Mein Hund springt mich und andere Leute immer an

Was steckt dahinter?

Vielfach wird behauptet: »Das ist reine Dominanz! Dein Hund reißt die Weltherrschaft an sich!« oder auch »Nöööö, das ist pure Wiedersehensfreude! Dein Hund mag dich halt sehr. Ich find's jedenfalls niedlich, wenn meiner das macht.«

Doch tatsächlich ist es weder noch. Dein Hund hat keinen Plan, die Weltherrschaft an sich zu reißen (jedenfalls nicht hier und jetzt). Und es ist nicht nur die reine Freude. Vielmehr ist es schlicht und einfach

Respektlosigkeit

Dein Hund ist dir gegenüber einfach nur völlig respektlos und missachtet absichtlich die Höflichkeit. Man könnte auch sagen, er ist schlecht erzogen worden. Ihm fehlt das Wissen, wie man sich anderen - Menschen UND Hunden - gegenüber höflich verhält.

Kann gefährlich für den Hund werden Hunde, die respektlos gegenüber Menschen sind, sind es oft auch gegenüber Hunden. Andere Hunde können darauf aggressiv reagieren. .... Und - Zack! - schon fährst du zum Tierarzt, weil dein Hund gebissen wurde.

Falsch: Wie reagieren die Menschen auf das Anspringen?

Logisch! In Unkenntnis der tatsächlichen Hintergründe schwanken sie zwischen zwei Reaktionen, je nachdem, was sie selbst glauben, was die Ursache des Anspringens ist:

  1. Sie reagieren völlig überzogen, weil sie "bösartige Dominanz" befürchten.

    Sie herrschen den Hund an: »Aus! Sitz! Platz! ... Geh auf deinen Platz!« und was ihnen sonst noch so in ihrer Verzweiflung einfällt, um den Hund "wieder unter Kontrolle" zu bringen. Im schlimmsten Fall bestrafen sie ihn sogar noch dafür und beschädigen das Vertrauensverhältnis des Hundes zu ihnen.

    Damit bringen sie dem Hund bei: »Kurz anspringen und respektlos sein ist okay! Aber danach machst du Sitz, Platz oder gehst in deine stille Ecke!«

  2. Sie belohnen und fördern das Verhalten, weil sie glauben, dass es "reine Freude" ist.

    Sie freuen sich mit dem Hund » Jaaaaaa, die Mama ist ja wieder da. Ich freue mich ja auch ganz doll. Guck mal, die Mama hat dir ein Leckerlie mitgebracht!« Und sie sagen damit eigentlich » Sei ruhig weiter respektlos zu mir! Ja! So ist es gut! Je respektloser du wirst, desto mehr hat dich die Mama lieb!«

    ... und irgendwann haben sie einen Hund, der sich andauernd und überall respektlos verhält. Und dann wird er - wenn er großes Glück hat - "zum Reparieren" in die Hundeschule geschickt oder, im schlimmsten Fall, ins Tierheim abgeschoben, » ... weil der Hund so ein garstiges, respektloses und dominantes Mistvieh ist, das man einfach nicht beherrschen kann.«

Doch BEIDES ist grundfalsch und bringt den Hund nicht dauerhaft zur Ruhe; oder vermittelt ihm gar die lebensnotwendige Sozial-Kompetenz.

Keine Aufmerksamkeit für falsches Verhalten!

Ganz egal, wie sehr es dir auf den Nägeln oder der Zunge brennen mag, jetzt auf deinen Hund und sein Verhalten zu reagieren:

Du "bestrafst" ihn mit Missachtung!

Keine Reaktion auf ihn. Kein Wort zu ihm. Kein Blick. Kein Ton. Keine Geste. Nicht stehenbleiben. Und wenn er dir in den Weg springt, trotzdem weitergehen. ... gerade so, als würde der Hund gar nicht existieren.

Es ist nicht richtig, ihn mit Aufmerksamkeit für dieses Verhalten zu belohnen. Und es ist nicht notwendig, ihn für sein falsches Verhalten zu bestrafen. Allein die Tatsache, dass er keine Belohnung (also Aufmerksamkeit vom Rudelführer) bekommt, sagt ihm: » Verkackt! Ich habe es übertrieben. So sollte ich es nicht machen.«

Ruhiger Hund? Jetzt - und erst jetzt - gibt's die Begrüßung!

Erst, wenn dein Hund wirklich ruhig und entspannt ist, wenn er sich vielleicht schon irgendwo hingelegt hat, schnauft und gelangweilt in die Welt schaut ...

... erst jetzt ist der richtige Zeitpunkt für die Begrüßung.

Dein Hund wird sehr schnell lernen, dass er mit Ruhe und Geduld die Zeitspanne bis zur Begrüßung verringern kann. Und schon sehr bald wird dich ein ruhiger Hund, dessen Schwanz vor Freude mit dem ganzen Hund wackelt, so dass er sich kaum auf den Pfoten halten kann, begrüßen:

Perfekt! SO - und GENAU SO - wollen wir es haben: Ein freudiger aber ruhiger und unterordnungsbereiter Hund sagt uns »Hallo!« Das ist nicht nur zum Schutz von Klamotten und Gesicht gut. Das hilft ihm auch, da draußen in der Welt mit anderen Hunden klarzukommen. Denn auch die erwarten von fremden Hunden eine ruhige und entspannte Begrüßung. 

Zu spät »Hallo!« sagen ist besser als zu früh! Wenn du ihn "zu früh" begrüßt machst du ihm das Lernen nur unnötig schwerer, weil er nicht weiß, wie ruhig er beim Begrüßen sein soll. Wenn du ihn hingegen "zu spät" begrüßt, hat er kein Problem damit: Er wird sich immer noch freuen, dass du ihn endlich beachtest und » Hallo!« sagst.

Wie trainiere ich es einem Welpen ab?

Oh ja, sie sind niedlich. Wie sie so tapsig an einem hochsteigen. Und ihre Kulleraugen erst. ... Wer könnte da widerstehen? Doch je früher du deinem Hund seine Grenzen klar machst, desto einfacher machst du es ihm. Das gilt auch für "niedliche Welpen".

Wechsle den Standort. Ganz ruhig und gelassen gehst du einfach mindestens 5, 6 Schritte weg vom Welpen. Kein Wort. Kein Ton. Keine überflüssige Geste. Nicht anschauen. Einfach weggehen.

Wenn du gerade sitzt und er anfängt, auf dir herumzuturnen, stehst du - ganz ruhig und entspannt - auf und gehst mindestens 5, 6 Schritte weg. Wortlos. Ohne ihn anzuschauen. Einfach aufstehen und weggehen. Am neuen Platz lässt du dich wieder nieder und lädst den Welpen nur allein durch ruhiges, entspanntes Sitzen wieder zu dir ein. Immer noch kein Wort. Kein Ton. Keine Geste. Nicht anschauen. Und schon gar nicht locken. ... Er wird erst stutzen, warum du weggehst, und dann von ganz allein angewatschelt kommen und wieder deine Nähe suchen.

Mit diesem Verhalten sagst du ihm »Du gehst zu weit. Das ist mir unangenehm. Mache das nicht. Sonst gehe ich weg.«

Mein Hund springt auch Fremde, Bekannte und andere Leute an.

Logisch! Wenn er die Respektlosigkeit bei dir gelernt hat, wird er sie für "normal" halten. Dann macht er das irgendwann mit jedem. Auch mit fremden Hunden. Und mit Fremden, Bekannten, Freunden, Schwiegereltern, einfach mit jedem.

Lege deinen Hund seitlich zu deinen Füßen ins »Platz!« (Hoffentlich kann er wenigstens das. ;))

Dann sagst du den Fremden, Bekannten oder Freunden, dass sie den Hund NICHT BEACHTEN sollen. Nicht anschauen. Nicht ansprechen. Nicht anfassen. Du bleibst beim Hund stehen und lässt deinen Gast zu dir kommen. Anschließend begrüßt ihr euch und macht, was ihr halt so machen wollt.

Du hältst währenddessen ein Auge auf deinen Hund: Zeigt er Anzeichen aufstehen zu wollen, legst du ihn SOFORT wieder ab. Er darf erst aufstehen, wenn er klare Zeichen von Ruhe zeigt: Das Maul geht auf, die Zunge kommt raus, der Blick schweift in der Gegend herum, die Ohren spielen in alle Richtungen, der Kopf wird schwer und sinkt nach unten, die Augen entspannen sich, vielleicht schließt er sie sogar, der Hund legt sich entspannter hin und knickt eventuell auch eine Vorderpfote ab. ... All das sind Zeichen der Entspannung.

Mit diesem Verhalten sagst du ihm »Mein Job! ICH begrüße unseren Gast zuerst. Und du darfst - vielleicht - später auch. Wenn du dich beruhigt hast. Denn ich will nicht, dass du unseren Gast aufregst und nervös oder sogar aggressiv gegen uns machst.«

Wenn du das konsequent durchziehst, wirst du schon sehr bald feststellen: »Mööööööööööönsch, mein Hund ist ja wie ausgewechselt. Der beruhigt sich im Platz so schnell, dass es sich schon fast gar nicht mehr lohnt, ihn abzulegen.« Und - ganz ehrlich - was wollen wir mehr? Denn NATÜRLICH soll er »Hallo!« sagen dürfen. Aber auf ruhige, zurückhaltende und vor allem höfliche Art. So, wie es auch andere Hunde von ihm erwarten, wenn er sie begrüßt.

Nicht "aussperren"! Wenn du deinen Hund ins Nachbarzimmer sperrst, beruhigst du ihn nicht, sondern regst ihn nur noch mehr auf. Doch dabei wird aus "exaltierter Freude" auch schnell Frust oder sogar Wut.

Lasse ihn zuschauen! Anstatt ihn auszusperren, lasse ihn zuschauen, wie es richtig geht. Und belohne seine Geduld damit, dass er eben später » Hallo!« sagen darf.

Nicht anschauen! Nicht ansprechen! Nicht anfassen!

»Platz!«, nicht »Sitz!« Das Liegen ist für den Hund selbst ein psychologisches Signal der Entspannung. Sein Körper entspannt sich von ganz allein nach einiger Zeit. Du hilfst ihm also sich zu entspannen, wenn du ihn hinlegst und nicht nur sitzen lässt.