie mache ich den Spaziergang für meinen Hund interessant?

Wann immer es um Hunde und ihren Gehorsam, Erziehung, Disziplin und Gemeinsamkeit geht, wird immer und überall empfohlen:

»Gestalte den Spaziergang interessant!«

Doch kaum einer sagt uns konkret: » Wie, verdammt noch mal! Wie mache ich denn genau "interessant"?«

In diesem Abschnitt schauen wir deshalb ein bisschen genauer hin, welche Möglichkeiten es denn so gibt, um den Spaziergang mit dem Hund für beide - also für den Hund UND für dich selbst - interessant zu gestalten.

Was bedeutet " interessant" aus der Sicht des Hundes?

Um beantworten zu können, wie ein Hund das Wort interessant definieren würde, überlegen wir einmal kurz, was denn FÜR UNS SELBST interessant bedeutet:

Wäre es nicht interessant, wenn wir am Ende des Tages so viele verschiedene und schöne Erlebnisse gehabt haben, dass wir sie unbedingt jemandem mitteilen wollten?

Deinem Hund geht es da nicht viel anders: Auch er möchte gern etwas erleben. Etwas Spannendes. Etwas Lehrreiches. Etwas Schönes. Etwas Interessantes.

Spiel, Spaß, Spannung, Arbeit & Ruhe. Das sind die Grundzutaten für interessante Spaziergänge mit dem Hund.

Echt jetzt?! Ein 2-stündiges Showprogramm? Das ist die Antwort?

Nein. Nicht einmal im Ansatz. Aber ABWECHSLUNG. Und das kann auch bedeuten » Wir setzen uns ganz ruhig für 15 Minuten auf eine Wiese und beobachten Insekten. Und danach spielen wir eine Weile lang mit dem Ball, bevor wir einfach nur ruhig weitergehen.«

Letztlich hängt es stark vom Aktivitätslevel deines Hundes ab, was er selbst als " ausreichend interessant" betrachtet:

Was mag dein Hund am liebsten? Finde heraus, womit dein Hund am meisten Spaß hat: Ist es chilliges Wandern? Oder lauflastige Action? Vielleicht eher Nasenarbeit? Oder mag er "Arbeitsaufgaben", wie etwa Gehorsams-Aufgaben?

Die einen Hunde - gerade sehr große und bullige Rassen, wie etwa die Molosser - lieben es eher chillig und langsam. Andere - gerade kleine und sportliche Rassen, wie etwa der Jack Russell - wünschen sich hingegen haufenweise Action und können davon gar nicht genug bekommen. Und wieder andere Rassen - beispielsweise der Border Collie - freuen sich über "Arbeitsaufgaben" und Nasenarbeit.

Sobald du das herausgefunden hast, kannst du es zum Schwerpunkt und "Haupt-Thema" eurer Spaziergänge machen und darum herum hier und da ein paar Abwechslungen einstreuen.

Dein Hund zeigt es dir: Wenn er nach einem Spaziergang direkt zum Wassernapf rennt, sich einen Schluck kühles Nass genehmigt und danach seinen Platz ansteuert, wo er Minuten später selig schnarcht, dann war es wohl ein interessanter Spaziergang für ihn. ... und dann träumt er in diesen Minuten gerade von einer Wiederholung des tollen Ausflugs mit dir.

Nicht Quantität, sondern Qualität! Für deinen Hund ist " gemeinsame Zeit" gute Zeit. Es muss kein 2-stündes durchgeplantes Programm sein. Aber es soll auch nicht " jeden Tag derselbe triste Weg ohne jegliche gemeinsame(!) Action" sein.

Dein Hund liebt Überraschungen. Also sei spontan!

Dein Hund liebt die Spaziergänge. Und er liebt sie noch viel mehr, wenn du nicht nur sein Leinenhalter; sondern sein Spielgefährte bist.

Und das toppst du noch dadurch, dass du dich überraschend & spontan verhältst: Anstatt immer dasselbe an denselben Orten zu machen, bringe mit Abwechslung Farbe ins triste Grau des einst langweiligen Spaziergangs!

Beispiel-Spaziergang: Streue unauffällig hinter dir ein paar kleine Leckerlie ins Gras und animiere den Hund, danach zu suchen. Dann geht an der Wiese, auf der du früher bei jedem Spaziergang zwei Dutzend Mal den Ball geworfen hast, einfach achtlos vorbei. Halte stattdessen am Teich an; und wenn dein Hund nicht gerade wasserscheu ist: Wirf einen Stock ins Wasser oder am Ufer entlang und lass den Hund hinterherspringen, bis er keine Lust mehr hat. Während der Hund seinem Stock nachjagt, streust du wieder ein paar Leckerlie über die Wiese und lässt den Hund später danach suchen. (So verliert er den Fokus auf den Stock; ganz besonders, wenn er ein "Knabberfreund" ist und seine Stöcker gern mal abnagt.)

Anschließend stellst du ein paar Grundkommandos aufs Programm: »Sitz!«, »Platz!« und »Bleib!« trainieren nicht nur den Grundgehorsam, sondern es sind obendrein auch gute Kommandos, um den Hund nach der Action ein bisschen herunterzufahren.

Beim Weitergehen ein bisschen an der Leinenführigkeit arbeiten (der Hund ist jetzt schon ein bisschen ausgepowert, also ist das ein guter Zeitpunkt); und auf der nächsten Wiese eine Viertelstunde Rast einlegen, in der ihr beide gar nichts macht. Einfach nur dasitzen und träumen. Danach im Weitergehen ein bisschen » Hol-das-Stöckchen!«, bei dem gleich nebenbei ein paar Mal » Aus!« und » Komm her!« eingebaut werden.

... und so gestaltet ihr gemeinsam einen super-abwechslungsreichen Spaziergang. Nicht nur für den Hund; auch für dich selbst.

Obendrein habt ihr ganz nebenbei und auf spielerische Weise allein bei diesem einen Spaziergang jede Menge "Respekt-Arbeit" geleistet und euer gegenseitiges Vertrauen ineinander gefestigt.

Wechsle das Programm bei jedem Spaziergang!

Dabei musst du nicht jeden Tag jede Minute des Spaziergangs mit Erlebnissen füllen. Es ist also völlig okay, mal " nur zu wandern" und lediglich ein bisschen Nasenarbeit (Leckerlie auf die Wiese werfen geht immer) zu machen; beim nächsten Mal wieder ein bisschen mehr Zeit für das Training der Grundkommandos; und dann wieder mehr Lauf-Action einzubauen.

Entscheidend ist: Dein Hund sollte nie wissen, was als nächstes kommt oder in welche Richtung ihr an der nächsten Wegkreuzung gehen werdet. So vergrößerst du nicht nur die Vorfreude deines Hundes, sondern ganz nebenbei auch seinen Gehorsam. Noch dazu ganz ohne lautes Brüllen und zielloses Herumkommandieren.

Du bist nicht so der spontane Typ?

Schreibe auf kleine Zettel verschiedene Dinge, die du mit deinem Hund machen kannst. Also beispielsweise: » 15x Futterdummy apportieren«, » "Sitz!" üben«, » 10x Wasserball werfen«, » 20 Minuten auf der Wiese sitzen«, ... und so weiter ...

Mache ruhig 30, 40 oder auch 60 verschiedene Zettel fertig. (Auch unterschiedliche Anzahlen von » Stöckchen werfen« und » Leckerlie auf Wiese streuen« zählen als einzelne Zettel; denn hier überraschst du deinen Hund mit der Länge bzw. Kürze des Spiels.)

Dann stecke alle Zettel in eine leere Kaffeedose.

Et voila! Schon sind wir spontan geworden! Denn von jetzt an ziehen wir vor jedem Spaziergang 5-10 Zettel aus der Dose und arbeiten sie in der Reihenfolge des Ziehens einfach nur noch ab.

Doch mit der Zeit wirst du selbst merken, dass sich manche Übungen und Spiele zu bestimmten Zeitpunkten geradezu aufdrängen und dich anbrüllen: » Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um 10, 20 Minuten lang an der Leinenführigkeit zu arbeiten.« oder » Jetzt ist der Hund so quirlig, da machen wir ein paar Lauf- und Versteck-Spiele, um ihn ein bisschen auszupowern.« oder » Er ist momentan so unaufmerksam, dass wir ein paar Gehorsams- oder Impulskontroll-Aufgaben üben werden.«

Auch Selbstbeschäftigung ist gut

Tipp 1: Lass deinen Hund für sein Futter arbeiten!

Statt Leckerlie kannst du auch einen Teil der normalen Futter-Tagesration als Belohnung für den Hund verwenden. Natürlich ist Trockenfutter dafür besser geeignet; aber selbst Feuchtfutter kannst du ihm - direkt aus deiner Hand, auf einem Baumstumpf oder auf der Wiese - geben.

Für Hunde ist es die natürlichste Sache der Welt, dass sie ihr Futter " irgendwo da draußen" und nicht am Full-Service-Büfett im Edelstahl-Napf finden.

Und es ist super-leicht einzubauen: Wirf einen Futterdummy. Lass deinen Hund das Ding holen. Nimm in der Zwischenzeit eine Hand voll Futter. Sobald dein Hund auf dem Rückweg ist, rufst du ihn: » Komm her!« Und dann tauschst du mit ihm: Er bekommt das Futter direkt aus deiner Hand. Dafür bekommst du den Futterdummy. (Das wiederum kannst du mit dem » Aus!«-Kommando verbinden, wenn du auch das trainieren möchtest.)

So verbindest du viele Dinge auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Du beschäftigst deinen Hund; er hat also (ein bisschen) körperliche Auslastung. Zugleich hast du aber ganz subtil das » Komm!«-Kommando gefestigt und deinem Hund gezeigt: » Wenn ich dich rufe, wird es hier sehr schmackhaft. Ich, an deiner Stelle, würde jedes Mal bei mir vorbeischauen, wenn ich gerufen werden würde.« ... was dir ganz nebenbei bei den nächsten Abrufen des Hundes zum Vorteil gereichen wird.

Das wiederum festigt den Respekt deines Hundes und stärkt eure gemeinsame Bindung. Und das macht dich schließlich zum vertrauenswürdigen Rudelführer.

... und all das einfach nur mit einer Hand voll Futter aus der Tagesration, die der Hund sowieso bekommen hätte. ( Aber das weiß er ja nicht. Und es ist für ihn so sehr viel schöner; denn nun kann er den Futter-Reiz mit dir, statt mit dem Blechnapf verbinden.)

Denke an Wasser! Irgendwo und irgendwann sollte auf jeder Route längerer Spaziergänge eine Wasserstelle sein. Gibt's das nicht, packe dir eine 1-Liter-Flasche mit Wasser in den Rucksack.

Futter ist eine mächtige Ressource! Je stärker dein Hund das Futter mit dir verbindet, desto mehr bindet er sich an dich. Verbinde also häufiger die "Arbeit" des Hundes mit Futter, das DIREKT VON DIR kommt!

Tipp 2: Gerade quirlige Hunde brauchen auch ruhige gemeinsame Momente

Du hast einen Spring-ins-Feld, der nie genug von Action bekommt? Dann plane bei JEDEM Spaziergang auch eine oder mehrere 10-20-minütige Ruhepausen ein.

Eine Parkbank, ein bequemer Baumstumpf oder einfach auf die Wiese setzen ... und nichts - wirklich GAR NICHTS - machen. Nicht einmal den Hund beachten. Stattdessen ein bisschen lesen oder das Handy checken.

Anfangs wird der Hund das Geschehen irritiert aufnehmen und trotzdem Beschäftigung suchen. Lass ihn einfach machen. Idealerweise an der Schleppleine, so dass er sich ein bisschen bewegen kann, wenn ihm danach ist.

Doch schon nach ein paar Tagen wird er merken: » Es geht nicht schneller vorbei, wenn ich Rabatz mache.« Und er wird sich dicht bei dir ablegen, um geduldig darauf zu warten, dass du irgendwann weiterzugehen beschließt.

Entscheidend ist aber: Wechsle auch diese "Ruhe-Orte" spontan! Wenn der Hund sich an einen festen Ablauf - etwa "immer auf derselben Wiese am selben Platz" - gewöhnt, sinkt nur der » Lerne-ein-bisschen-Ruhe,-mein-Freund!«-Effekt unnötig schnell.

Und wichtig ist dabei auch: Beachte den Hund überhaupt nicht. Je mehr er um deine Aufmerksamkeit bettelt, desto mehr ist er für dich reine, durchsichtige Luft. Kein Wort an ihn. Keine Geste für ihn. Nicht einmal ein Blick zu ihm. So beruhigt er sich am schnellsten.

Mach mal Pause