Wie werde ich ein guter Rudel-Führer?

Sobald ein Hund in deine Familie kommt, wird aus der Familie ein "Rudel". Dein Hund wird euch alle als Mitglieder seines Rudels betrachten. Und dein Job ist es, von diesem Tag an zu einem guten Rudelführer zu werden. Doch da isse schon, die drängende Frage

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Was zeichnet einen guten Rudelführer aus?
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Gucken wir doch mal, wie Hunde das unter sich ausmachen...

Wie werde ich ein guter Rudelführer?

"Beißen" sie sich an die Spitze? Gewinnt also der Stärkste?

Hunde ordnen ihr Rudel instinktiv. Für sie ist "Schutz des Rudels" eine fundamentale Grundregel. Und die Koordination des Schutzes übernimmt der Rudelführer.

Nur sehr, sehr wenige Hunde sind "geborene Anführer". Die allermeisten machen den Job nur notgedrungen, wenn sich niemand anderes dazu bereit erklärt.

Um sicherzustellen, dass das Rudel gut geführt wird, testen sie einfach regelmäßig die Hausordnung: Beweist du dich als Anführer; oder müssen sie notgedrungen übernehmen?

Deshalb fordern Hunde nur schwache Rudelführer heraus. "Schwach" ist aus ihrer Sicht, wer Regeln nicht durchsetzen kann. Dabei geht es ausdrücklich NICHT um "körperliche Durchsetzungsfähigkeit", sondern um ganz subtiles Durchsetzen der einfachen Alltags-Regeln.

Wenn Hunde einen Rang "mit den Zähnen erkämpfen" wollen, dann hat der Rudelführer schon sehr viele kleine und große Fehler gemacht. Der Hund sieht dann nur noch: »Unser Rudel ist schwach. Unser Anführer taugt nichts. Ich muss den Job unbedingt selbst machen, wenn wir überleben wollen.«

Gewaltiges Problem! Ist es schon so weit fortgeschritten, solltest du dir professionelle Hilfe holen und dich an eine Schule oder einen Trainer wenden.

Rudelführer wird, wer ruhig, sicher und entschlossen handelt. Führe klar verständlich, lobe zur richtigen Zeit, bestrafe sparsam und reagiere auf alle Situationen, von deinen dein Hund denkt, dass man darauf reagieren muss.

Werde möglichst nie nervös, hektisch oder gereizt. Das sind Anzeichen von Schwäche. Dein Hund glaubt, du hast es nicht mehr im Griff. Und dann zwingen ihn seine Instinkte, selbst zu handeln.

Rufelführer - Beißen sie sich an die Spitze?

Gilt das "Highlander-Prinzip"? Kann es nur einen Anführer geben?

In der freien Natur werden Rudel meist von einem Alpha-Pärchen geführt. Doch in der Rudel-Hierarchie akzeptieren Hunde sehr viel mehr Rudelführer, denen sie sich unterordnen.

  • ALLE Familienmitglieder sind "gleichberechtigte Anführer"
  • Es gibt bei euch KEINEN "1., 2. oder 3. Anführer"
  • Mache auch deine Kinder zu "Anführern des Rudels"
  • Dein Hund ist IMMER das "rangniedrigste" Rudelmitglied

Setze das durch. Dein Hund hat kein Problem damit. Aber er wird immer mal wieder versuchen, "Karriere machen" zu können und in der Hierarchie aufsteigen zu dürfen. Es ist der Job ALLER Rudelführer, für Ruhe und Ordnung im Rudel zu sorgen.

Profi-Tipp ALLE Familienmitglieder sind Rudelführer. Auch deine Kinder. Der Hund ist IMMER das rangniedrigste Mitglied eures Rudels.

Wie merke ich, ob mein Hund mich als Rudelführer akzeptiert?

Teste es an der Hausordnung! Hält dein Hund sich daran?

Oder wird er zickig? Streitet er mit dir um die Führung? Lässt er sich nicht vom Platz "vertreiben"? Beansprucht er einen Sessel? Weicht er nicht vor dir aus, bevor du ihn berührst, wenn du auf ihn zugehst? Lässt er dich bei Spielen partout nicht gewinnen? Gibt er Spielzeuge nicht freiwillig her? Zieht er an der Leine?

Hunde streiten nicht laut und mit zähnefletschender Gewalt um die Rangordnung. Das meiste spielt sich sehr subtil und leise ab. Für uns Menschen ist das fast unmerklich.

Und wenn der Hund wiederholt beim Testen der Hausordnung feststellt, dass sein Rudelführer Schwächen zeigt, dann sagt ihm sein Instinkt: »Jetzt! Du musst das Rudel schützen! Dein Anführer ist zu schwach dafür.«

Für dich bedeutet das: Prüfe anhand der Hausordnung immer wieder, ob noch alles im grünen Bereich ist. Dein Hund wird es dir sehr deutlich zeigen.

Widme dich Problemen so früh wie möglich! Je früher du ein Problem erkennst, desto einfacher ist es, das Problem zu lösen.

Probleme lösen sich nicht von allein! Vernachlässigst du die Lösung des Problems, wird aus einem kleinen Problem mit der Zeit ein großes. Immer.

Muss ich IMMER Rudelführer sein, oder kann ich auch mal 5e gerade sein lassen?

Die Leittiere eines Rudels sind "sanfte Diktatoren". Für sie steht die Sicherheit des Rudels im Mittelpunkt. Deshalb erlauben sie alles, was diese Sicherheit nicht gefährdet.

Der Job des Rudelführers ist ein Vollzeitjob. Daran gibt es keine, wirklich nicht die geringsten Abstriche. Du wirst also IMMER - wirklich DIE GANZE ZEIT - "Rudelführer" sein müssen. Das betrifft absolut alles. Wirklich absolut alles. Ohne die geringste Ausnahme.

Trotzdem musst du keinesfalls "herrisch" sein. Du kannst viele Dinge dem Selbstlauf überlassen. Ob dein Hund an diesem oder jenem Baum schnüffeln will, ist sein Ding. Ob er gerade liegen, stehen oder herumlaufen will, kann auch seine Entscheidung bleiben, wenn er nicht gerade im "Sitz" oder "Platz" abgelegt wurde.

Wenn Situationen eintreten, die eine Ansage brauchen, weil sie eine Reaktion erfordern, dann musst du mit 100% deiner Anführer-Kraft da sein und die Situation souverän klären.

Und das sind Situationen, von denen dein Hund glaubt, dass sie eine Reaktion erfordern. Nicht du. Dich stört der vorbeifahrende Radler vielleicht nicht; aber dein Hund glaubt, er wolle das Rudel angreifen. Also musst du - rechtzeitig(!) - reagieren und deinem Hund klarmachen: »Schon gesehen. Ist keine Gefahr für uns. Du kannst weiter Büsche anpinkeln, oder was du gerade gemacht hast.«

Profi-Tipp Halte die Umwelt im Blick. Prüfe, ob etwas dabei ist, was dein Hund als "gefährlich, problematisch oder handelnswert" einstufen könnte. Nur darauf musst du reagieren.

Frühzeitig Handeln erspart Arbeit und Aufregung Es ist sehr viel leichter, deinen Hund zur Ordnung zu rufen, wenn er sich noch nicht aufregt. Ein guter Rudelführer hat deshalb immer alles im Blick und reagiert, BEVOR der Hund reagiert.