Grundlagen für das Hunde-Training

Bevor du mit der Ausbildung deines Hundes beginnst, solltest du dir ein bisschen Grundwissen über Hunde im Allgemeinen, sowie die Rasse deines und den Charakter deines Hundes im Speziellen aneignen.

Das hilft dir, besser zu verstehen, "wie dein Hund tickt". Denn er versteht die menschliche Sprache nicht. Du kannst ihm Hundert Mal die Hausordnung vorlesen, er wird trotzdem fröhlich weitermachen...

Hunde verständigen sich untereinander nur mit Körpersprache und sehr wenigen Lauten. Sie quatschen nicht. Sie machen.

Praxis-Tipp Je schwieriger das Lernen, desto weniger solltest du reden. Bei schwierigen oder neuen Kommandos solltest du also nur Geräusche machen, wenn es unbedingt erforderlich ist.

Das bedeutet für uns: Diskutieren & Schimpfen ist IMMER ZWECKLOS! Wenn dein Hund etwas falsch macht, dann hast du es ihm nicht richtig gezeigt. Überlege in solchen Fällen, was du falsch gemacht hast. Korrigere deine Fehler und zeige es ihm noch einmal. Dann aber besser ... oder gleich richtig.

Wenn du deinem Hund etwas beibringen willst, dann "geht er zur Schule". Auch du wurdest nicht gleich in der ersten Klasse mit Prozentrechnung überfordert. Stattdessen hat man dir erst die Zahlen beigebracht; dann die Multiplikation und die Division. Erst dann hattest du überhaupt erstmals eine gute Chance, die Prozentrechnung zu verstehen: Du musstest einfach nur die drei gelernten Schritte richtig zusammensetzen.

Für deinen Hund ist das nicht anders: Jede etwas anspruchsvollere Aufgabe besteht aus mehreren Schritten. Zerlege also JEDE komplexe Aufgabe in einzelne Schritte. Und bringe deinem Hund diese Schritte einzeln bei.

Beispiel Auch das für uns so einfache "Geh auf deinen Platz!" besteht für den Hund aus drei einzelnen Aufgaben, die er verstehen und umsetzen muss:

  1. Das neue Kommando kennenlernen und verstehen.
  2. Auf den Platz gehen
  3. Auf dem Platz bleiben

Forderst du nun alles gleichzeitig, überforderst du nur den Hund und bist ein schlechter Lehrer. Bringe ihm stattdessen jeden Schritt einzeln bei und füge die Schritte erst nach und nach zusammen. So kann dein Hund sehr viel schneller lernen. Und ihr seid beide deutlich weniger frustriert.

Natürlich möchten wir, dass unser Hund möglichst schnell die neuen Kommandos und Tricks lernt. Doch wenn wir zu schnell vorwärts reiten, verlieren wir nur unterwegs unseren Hund. Und dann haben wir haufenweise Rückschläge, Frustration und Zeitverlust.

Praxis-Tipp Dein Hund kommt offensichtlich nicht mehr mit und macht allzu viele Fehler? Dann kehre ein, zwei Schritte zurück und setze dort neu an. Lieber 2 Schritte sicher in der Tasche; als am Ende das ganze Kommando oder den ganzen Trick nur "halb-gar".

Übe jeden einzelnen Schritt so lange, bis er wirklich 100-prozentig funktioniert. Auch, wenn es 100 oder noch mehr Wiederholungen braucht. Das ist zwar am Anfang SCHEINBAR LANGSAMER; doch es gibt sehr viel weniger Rückschläge und Frust. Und du hast am Ende ein Ergebnis, auf dem du sicher aufbauen kannst.

Dein Hund WILL dir gefallen. Er WILL alles richtig machen. Und er gibt sich IMMER - naja, fast immer - große Mühe dabei. Wenn es trotzdem nicht so gut gelingen will, dann versteht er meist nur nicht, was du ihm mitteilen willst.

Mit Lob lernt dein Hund zwar langsamer aber nachhaltiger. Das heißt: Versteht er erst einmal, dass du dich über die richtige Ausführung freust, wird er sich überschlagen, es immer wieder richtig zu machen, ... damit du dich freust.

Negative Verstärkung durch "Nein!"

Ein kurz(!) und scharf ausgesprochenes "Nein!" ist kein Tadel, sondern Bestandteil der Korrektur des Verhaltens.

Das "Nein!" braucht ebenfalls Korrektur! Mit dem "Nein!" sagst du deinem Hund, dass er etwas NICHT SO machen soll. Lobe ihn also nach jedem "Nein!" SOFORT, wenn er es stattdessen richtig macht. So lernt er schneller.

Einer der wichtigsten Knackpunkte beim Training mit Hunden ist das Lob zur richtigen Zeit. Denn es ist entscheidend, dass dein Hund das Lob mit dem Lernen in Zusammenhang bringen kann.

Der ideale Zeitpunkt für Lob ist - je nach Übung - das unmittelbare Ende der Übung oder die ersten Sekunden(!) danach. (Faustregel: Du hast maximal 3-5 Sekunden Zeit. Nicht mehr!) Lobst du später, weiß dein Hund gar nicht, warum du ihn lobst und verknüpft das Lob eventuell schon mit anderem Verhalten. Und lobst du ihn früher, weiß er auch nicht, warum, denn er ist ja noch gar nicht fertig.

Noch empfindlicher sieht es mit dem Tadel aus: Nutze hier lieber das "fehlende Lob" (sage also gar nichts und belohne ihn einfach nicht), wenn er etwas nicht richtig macht. Und korrigiere ihn nur, wenn er sich völlig daneben benimmt. Beachte dabei: BEI DER TAT erwischen; oder auf jegliche Bestrafung verzichten! Warum? Hunde verstehen das menschliche Konzept von Bestrafung nicht.

Dein Hund ist grundsätzlich immer willens, es richtig zu machen. Wenn du ihn nun tadelst, versteht er die Welt nicht mehr ( "Wieso denn? Ich hab's doch versucht. War das falsch?").

Ganz egal, was dein Hund gerade anstellt: In 5 Minuten hat er es vergessen und stattdessen vielleicht schon neue Flausen im Kopf. Hunde leben im Hier & Jetzt. Es interessiert sie nicht, was gestern war. Und es interessiert sie nicht, was morgen sein wird.

Deshalb musst auch du beginnen, im Hier & Jetzt zu leben. Trage deinem Hund nichts - wirklich GAR NICHTS - nach. Bestrafe ihn nicht für Dinge aus der Vergangenheit. Er wird es nicht verstehen. Er KANN es nicht verstehen...

Lerne von deinem Hund! Lebe im Hier & Jetzt. Deinen Hund interessiert weder Vergangenheit noch Zukunft. Erwischst du ihn inflagranti, disziplinierst du ihn. Erwischst du ihn nicht, hat er Glück gehabt und kommt davon.

Hunde haben - bestenfalls - den IQ eines 3-jährigen Kindes. Aber sie sind Experten im Lesen von Körpersprache (denn DAS ist "ihre" Sprache).

Wenn du zornig, wütend, frustriert oder ärgerlich bist - ganz egal, warum -, dann macht das Training mit deinem Hund keinen Sinn mehr. Brich in solchen Fällen das Training ab und lass deine Emotionen an einem Ball aus.

Im Frust kann man wunderbar weit werfen (das weiß ich aus eigener Erfahrung). Und deinen Hund wird's freuen, wenn er quer über die ganze Wiese wetzen und so einen Teil seiner Energie abbauen kann...

Niemals frustriert trainieren! Trainiere nur mit deinem Hund, wenn du selbst ruhig und ausgeglichen bist. Dein Ärger blockiert den Hund; auch, wenn du ihn nicht am Hund auslässt...

Das ist wohl für viele von uns der schwierigste Punkt: "Mein Hund verhält sich falsch!", "Mein Hund versteht mich nicht!", "Mein Hund macht ständig Fehler!"

Jedes Mal, wenn der Hund etwas falsch macht oder sich falsch verhält fragen wir uns "Was macht die Töle da? Kann sie sich nicht benehmen? Ich hab's ihr doch ausführlich erklärt." Und niemand - wirklich NIEMAND - ist davor gefeit. Auch ich nicht. Du bist also nicht allein. Doch tatsächlich folgt dein Hund nur seinen Instinkten. Sie sind es, die ihn beherrschen. Und sie sind es, die ihn tun lassen, was er tut. Er macht es also niemals absichtlich, oder so.

Unser Job ist es daher, gründlich in uns zu gehen und uns zu fragen:

"Was habe ICH falsch gemacht?
Was kann ich besser machen?"

Und meistens ist die Lösung dann schnell gefunden: Zu spät reagiert, falsch reagiert, falsche Körpersprache, falsche Anweisungen gegeben, falsch beigebracht, oder ... oder ... oder ... Die Liste unserer eigenen Fehler kann ganz schön lang sein. Und oft sind es nur kleine Details, die wir ändern müssen, damit der Hund eine Chance hat, es zu kapieren.