Konsequenz, Geduld, Disziplin & Zuneigung - in dieser Reihenfolge!

In diesem Abschnitt sprechen wir mal über die vier wichtigsten Dinge für deinen Hund --- und für dich, als "Rudelführer":

Konsequenz, Geduld, Disziplin & Zuneigung

Viele Menschen sind bereit, ihrem Hund vor allem eines zu geben: Zuneigung, Zuneigung, Zuneigung und nochmals Zuneigung. Sie glauben, allein durch Zuneigung werde ein Hund schon lieb. Denn wie kann er nicht lieb werden, wenn man selbst lieb ist?

Was meint "Konsequenz"?

Konsequenz bedeutet nichts anderes als »Bleibe unbeirrbar! Ändere deine Meinung nicht! Bleibe entschlossen!«

Das bedeutet NICHT, dass du dich "mit allen Mitteln durchsetzen" sollst. Sondern, dass du es ruhig und geduldig aber fest entschlossen machst.

Genauso, wie du es auch mit deinen Kindern machst: Sie gehen an den heißen Herd? Natürlich hältst du sie davon ab. Schließlich sollen sie keinen Schaden nehmen. Und du wirst es jedes Mal machen, wenn sie erneut an den heißen Herd gehen. Doch du wirst sie nicht prügeln. Stattdessen wirst du andere Wege finden, sie KONSEQUENT DAVON ABZUHALTEN, einen Fehler zu machen, den sie (und du) unter Umständen noch sehr lange bereuen würden.

Nicht anders ist es mit deinem Hund: Du setzt die Regeln der Hausordnung konsequent durch. Nicht mit Strafen. Nicht mit Prügel. Sondern beschützend, geduldig und ruhig. Aber entschlossen, dauerhaft und unbeirrbar.

Sei IMMER konsequent! Wenn du dich einmal entschlossen hast, dass der Hund nicht aufs Sofa darf, dann bleibt er IMMER unten. Ausnahmslos.

Auch Regeländerungen verfolge konsequent! Wenn du dich irgendwann entschließt, dass der Hund doch aufs Sofa darf, dann darf er das IMMER.

Es gibt KEINE Ausnahmen! Hunde verstehen "Ausnahmen" nicht. Für sie sind Ausnahmen eine Änderung der Regel. Mit Ausnahmen belohnst du sie also nicht: Du BESTRAFST sie vielmehr. Denn wenn sie es später erneut wollen, du aber nicht, verstehen sie die Welt nicht mehr...

Was meint "Geduld"?

Auch Hunde sind nur Menschen. Und natürlich stellen sie sich auch mal tapsig oder sogar dumm an. Natürlich braucht es manchmal 3, 4 - oder doch eher 30 - Anläufe, bis sie etwas begriffen haben.

... wie kleine Kinder eben. Denen kannst du auch nicht mal eben sagen: »Guck, hier ist die Gabel. Viel Spaß damit!« Stattdessen bringst du ihnen mit viel Übung und noch mehr Geduld bei, wie man damit richtig umgeht.

Auch dein Hund hat dieselbe Hingabe verdient. Schließlich ist er Teil deiner Familie.

Du hast nicht den Nerv für Geduld? Dann lass es jetzt mit deiner Erziehung gut sein. Probiere es in 2 Stunden noch einmal. Dann hast du wieder mehr Kraft, Ruhe und Geduld.

Je ruhiger und geduldiger du mit deinem Hund übst, desto schneller kann er lernen.

Hunde durchschauen Hochstapelei! Lautstärke und Ruppigkeit - also UNGEDULD - sind deutliche Zeichen von schwacher Autorität.

Was meint "Disziplin"?

Für viele Menschen ist das Wort Disziplin negativ besetzt. Für manche klingt es sogar wie "Disziplinierung", also "Strafe".

Doch jeder, der sich schon mal ein großes Ziel gesetzt hat - vielleicht eine Diät oder die Teilnahme an einem Marathon -, der weiß: Ohne Disziplin ist das Ziel nicht zu erreichen. Man muss eisern dabei bleiben; auch, wenn so manches Mal der innere Schweinehund breit grinsend dasteht und sagt: »Hey, dieses eine Stückchen Torte. Das wirft doch doch nur um ein paar Tage zurück. Und es schmeckt sooooooo lecker!«

Gefahr! Hunde, die keine Grenzen und keine Disziplin kennen, neigen zu auffälligem und neurotischem Verhalten. Sie fühlen sich dann nicht mehr wohl.

Hunde sind Rudel-Tiere. Ihre Gene sagen ihnen: »Ein Rudel besteht aus Leit-Tieren, die das Rudel anführen; und aus Rudel-Mitgliedern, die den Leit-Tieren gehorchen. Denn nur so kann das Rudel vor Gefahren geschützt werden und überleben.« Das haben auch 5.000 Jahre Domestikation und 70 Jahre "Dosenfutter" nicht wegzüchten können.

Deshalb kannst du es sehr leicht selbst beobachten: Du wirst KEINEN Hund eines Obdachlosen finden, der einen neurotischen Tick hat. Aber du wirst sehr viele Hunde in Reihenhäuschen finden, die genau diese kranken, neurotischen Ticks haben.

Warum? Ganz einfach: Weil ein Obdachloser seine Hunde konsequent, geduldig und diszipliniert erzieht und es als Lebewesen anerkennt, während die "Reihenhäusler" vor allem auf Liebe und Zuneigung setzen und damit allzu oft eigentlich nur als ein lebendiges Spielzeug oder Kind-Ersatz (obwohl: ein Kind würden sie sicherlich besser behandeln) betrachten...

Hunde sind auch nur Menschen Hunden geht es nicht anders als Menschen. Auch für sie sind viele Dinge verlockend. Und natürlich ist das "grenzenlose Herumtollen, ohne auf den Abruf des Leinenhalters hören zu müssen", ANFANGS eine tolle Angelegenheit. Doch auch sie leiden später unter der Inkonsequenz bei der Durchsetzung der Disziplin.

Hunde wollen Strukturen! Als Rudel-Tieren ist Hunden die Rudel-Struktur genetisch eingebaut: Es gibt Leit-Tiere; und es gibt Mitglieder des Rudels. Und die Leit-Tiere leiten das Rudel. Erst, wenn diese Struktur gegeben ist, erst, wenn das Leit-Tier seine Aufgabe erfüllt, können sie sich wirklich entspannen. Denn dann ist - aus ihrer Sicht - das Rudel in Sicherheit.

Was meint "Zuneigung"?

Aus menschlicher Sicht dürfte das wohl sonnenklar sein, nicht wahr?! Man stopft den Hund mit Leckerlie, Schokolade und Keksen voll, bis er nicht mehr laufen, sondern nur noch rollen kann. Dazu wird der Hund ständig angefasst, geknuddelt, auf den Schoß gehoben und kräftig ausgeklopft, dass Lunge und Bauchraum nur so dröhnen.

... Und was sagen Hunde dazu? Klar, auch Hunde sind nur Menschen. Wenn es lecker ist, wird's gefressen, bis man platzt. Und die "endlosen Streicheleinheiten" lässt Hund eben über sich ergehen. »Ist jetzt nicht der Knaller. Aber was soll ich machen? Was besseres bekomme ich hier ja nicht. Und deswegen Streit anfangen mag ich nicht.«

Gib deinem Hund Streicheleinheiten. Natürlich! ... Aber in Maßen. Drei, vier Mal sanft über den Nacken gestrichen oder dort ein Minütchen sanft gekrault zu werden, findet er himmlisch.

Und gib deinem Hund Leckerlie. Natürlich! ... Aber verzichte darauf, ihn zu mästen, wie eine Weihnachtsgans: 

Hunde sind Raubtiere. Und als solche haben sie von Natur aus eine sehr spät einsetzende Sättigung. Man weiß in der freien Wildbahn da draußen ja nie, wann es das nächste Mal etwas zu essen gibt.

Also musst DU aufpassen, dass dein Hund nicht fett wird. Denn wenn er einmal fett ist, kann er nicht mehr mit anderen Hunden um die Wette laufen. Und DAS ist für ihn ein großer Spaß; dort schüttet er jede Menge Glücks-Botenstoffe aus. Genauso, wie Schokolade das bei Frauen schafft.

Falsch verstandene Tier-Liebe ist Tier-Quälerei! Hunde sind glücklich, wenn SIE IHRER Natur folgen können. Und sie leiden, wenn DU DEINE Natur auf Biegen und Brechen durchsetzt.

Beispiel: Schlafbedürfnis Hunde schlafen je nach Rasse, Auslastung und Charakter zwischen 12 und 16 Stunden am Tag. Trotzdem wirst du nur sehr selten erleben, dass dein Hund sagt: »Jetzt? Raus? Nöööö, geh mal allein. Ich bin müde und will nur noch schlafen.« Vielmehr liegt es bei dir - und NUR BEI DIR -, deinem Hund nicht durch langfristigen Schlafentzug zu schaden. ... Und was für den Schlaf gilt, gilt auch für alles andere.

Wie geht's richtig?

All das oben Gesagte bedeutet für uns: Finde das richtige Maß! Denn schon Paracelsus wusste zu berichten: »Die Dosis macht das Gift!«

Doch wie findet man das richtige Maß?

  1. Immer Konsequenz & Geduld
  2. Meistens Disziplin
  3. Gelegentlich Zuneigung

Dein Hund kann wunderbar ohne deine Zuneigung auskommen, wenn du ihm ein sicheres Rudel (Sicherheit + Futter) garantierst. Dann kann er sehr gut auf Streicheleinheiten, Leckerlie und Zuneigung verzichten und trotzdem ein gesundes Leben führen.

Ohne Disziplin wird dein Hund verhaltensauffällig! Deshalb kann er nicht ohne Disziplin leben. Er braucht die Strukturen des Rudels. Denn die geben ihm die "gefühlte Sicherheit".

Ohne Konsequenz ist alles nichts! Was nutzt dir Disziplin, wenn du nicht konsequent bist? Dein Hund wird von deiner Inkonsequenz immer mehr verwirrt. Das irritiert ihn. Das verunsichert ihn. Das nimmt ihm die Sicherheit seines Rudels. Er fühlt sich dann verletzlicher und wird entweder ängstlicher oder dominanter werden.

Sei IMMER konsequent & geduldig!

Sei MEISTENS diszipliniert!

Zeige GELEGENTLICH deine Zuneigung!

In dieser Reihenfolge! Das ist es, was ein glückliches Hunde-Leben ausmacht.

Wie sieht das in der Praxis aus?

»Gar grau ist alle Theorie.«, wusste schon Goethes Mephisto zu sagen. Schauen wir uns deshalb mal an, was das in der Praxis bedeutet.

Da es aber auf ALLE Praxis (Und wirklich überall und immer!) zutrifft, gäbe es Tausende Beispiele, die wir hernehmen könnten. Deshalb findest du auch viele Praxis-Beispiele im Abschnitt »Training« ausführlich beschrieben. Hier greifen wir uns einfach willkürlich eins heraus.

Nehmen wir an, du möchtest, dass dein Hund nicht aufs Sofa hopst.

Zunächst einmal wappnest du dich mit Konsequenz: Dein Hund darf NIEMALS - auch nicht in deiner Abwesenheit - auf das Sofa hüpfen. Das bedeutet für dich: Wenn du vermutest, dass er es "heimlich" macht, wenn du gerade nicht im Zimmer bist, dann behalte ihn unter Kontrolle. Dann muss er eben mit dir aus dem Zimmer gehen und darf erst wieder rein, wenn du auch da bist.

Das musst du IMMER durchziehen, denn schon die erste Ausnahme fühlt sich für deinen Hund so an: »Oh? Ich darf ab jetzt auf das Sofa? Cool! Gerne! Danke!«

Dann stärkst du dich und deinen Hund mit Disziplin. Ein klares, kurzes Kommando (beispielsweise: »Nein!«) muss ausreichen, um es ihm verbieten zu können. Schaffst du das nicht, fehlt es euch entweder an Konsequenz (Er hat's zwischendurch öfter mal gemacht.) oder an Disziplin (Er nimmt dich als Rudelführer nicht ernst.).

Und erst zu guter Letzt kommt die Zuneigung. Du belohnst deinen Hund für richtiges Verhalten. Hier reicht schon ein warmes Wort in freundlichem Tonfall (»Guter Junge!«); und dein Hund wird freudig mit dem Schwanz wedeln und Glückshormone ausschütten...

Auf die Zuneigung kann dein Hund verzichten. Die braucht er nicht direkt gezeigt zu bekommen. Denn du gibst ihm bereits damit, dass du dich als guter Rudelführer erweist, das warme Gefühl, beschützt und behütet zu sein. Und mehr wünscht er sich nicht. (Auch, wenn er gelgentlich nach dem Luxus des bequemen Liegens schielen sollte; so wie wir nach der Schokolade schielen.)

Aber um das warme Gefühl von Schutz und Sicherheit zu bekommen, braucht er einen souveränen, verlässlichen, freundlichen und klugen Rudelführer. Und der wiederum braucht Konsequenz & Disziplin.

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