Nicht quatschen! Machen!

Hunde verständigen sich untereinander nur mit Körpersprache und sehr wenigen Lauten. Sie quatschen nicht. Sie machen.

Profi-Tipp Je schwieriger das Lernen, desto weniger solltest du reden. Bei schwierigen oder neuen Kommandos solltest du also nur Geräusche machen, wenn es unbedingt erforderlich ist.

Das bedeutet für uns: Diskutieren & Schimpfen ist IMMER ZWECKLOS! Wenn dein Hund etwas falsch macht, dann hast du es ihm nicht richtig gezeigt. Überlege in solchen Fällen, was du falsch gemacht hast. Korrigere deine Fehler und zeige es ihm noch einmal. Dann aber besser (oder idealerweise: richtig).

Zerlege jede komplexere Aufgabe in verständliche und kleine Schritte

Wenn du deinem Hund etwas beibringen willst, dann "geht er zur Schule". Auch du wurdest nicht gleich in der ersten Klasse mit Prozentrechnung überfordert. Stattdessen hat man dir erst die Zahlen beigebracht; dann die Multiplikation und die Division.

Und dann - ERST DANN - hattest du überhaupt erstmals eine gute Chance, die Prozentrechnung zu verstehen: Du musstest einfach nur die drei gelernten Schritte richtig zusammensetzen.

Für deinen Hund ist das nicht anders: Jede etwas anspruchsvollere Aufgabe besteht aus mehreren Schritten. Zerlege also JEDE komplexe Aufgabe in einzelne Schritte. Und bringe deinem Hund diese Schritte einzeln bei.

Auch das scheinbar super-einfache »Geh auf deinen Platz!« besteht für deinen Hund aus drei einzelnen Aufgaben, die er verstehen und umsetzen muss:

  1. Das neue Kommando »Geh auf deinen Platz!« kennenlernen und verstehen.
  2. Auf den Platz gehen.
  3. Auf dem Platz bleiben.

Anstatt nun alles gleichzeitig zu fordern, bringe deinem Hund jeden Schritt einzeln bei. Und füge sie erst nach und nach zusammen.

So kann dein Hund sehr viel schneller lernen. Und ihr seid beide deutlich weniger frustriert.

Wie viele Schritte braucht es? Überlege vor jeder neuen Übung und jedem neuen Trick, in wie viele kleine Schritte du diese Übung zerlegen kannst. Und dann zerlege es in diese Schritte.

Eile mit Weile! Wiederholung macht den Meister

Natürlich möchten wir, dass unser Hund möglichst schnell die neuen Kommandos und Tricks lernt. Doch wenn wir zu schnell vorwärts reiten, verlieren wir nur unterwegs unseren Hund.

Und dann haben wir haufenweise Rückschläge, Frustration und Zeitverlust.

Übe jeden einzelnen Schritt so lange, bis er wirklich 100-prozentig funktioniert. Auch, wenn es 100 oder noch mehr Wiederholungen braucht. Das ist zwar am Anfang SCHEINBAR LANGSAMER; doch es gibt sehr viel weniger Rückschläge und Frust. Und du hast am Ende ein Ergebnis, auf dem du sicher aufbauen kannst.

Dein Hund kommt offensichtlich nicht mehr mit und macht allzu viele Fehler? Dann kehre ein, zwei Schritte zurück und setze dort neu an. Lieber 2 Schritte sicher in der Tasche; als am Ende das ganze Kommando oder den ganzen Trick nur "halb-gar".

Positive Lernerfahrung: Lob geht über Tadel

Hunde wurden für den Menschen gezüchtet. Bei der rund 5.000 Jahre währenden Zucht hat man großen Wert darauf gelegt, dass die Hunde dem Menschen dienen.

Dein Hund WILL dir gefallen. Er WILL alles richtig machen. Und er gibt sich IMMER - naja, fast immer - große Mühe dabei. Wenn es trotzdem nicht so gut gelingen will, dann versteht er meist nur nicht, was du ihm mitteilen willst.

Profi-Tipp Mit Lob lernt dein Hund zwar langsamer aber nachhaltiger. Das heißt: Versteht er erst einmal, dass du dich über die richtige Ausführung freust, wird er sich überschlagen, es immer wieder richtig zu machen, ... damit du dich freust.

Negative Verstärkung durch »Nein!« Ein kurz(!) und scharf ausgesprochenes »Nein!« ist kein Tadel, sondern Bestandteil der Korrektur des Verhaltens.

Wichtig! Das »Nein!« braucht ebenfalls Korrektur! Mit dem »Nein!« sagst du deinem Hund, dass er etwas NICHT SO machen soll. Lobe ihn also nach jedem »Nein!« SOFORT, wenn er es STATTDESSEN RICHTIG macht. So lernt er schneller.

Lobe zur richtigen Zeit, bestrafe sparsam

Einer der wichtigsten Knackpunkte beim Training mit Hunden ist das Lob zur richtigen Zeit. Denn es ist entscheidend, dass dein Hund das Lob mit dem Lernen in Zusammenhang bringen kann.

Der ideale Zeitpunkt für Lob ist - je nach Übung - das unmittelbare Ende der Übung oder die ersten Sekunden(!) danach. (Faustregel: Du hast maximal 3-5 Sekunden Zeit. Nicht mehr!) Lobst du später, weiß dein Hund gar nicht, warum du ihn lobst und verknüpft das Lob eventuell schon mit anderem Verhalten. Und lobst du ihn früher, weiß er auch nicht, warum, denn er ist ja noch gar nicht fertig.

Noch empfindlicher sieht es mit dem Tadel aus: Nutze hier lieber das "fehlende Lob" (sage also gar nichts und belohne ihn einfach nicht), wenn er etwas nicht richtig macht. Und korrigiere ihn nur, wenn er sich völlig daneben benimmt. Beachte dabei: BEI DER TAT erwischen; oder auf jegliche Bestrafung verzichten! Warum? Hunde verstehen das menschliche Konzept von Bestrafung nicht.

Dein Hund ist grundsätzlich immer willens, es richtig zu machen. Wenn du ihn nun tadelst, versteht er die Welt nicht mehr (»Wieso denn? Ich hab's doch versucht. War das falsch?«).

Wir tragen NIEMALS etwas nach

Ganz egal, was dein Hund gerade anstellt: In 5 Minuten hat er es vergessen und stattdessen vielleicht schon neue Flausen im Kopf. Hunde leben im Hier & Jetzt. Es interessiert sie nicht, was gestern war. Und es interessiert sie nicht, was morgen sein wird.

Deshalb musst auch du beginnen, im Hier & Jetzt zu leben. Trage deinem Hund nichts - wirklich GAR NICHTS - nach. Bestrafe ihn nicht für Dinge aus der Vergangenheit. Er wird es nicht verstehen. Er KANN es nicht verstehen...

Profi-Tipp Lebe im Hier & Jetzt. Deinen Hund interessiert weder Vergangenheit noch Zukunft. Erwischst du ihn inflagranti, disziplinierst du ihn. Erwischst du ihn nicht, hat er Glück gehabt und kommt davon.

Das gilt wirklich für ALLE Fehler, die er macht. Einzige Ausnahme: Die Fehler wiederholen sich. Doch auch dann darfst du nicht sagen: »So, das hast du jetzt 15 Mal gemacht. Jetzt reicht's!« sondern vielmehr: »Okay, diesen Fehler lasse ich dir jetzt nicht durchgehen!«; auch, wenn er es gerade zum 15. Mal macht...

Hunde sind wie Männer Sie hauen sich auf die Fresse, wenn sie aufeinander sauer sind. Aber danach drehen sie sich um und trinken gemeinsam ein Bier.

Negative Emotionen sind schlechte Ratgeber fürs Training

Hunde haben - bestenfalls - den IQ eines 3-jährigen Kindes. Aber sie sind Experten im Lesen von Körpersprache (denn DAS ist "ihre" Sprache).

Wenn du zornig, wütend, frustriert oder ärgerlich bist - ganz egal, warum -, dann macht das Training mit deinem Hund keinen Sinn mehr. Brich in solchen Fällen das Training ab und lass deine Emotionen an einem Ball aus.

Im Frust kann man wunderbar weit werfen (das weiß ich aus eigener Erfahrung). Und deinen Hund wird's freuen, wenn er quer über die ganze Wiese wetzen und so einen Teil seiner Energie abbauen kann...

Profi-Tipp Trainiere nur mit deinem Hund, wenn du selbst ruhig und ausgeglichen bist. Dein Ärger blockiert den Hund; auch, wenn du ihn nicht am Hund auslässt...

Suche die Fehler zuerst bei dir selbst

Das ist wohl für viele von uns der schwierigste Punkt: »Mein Hund verhält sich falsch!«, »Mein Hund versteht mich nicht!«, »Mein Hund macht ständig Fehler!«

Jedes Mal, wenn der Hund etwas falsch macht oder sich falsch verhält fragen wir uns »Was macht die Töle da? Kann sie sich nicht benehmen? Ich hab's ihr doch ausführlich erklärt.« Und niemand - wirklich NIEMAND - ist davor gefeit. Auch ich nicht. Du bist also nicht allein.

Doch tatsächlich folgt dein Hund nur seinen Instinkten. Sie sind es, die ihn beherrschen. Und sie sind es, die ihn tun lassen, was er tut. Er macht es also niemals absichtlich, oder so.

Unser Job ist es daher, gründlich in uns zu gehen und uns zu fragen:

»Was habe ICH falsch gemacht?
An welcher Stelle habe ICH als Rudelführer versagt?
«

Und meistens ist die Lösung dann schnell gefunden: Zu spät reagiert, falsch reagiert, falsche Körpersprache, falsche Anweisungen gegeben, falsch beigebracht, oder ... oder ... oder ... Die Liste UNSERER EIGENEN FEHLER kann ganz schön lang sein.

Profi-Tipp In 99% aller Fälle steht der Fehler am anderen Ende der Leine. Doch sobald du ehrlich zu dir selbst wirst, kannst du die Fehler meistens schnell korrigieren, denn dein Hund trägt dir nichts nach. Auch keine Fehler, wenn du sie nicht über lange Zeit wiederholst.

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