Wie begegne ich fremden Hunden?

Bisher haben wir immer davon geredet, was wir beachten sollten, wenn unser Hund anderen Hunden begegnet. In diesem Abschnitt schauen wir uns an, was wir selbst bei so einer Begegnung mit einem Hund beachten sollten.

Dabei ist es völlig egal, ob wir selbst einen Hund dabei haben, oder nicht. Denn unser Verhalten ist Vorbild für unseren Hund: Zeigen wir keine Aggression oder Angst; wird auch unser Hund sich bemühen, ruhig zu bleiben. Und das hilft allen Beteiligten, diese stressige Situation leichter zu überstehen und weniger Fehler zu machen.

Richtiges Verhalten im Überblick

Weil es so unglaublich wichtig ist, weil es viele (Beinahe-)Unfälle verhindern hilft, und weil es auch dir hilft, besser mit Hunden klarzukommen, fassen wir es gleich am Anfang in den wichtigsten Punkten zusammen. Weiter unten findest du dann richtiges Verhalten und falsches Verhalten ... und - natürlich - ein paar nähere Erklärungen dazu.

Diese Regeln gelten für alle fremden Hunde, ganz egal, ob angeleint, abgeleint, nahe beim Halter oder nicht.

Was ist "fremd"? Alle Hunde, die nicht zu unserer Familie bzw. unserem Rudel gehören, sind grundsätzlich FREMD. Beim leisesten Zweifel ob der Hund des guten Bekannten, den du jeden Tag beim "Kacken-Gehen" triffst, fremd ist, oder nicht: Entscheide dich und dein Verhalten für "Fremd!"

Du senkst das Risiko möglicher Missverständnisse und unnötiger Unfälle, wenn du ALLE Hunde, die nicht zu deiner Familie bzw. deinem Rudel gehören, als "fremd" betrachtest (und behandelst).

"Gild das auch für den Hund meines Nachbarn? Und für den meiner besten Freundin?" Ja. Genauso, wie für den Hund des guten Bekannten, den du jeden Tag beim Spazierengehen triffst. Genauso, wie für den Hund guter Freunde, die du jedes Wochenende zu Hause besuchst.

Dabei spielt es keine Rolle, wie oft du den Hund schon gesehen hast: Es zählt EINZIG, wie gut du den Hund kennst; und - noch wichtiger - wie sehr ER DICH respektiert. Hört er auf deine Kommandos und verhält sich auch ansonsten submissiv/unterwürfig? Dann ist er (vielleicht) nicht "fremd". Alle anderen sind es.

Anstarren ist für Hunde IMMER ein Aggressions-Signal. Halte den Blickkontakt kurz! Beobachte den Hund stattdessen lieber aus den Augenwinkeln:

Kopf deutlich seitlich drehen; aus den Augenwinkeln den Hund im Blick behalten.

Ansprechen kann - musss nicht, aber kann - zu Missverständnissen führen. Im Guten, wie im Schlechten.

Im "Guten" motiviert Ansprechen einen Hund unnötig dazu, dich beispielsweise anzuspringen; oder dich übermütig vollzusabbern.

Im "Schlechten" kann der Hund dein Ansprechen als Zeichen der Aggression missverstehen. Dann kann eine eigentlich friedlich geplante Begegnung schnell in Aggression umschlagen.

Niemals den Hund direkt ansprechen! Wenn nötig, mit dem Halter Kontakt aufnehmen; nicht mit dem Hund. Dann in ruhigem Ton und normaler Lautstärke sprechen. ("Keine Angst zeigen!", wie man landläufig sagt.)

Solange du nicht absolut sicher bist, dass der Hund nicht aggressiv wird (es gibt auch Angst-Aggression, die "blitzartig" gezeigt wird!), wird der Hund nicht angefasst! Ganz egal, wie niedlich er scheint. Ganz egal, wie lieb er scheint.

Das gilt auch für "gut bekannte Hunde": Zuerst wird der Halter begrüßt. DANN - vielleicht(!) auch der Hund. Frage den Halter, ob und wann es okay ist, dich dem Hund widmen zu können.

Gegen einen aggressiven Hund mit seinen scharfen Waffen im Maul hast du sowieso keine Chance. Und dabei ist es egal, ob du nun an einen 60-kg-Hund denkst, der dich "totbeißen" könnte; oder einen kleinen Dackel, der dir - übrigens sehr, sehr schmerzhaft - in Wade oder Hacken beißen kann (und ggf. auch wird).

Dein Hilfsmittel? Defensives und submissives Verhalten! Viele scheinbar aggressive Hunde wollen nur mal eben die Rollenverteilung klarstellen. Dann bauen sie sich scheinbar drohend auf und verhalten sich scheinbar aggressiv. Zeigst du jedoch "unterwürfiges" Verhalten, sind sie schneller zufrieden, als du es jetzt vielleicht glaubst. ... und dann trollen sie sich genauso schnell, wie sie gekommen sind.

Erstarre auf der Stelle! Bleibe also still und entspannt stehen. Wende den Kopf (und den Oberkörper) seitlich vom Hund weg! Damit zeigst du dem Hund, dass du keinesfalls angreifen wirst, er also nicht so aufdrehen braucht. Fuchtele nicht mit den Händen herum! Stecke die Hände in die Taschen oder verschränke die Arme vor der Brust. Aber halte still! Nicht schreien! Möglichst gar nicht sprechen. Wenn nötig, dann nur mit dem Halter; nicht mit dem Hund. Nicht den Hund "beruhigen" wollen! Theoretisch geht das, doch hier kann man sehr leicht sehr schnell sehr viele Fehler machen und weitere Missverständnisse provozieren. Deshalb mache es wie die unterwürfigen Hunde: SCHWEIGE STILL!

KEINESFALLS WEGRENNEN! *** EXTREME BEIẞ-GEFAHR! *** Hunde sind Jäger. "Wegrennen" weckt zusätzlich zur Aggression noch den Beute-Trieb. Dann hast du nur einen verärgerten oder wütenden Hund am Hacken. Und ja: Der rennt schneller als du.

Ja, ich weiß: Der erste Reflex ist durchaus "Nimm die Beine in die Hand! Renne!" Doch diesen Reflex MUSST du unterdrücken. Selbst Hunde, die eigentlich nur ein bisschen Posen wollen, können dann aggressiv werden. Unterdrücke JEDES Anzeichen von "Flucht"! Mache keine hektischen Bewegungen! Entferne dich - wenn überhaupt - nur langsam und rückwärts vom anderen Hund. Schaue ihn dabei NICHT an! Sprich ihn NICHT an! Fasse ihn NICHT an!

Was für aggressive Hunde gilt, gilt auch für aufdringliche Hunde (etwa das berühmt-berüchtigte "Anspringen"). Diese Hunde haben oft starke soziale Defizite und werden von ihren Haltern vernachlässigt.

Damit werden sie für uns leider unberechenbar, denn die Aufdringlichkeit kann leicht in Forderung übergehen. Und das wiederum kann den Hund zu Dominanz-Aktionen verleiten; bis hin zum Zuschnappen! Dieses Zuschnappen ist typischerweise nicht "bösartig", sondern ein natürliches Mittel des Hundes, dich zu maßregeln ... also DIR "Manieren beizubringen". Insofern ist es (zumeist) auch nicht kritisch; sehr wohl aber lästig und manchmal eben auch blutig.

Wehre aufdringliche Hunde mit sparsamen Bewegungen ab! Bleibe insgesamt aber möglichst still stehen. Fordere den Halter auf, dem Hund Manieren beizubringen und ihn JETZT SOFORT abzurufen bzw. von dir zu entfernen.

WICHTIG! Widme auch aufdringlichen Hunden keine direkte Aufmerksamkeit! Sie missverstehen das meistens als Aufforderung weiterzumachen und noch aufdringlicher zu werden. Also:

Nicht anstarren! Nicht ansprechen! Nicht anfassen! Nur die notwendigsten Bewegungen zur Abwehr des aufdringlichen Hundes machen. Ansonsten am Hund vorbeischauen und passiv verhalten.

Können Hunde meine Unsicherheit oder Angst "riechen"?

Das ist wohl eine der brennendsten Fragen überhaupt. Also beantworten wir sie gleich.

Können Hunde Angst riechen?

Und die Antwort ist schlicht: Nein. Also, in Extremfällen ja; im Regelfall nein. Aaaaaber: Sie nehmen dein Verhalten wahr.

Sagte ich schon, dass Hunde Meister im Lesen der Körpersprache sind? Im Verlaufe ihres Zusammenlebens mit Menschen lernen sie auch die menschliche Körpersprache zu lesen. Wenn du also ängstliches oder zurückhaltendes Verhalten an den Tag legst, dann nehmen die Hunde es durchaus wahr.

Außerdem sind Hunde Jäger. Sie können instinktiv "ängstliches Verhalten" erkennen, weil es für sie BEUTE bedeutet: Wer Angst hat, ist schwach. Wer schwach ist, kann - mehr oder weniger gefahrlos - zu Futter verarbeitet werden.

Auch, wenn es Mut erfordert: Versuche, eine möglichst selbstbewusste und zurückhaltende Haltung zu zeigen. Bleibe aufrecht stehen. Stehe still! Fuchtele nicht herum! Schreie und rede nicht! Schaue den Hund nicht direkt an!

Sogar die meisten scheinbar aggressiven Hunde sind gar nicht wirklich auf Krawall, Prügelei und Blut aus. Das gilt umso mehr, je weniger Grund sie eigentlich zur "spontanen Aggression" haben. (Revierverteidigung, etc.) Stattdessen posen sie nur ein bisschen vor dir, um ihren Führungsanspruch dir gegenüber klarzumachen. Widersprichst du ihnen nicht, sind sie schnell gelangweilt und trollen sich wieder.

Angst ist gut und wichtig für unsere Biologie. Wir können sie nicht unterdrücken oder "wegzaubern". Sie hilft uns beim Überleben. Doch lasse nicht zu, dass deine Angst dich übermannt. Versuche, deine Angst "für dich zu behalten". Umso schneller ist diese Situation vorbei.

Wie verhalte ich mich richtig? Was ist falsch?

Aber es gibt ja nicht nur die aggressiven und die aufdringlichen Hunde. Sehr viel häufiger sind die normalen Hunde mit mehr oder weniger guter Sozialisation, die auf - im Angesicht des Hundes völlig durchgedrehte und gedankenlose - Menschen treffen (müssen). Auch dabei kann es durchaus knallen, wenn Missverständnis zu Missverständnis führt. Damit wir auch das so weit wie möglich vermeiden, haben wir nachfolgend eine Liste der "Do's-and-Don't's" zusammengestellt:

Richtiges Verhalten

Nicht anschauen. Nicht ansprechen. Nicht anfassen. Lass dem Hund den Vortritt bei der Begrüßung. Damit sagst du ihm auf die höflichste Hunde-Art: "Guten Tag! Schön, dich zu treffen. Ich bin auch neugierig auf dich; aber du darfst zuerst."

Auf diese Weise entspannst du den für Hunde durchaus kritischen Moment des Erstkontakts.

Konzentriere dich bei der Begegnung mit fremden Hunden zuerst auf den (Leinen-)Halter. Schaue ihn an. Sprich ihn in ruhigem Ton an.

Doch bleibe in "Armlänge" von ihm entfernt stehen. Manche Hunde haben einen ausgeprägten "Beschützerinstinkt" und lassen vor dem Abschluss der Begrüßung (und manchmal auch nicht danach) allzu große Nähe nicht zu.

Da du sicherlich nicht daran interessiert bist, den Hund auf "Hunde-Art" zu begrüßen (u. a. am After und den Geschlechtsteilen schnüffeln), kannst du den Hund getrost vollständig ignorieren.

Wenn du ihn ignorierst, wird er nicht leiden, sondern - im Gegenteil - daraus ableiten, dass du dich anscheinend für "wichtig" hältst: Du begrüßt nicht jeden, sondern nur jene, die in deinen Augen wichtig sind.

Ganz egal, ob dir deine Impulse sagen, dass du den Hund jetzt unbedingt anfassen musst: Fremder Hund? Halter fragen!

Bleibe in sicherer Entfernung (mindestens doppelte Leinenlänge) und frage den Halter, ob es okay ist, wenn du den Hund anfasst. Er/sie kann dir dann sagen, ob der Hund es dulden (Dulden? Ja, dulden! Denn nein, für ihn ist es kein Spaß, sondern zusätzlicher Stress.) wird.

Dabei gilt dieselbe Regel, wie immer: Nicht anschauen. Nicht ansprechen. Nicht anfassen. Und auch nicht durch allzu große Nähe bedrängen. Nicht jeder Hund, der super-niedlich aussieht, ist auch super-verträglich. Und wie wir alle, so kann auch ein Hund mal einen schlechten Tag haben: Selbst ein eigentlich netter Hund kann dann durchaus - scheinbar "aus dem Nichts heraus" - grimmig werden.

Das "Nicht-Beachten" gilt insbesondere für ALLE Hunde an der Leine. In diesem Fall wird IMMER zuerst der Halter begrüßt, ein paar Worte mit ihm gewechselt und dann - vielleicht(!) - auch der Hund an der Leine beachtet und begrüßt.

Hunde brauchen deine Begrüßung und dein Angrabbeln nicht. Doch sie wissen, dass sie an der Leine und damit in der Freiheit beschränkt sind. "Flucht", als natürlichem Instinkt bei Fehlverhalten deinerseits, ist für sie also ausgeschlossen. Es bleiben ihnen also nur noch Unterwerfung und Kampf als Verhaltens-Optionen. Und nicht jeder Hund wird sich für die Unterwerfung entscheiden...

Also nimm Rücksicht auf den Hund! Sprich zuerst mit dem Halter, dann beachte den Hund an der Leine.

Ja, unsere eigenen Instinkte sagen uns wahlweise "Oh Scheiße! Abhauen!", wenn da so ein großer Mastiff auf uns zugestürmt kommt; oder eben "Oh, wie niedlich! Und sein Fell! So flauschig! Ich MUSS ihn anfassen!", wenn da so ein hübscher Schiba Inu Kurs auf uns nimmt.

Doch beides ist eher schlecht: Bewegst du dich hastig, ergreifst gar die Flucht, befeuerst du damit den Beute-Instinkt des fremden Hundes. Anstatt also den Hund loszuwerden, ermutigst du ihn noch, dir nachzulaufen und dich zu stellen. Nicht zwingend, indem er dich anfällt und "totbeißt", oder so; sondern schon allein dadurch, dass er dich bellend, knurrend und durchaus auch zwickend zu stoppen versucht.

Und auch bei niedlichen und eigentlich lieben und netten Hunden kann dein Zuwenden zum Hund, das Anstarren des Hundes und eine (unbewusst) defensive Haltung (du willst ja nicht stürzen, wenn er gleich bei dir ankommt, nicht wahr?!) als potenzielle Aggression missinterpretiert werden. Gerade die besonders lieben und netten Hunde wechseln dann durchaus schon mal von "eben noch freundlich" zu Stressreaktionen und sogar Angstaggression.

Hund stürmt auf dich zu? Tapfer ignorieren! Nimm stattdessen Kontakt zum Halter auf und fordere ihn - IN RUHIGEM TON - auf, seinem Hund Manieren beizubringen und ihn jetzt erst mal zurückzurufen.

Die allermeisten Hunde stoppen jedoch ein paar Schritte vor dir und nähern sich dann in gemessenem Schritt an. Es gibt also keine Notwendigkeit, sich wie ein Football-Spieler in Defensiv-Position aufzubauen, um den Schwung des Hundes abfangen zu können. Bleibe stattdessen einfach still und angewurzelt stehen. Entspanne die Körperhaltung, fuchtele nicht mit den Armen herum. (Du kannst die Arme vor der Brust verschränken oder in die Tasche stecken, wenn dir das mehr Sicherheit gibt.) Und wie immer gilt:

Nicht anschauen. Nicht ansprechen. Nicht anfassen.

Zur erfolgreichen Gegenwehr brauchst du so oder so die Hilfe des Halters des Hundes. Wende dich also ihm zu: Sprich ihn an! Fordere ihn auf, seinem Hund Manieren beizubringen und ihn jetzt zurückzupfeifen.

Als höfliches Wesen respektieren wir die Wünsche des Hundes. Dazu gehört, dass wir gegenseitig die Geschlechtsteile und Hintern beschnüffeln. Nein, natürlich nicht. Erstens würde dir das nix nutzen; und zweitens braucht der Hund das nicht. Es ist die Neugier, die ihn treibt. Und niemand zwingt dich, selbst neugierig zu sein.

Aaaaaber: Wir klopfen den Hund nicht wie einen alten Teppich aus; und wir grabbeln auch sonst erst mal nicht überall an ihm herum. Wir beginnen das Anfassen im unteren Nacken, also hinten am Hals, da, wo der Rücken beginnt, indem wir zunächst einmal nur sanft die Hand auflegen. Der Hund zeigt uns dann sehr schnell und deutlich, ob er weiteres Anfassen tolerieren wird.

Tolerieren? Ja, tolerieren! Der Hund will und braucht nicht von dir angefasst werden. Er toleriert aber höchstwahrscheinlich, dass deine Instinkte dich dazu treiben. Und dieses "höchstwahrscheinlich" machst du zur "Sicherheit", indem du ihn auf seine Art fragst: Lege sanft die Hand auf seinen Nacken.

Bleibt er still stehen oder drängt sich sogar an dich? Dann toleriert er auch mehr.

Zeigt er Zeichen der Beschwichtigung oder Ablehnung? Dann solltest du die Hand wegnehmen, dich langsam(!) aus der Hocke erheben und rückwärts ein, zwei, drei Schritte nach schräg hinten wegtreten.

Dominanz-Geste! Wer den Abschnitt Dominanz und Disziplin aufmerksam gelesen hat, wird es längst wissen: Das "Handauflegen im Nacken-Bereich" ist eine Dominanz-Geste. Damit sagen wir dem Hund: "Ich werde dich jetzt dominieren. Bist du damit einverstanden oder hast du Einwände?"

Falsches Verhalten

Der Hund kann noch so niedlich sein: Stürmst du auf ihn zu, starrst ihn dabei gar an, fasst JEDER Hund das als Bedrohung auf. Seine natürlichen Instinkte sagen ihm: "Scheiße! Er/sie will mich angreifen!"

Doch selbst, wenn er sich nicht bedroht fühlt: Du gibst du dem fremden Hund eine Bedeutung, die sein Halter vielleicht gar nicht will: Hunde respektieren Rangordnungen, wie der Adel das höfische Protokoll. Wenn du dich nun also voll auf den Hund konzentrierst, ist das so, als würdest du dein Kind bei Oma abgeben: Danach ist es mit der Erziehung eine Weile ganz sicher nicht leichter.

Oh ja, der Hund ist niedlich/hübsch/whatever. Und wir können uns an ihm gar nicht sattsehen. Doch für den Hund bedeutet Anstarren IMMER Aggression.

Während du also den Hund verliebt anstarrst und dir möglicherweise direkt die Muttermilch einschießt, überlegt der fremde Hund die ganze Zeit: "Was mache ich falsch? Warum bedroht er/sie mich so offensiv?"

Kurz anschauen ist okay. Besser wäre gar nicht anschauen; bzw. am Hund vorbeischauen und ihn nur aus den Augenwinkeln beobachten.

Längeres Anschauen - also Anstarren - ist eine Bedrohungshaltung. Selbstbewusstere - aber auch ängstliche - Hunde können das leicht missverstehen und ihrerseits eine Verteidigungs- oder sogar Angriffshaltung einnehmen.

Viele Hunde zeigen - gerade bei stürmischen Begrüßungen durch den fremden Menschen (also dich) - sehr schnell deutliche Beschwichtigungssignale. Missachtest und ignorierst du diese Signale, bleibt dem Hund aus seiner Sicht nur noch die Aggression. Tatsächlich ist diese Situation die häufigste Verletzungsquelle für Menschen.

  • Kopf von dir wegdrehen
  • Kopf zur Erde ducken
  • Körper von dir wegbeugen
  • Oberkörper wegdrehen
  • eigene Nase lecken
  • Weggehen
  • Schwanz unten oder zwischen den Beinen
  • Rücken nach oben durchgebogen
  • Beine gegen dich in die Erde stemmen

All das sind klare Signale, dass du den Hund SOFORT in Ruhe lassen solltest. Und hier ist die Faustregel ganz einfach:

Faustregel: "In Ruhe lassen" ist niemals falsch. Daher kannst du es nicht zu früh machen. Zu viel, zu heftig oder zu lange bedrängen ist jedoch durchaus gefährlich: Beißgefahr!

Auch das ist "typisch menschliches Verhalten". Auch das ist für Hunde ein typisches Aggressionssignal. Indem du dich über den Hund beugst, bedrängst du ihn. Selbstbewusstere Hunde werden das nicht dulden. Und schlimmer noch: Da nun dein Gesicht der nächste Punkt für den Hund ist, musst du im schlimmsten Fall mit bleibenden Narben im Gesicht rechnen.

NIEMALS über den fremden Hund beugen! NIE! MALS! Hier besteht ERNSTHAFTE BEIẞ-GEFAHR! Auch bei sonst netten Hunden.

Wenn du schon runter musst (oder willst), dann hocke dich SEITLICH NEBEN DEN HUND. Drehe dabei den Oberkörper in dieselbe Richtung, in die der Hund steht, so dass ihr beide "Seite an Seite" seid.

Faustregel: "In Ruhe lassen" ist niemals falsch. Daher kannst du es nicht zu früh machen. Zu viel, zu heftig oder zu lange bedrängen ist jedoch durchaus gefährlich: Beißgefahr!

Viele - eigentlich die meisten - Hunde tolerieren es, angefasst zu werden. Tolerieren? Ja, tolerieren; denn sie brauchen es nicht für ihr Wohlbefinden.

Doch Hunden ist es genauso unangenehm, wie es dir ist, wenn jemand auf ihnen "herumklopft", dass es in der Lunge widerhallt. Das ist kein Zeichen deiner "Coolness", sondern ein Zeichen deiner Respektlosigkeit.

Woher kommt nur diese nicht auszurottende Unart, Hunde wie einen alten Teppich "auszuklopfen"? Lass das! Für immer! Mache es nie! Auch nicht "ein bisschen". Im Interesse des Hundes. Und in deinem eigenen Interesse.

Hunde können sehr gut ohne Streicheln und Angrabbeln leben. Respektiere das! Wenn du sie also angrabbeln musst, dann sei sanft mit ihnen. Sie werden es dir (meistens) danken.