Grundkommando: »Platz!«

Das Grundkommando »Platz!« gehört zu den 7 Grundkommandos, die dein Hund wenigstens einigermaßen beherrschen sollte.

Auch dieses Kommando ist überhaupt nicht schwer zu erlernen; und es gibt Hunderte Videos bei Youtube und anderen Plattformen, die es dir nahe bringen.

Bevor du dieses Kommando übst, sollte dein Hund das »Sitz!«-Kommando bereits beherrschen. Dann ist »Platz!« nur noch eine Frage von ein paar wenigen Übungseinheiten.

Auch Welpen & Junghunde! Ja, auch dein kleiner, niedlicher Welpe kann das Kommando bereits erlernen. Es gibt keine Ausrede.

Besser KEIN Lob als Lob zur falschen Zeit! Spare mit verbalem Lob! Lob zur falschen Zeit kann den Hund zum Aufspringen motivieren. Und das wollen wir ja eigentlich verhindern. Lobe stattdessen mit Leckerlie in genau der richtigen Sekunde. Das ist aus der Sicht des Hundes Lob genug.

Ziel der Übung

Das Ziel dieser Übung ist erreicht, wenn unser Hund auf das »Platz!«-Kommando hin ...

  1. ... sich innerhalb von 10 Sekunden hinlegt
  2. ... liegen bleibt, bis wir den Hund rufen

Anfangs ist es okay, wenn der Hund wenigstens 30 Sekunden ruhig liegenbleibt. Das gilt ganz besonders für Welpen. Die Dauer verlängert sich von ganz allein mit den Wiederholungen im täglichen Gebrauch.

Muss ich »Platz!« sagen, oder kann ich auch ein anderes Kommando-Wort verwenden? Du kannst jedes beliebige Wort jeder beliebigen Sprache - auch frei erfundene Kunstwörter - dafür nehmen. Dein Hund versteht deine Sprache sowieso nicht. Aber nimm ein Wort, das dir auch in Stress-Situationen jederzeit einfällt.

Was ist mit Handzeichen zum Kommando? Natürlich! Kombiniere anfangs das Handzeichen mit dem gesprochenen Kommando. Später reicht dem Hund auch das Handzeichen allein, um zu wissen, dass er sich hinlegen soll. Aber verwende ein EINDEUTIGES und UNVERWECHSELBARES Handzeichen! Sonst gibt's am Ende nur Verwirrung bei Hund und Halter. (Viele benutzen die flach ausgestreckte Hand, die sie langsam nach unten bewegen, als Handzeichen für das »Platz!«-Kommando.)

Nutzen im Alltag

Dieses Kommando dient der Beruhigung des Hundes. Ein liegender Hund kann sich nur schwer aufregen.

Deshalb ist das Kommando überall dort nützlich und sinnvoll, wo du deinen Hund vor Aufregung bewahren willst: Beispielsweise bei vorbeikommenden Joggern, Radfahrern, Fußgängern, Autos oder fremden Hunden.

Es ist aber auch die Grundlage für viele Tricks & Kunststücke, die du mit deinem Hund üben kannst. Und nicht zuletzt findet das Kommando auch beim »Bleib!«-Kommando (der Hund soll an der Stelle bleiben, auch, wenn man ein Stück weggeht) und natürlich beim Dominanz-Training: Impulskontrolle Anwendung.

Vorbereitung

Vorbedingung: Dein Hund muss das »Sitz!«-Kommando bereits beherrschen. Er muss es nicht "perfekt" können. Aber du solltest imstande sein, ihn ins »Sitz!« zu bringen.

Indoor & Outdoor: Diese Übung kannst du auch als "Schlecht-Wetter-Übung" indoor veranstalten. Und sie lässt sich jederzeit auch draußen - beispielsweise beim Spaziergang - einbauen oder gezielt trainieren.

Leckerlie: Wie fast immer brauchen wir auch hier ein prall gefülltes Säckchen mit Leckerlie. (Alternative: Hier kann sich der Hund einen Teil seiner "normalen Tagesration" an Futter verdienen.)

Leine? Je nachdem. Drinnen: Nein; draußen: ja. (Eine einfache Leine reicht völlig aus.)

Ruhe: Diese Übung muss zwingend mit sehr geduldiger Ruhe ausgeführt werden. Je unruhiger unser Hund ist, desto mehr Ruhe müssen wir selbst bewahren.

Konsequenz & Geduld: Natürlich! Wie immer. Nie laut. Aber immer geduldig Disziplin einfordernd.

Profi-Tipp: Hunger! Ein hungriger Hund ist ein gelehriger Hund. Gib deinem Hund vor dieser Übung 12-24 Stunden lang nichts zu fressen. (Wasser bekommt er jedoch so viel er will!)

Ort der Handlung: Wähle anfangs einen besonders ruhigen Ort zum Üben aus. (In der Wohnung, im eigenen Garten, eine ruhige, abseits gelegene Wiese, etc.) Steigere später die Anforderungen schrittweise. Am Ende (also nach ein, zwei Wochen) sollte der Hund aber durchaus unter realistischen Bedingungen (belebter Park, am Rand der Hundewiese, etc.) sein Können beweisen.

Beginn der Übung

Für diese Übung brauchen wir einen ruhigen und entspannten Hund. Idealerweise übst du das Kommando nach einem längeren, aber nicht zu langen Spaziergang, auf dem ihr vor allem körperlich aktiv gewesen seid (Ballspiele, Fangen, kurz: viel herumlaufen und austoben, aber nicht allzu viel Nasen- & Kopfarbeit).

Zum Beginn der Übung bekommt unser Hund erst einmal ein paar Leckerlie "gratis" zum Einstimmen. Dazu gibt's leise ein paar warme Worte der Zuneigung. Aber chillig! Jegliche Aufregung schadet nur dem Übungserfolg.

Schritt 1: Die Position

Wir rufen den Hund zu uns. (Der Hund bekommt IMMER ein Leckerlie fürs Kommen!)

Voraussetzung: »Sitz!« Im Folgenden gehen wir IMMER vom »Sitz!« aus. Der Hund sitzt bereits vor uns.

Falls du das »Sitz!«-Kommando noch nicht geübt hast, hole das JETZT nach: Grundkommando: »Sitz!« - So geht's ganz einfach.

Jetzt knien wir uns etwa 1/2 Meter entfernt vor den Hund.

Wichtig: Nicht über den Hund beugen, wenn du dich herabbeugen willst! Bleibe so weit entfernt vor dem Hund, dass dein Kopf beim Herunterbeugen immer noch VOR dem Hund bleibt.

Ab jetzt wird NICHT MEHR GEREDET. Kein einziges Wort, außer das Kommando und Lob zur passenden Zeit. (Falls du dich mit der "passenden Zeit" noch schwer tust: Lieber nicht mit Worten loben, als zu früh oder zu spät! Im Zweifel also einfach schweigen. Das ist für den Erfolg besser.)

Besser KEIN Lob als Lob zur falschen Zeit! Spare mit verbalem Lob! Lob zur falschen Zeit kann den Hund zum Aufspringen motivieren. Und das wollen wir ja eigentlich verhindern. Lobe stattdessen mit Leckerlie in genau der richtigen Sekunde. Das ist aus der Sicht des Hundes Lob genug.

Schritt 2: Wir üben das Kommando

Zunächst wollen wir unserem Hund erst einmal geduldig beibringen, was wir erreichen möchten, wenn wir das »Platz!«-Kommando geben.

Dazu nehmen wir ein Leckerlie zwischen Daumen und Zeigefinger. Dann halten wir die Leckerlie-Hand ca. 5-10 Zentimeter vor die Nase des sitzenden Hundes.

Sobald der Hund das Leckerlie bemerkt, wird er es aufmerksam beobachten. Das nutzen wir aus und ziehen die Leckerlie-Hand gaaaaanz langsam nach unten zum Boden. Unser Ziel ist, dass der gesamte Kopf des Hundes nun dem Leckerlie folgt, um es zu bekommen.

Da unser Hund aber keinen Giraffenhals hat, und weil er ja vor uns sitzt, wird er sich ganz automatisch hinlegen. Sobald er nun die Vorderpfoten streckt, um sich hinzulegen, sagen wir sanft, aber bestimmt ÉIN EINZIGES MAL das »Platz!«-Kommando:

»Platz!«

Sobald der Hund liegt (nicht vorher, aber auch nicht später!), bekommt er sofort das Leckerlie als Belohnung.

Schritt 3: Wir warten ab, was passiert ...

Sobald der Hund sein Leckerlie inhaliert, erstarren wir in dieser Position. Wir machen GAR NIX. Wir nehmen auch die Leckerlie-Hand nicht weg, sondern lassen sie noch ca. 10 Sekunden lang genau dort, wo sie war, als der Hund sein Leckerlie bekam. Erst dann nehmen wir sie ganz langsam weg.

Der Hund hat jetzt zwei Möglichkeiten, auf diese Situation zu reagieren:

Reaktion 1 des Hundes: Er springt auf. Das ist am Anfang absolut in Ordnung. In diesem Fall lassen wir den Hund ein, zwei Minuten in Ruhe und beginnen dann bei Schritt 1 erneut mit dem Üben; gerade so, als würden wir es zum ersten Mal machen.

Reaktion 2 des Hundes: Er bleibt liegen. Das ist unsere Wunsch-Reaktion. Deshalb geben wir ihm - solange er allein liegen bleibt (also OHNE WIEDERHOLUNG DES KOMMANDOS) - etwa alle 30 Sekunden ein neues Leckerlie. Jedes Mal bleibt die Leckerlie-Hand nach dem Geben des Leckerlies für ca. 10 Sekunden weiterhin an derselben Position, bevor wir sie langsam wegnehmen.

Wenn dein Hund ruhig und entspannt ist, wird er seeeeehr lange liegen bleiben, denn Liegen ist für Hunde natürlicher als Sitzen. Deshalb können wir das Leckerlie-Geben nach ca. 2-3 Minuten beenden. Wir rühren uns in den ersten Übungsrunden aber trotzdem nicht von der Stelle. Stattdessen benutzen wir nun ruhiges und sanftes verbales Lob, um den Hund noch eine Weile liegend zu halten.

Schritt 4: Schritte 1-3 unendlich oft wiederholen

Bleibt der Hund ca. 5 Minuten liegen, beenden wir die Übung von uns aus, indem wir aufstehen und einige Meter beiseite gehen. Dort beginnen wir wieder bei Schritt 1: Wir rufen den Hund, belohnen ihn, setzen ihn ab und fahren mit Schritt 2 fort: Ablegen üben.

Der Hund lernt den Zusammenhang zwischen »Platz!«-Kommando und »Aha! Ich soll mich hinlegen. Dann mache ich das mal, um das Leckerlie zu bekommen.« ziemlich schnell. Manche Hunde brauchen dafür kaum 10 Wiederholungen; andere brauchen bis zu 50 Wiederholungen.

Wichtig ist aber: NICHT ZU SCHNELL VORPRESCHEN! Der Hund muss wirklich sicher verstehen, was wir von ihm wollen. Deshalb ist es besser, ein paar Mal "zu oft" zu üben; als zu früh zum nächsten Schritt zu gehen.

Schritt 5: Wir festigen das Kommando »Platz!«

Bisher haben wir dem Hund gezeigt, was wir beim »Platz!«-Kommando gern sehen würden. Von jetzt an soll der Hund uns zeigen, dass er es verstanden hat:

Wir bleiben etwa 1 Meter vor dem Hund stehen und nehmen die fordernde Körperhaltung ein. Der Hund sitzt bereits und wartet. Dann sagen wir leise, aber militärisch-zackig und bestimmt das »Platz!«-Kommando:

»Platz!«

Und dann geben wir dem Hund ca. 10 Sekunden Zeit, sich hinzulegen.

Legt er sich in dieser Zeit NICHT selbständig hin (OHNE WIEDERHOLUNG DES KOMMANDOS!), haben wir die Schritte 1-3 nicht oft genug wiederholt und kehren zu diesen Schritten zurück.

Legt er sich jedoch selbständig hin, werfen wir ihm aus der stehenden Position ein Leckerlie vor die Nase. Wichtig! Gut zielen! Der Hund MUSS das Leckerlie liegend bequem erreichen können. (Ziele auf den Bereich zwischen seinen Pfoten. Den erreicht er liegend sehr gut.) Ansonsten haben wir ihn praktisch gezwungen, jetzt aufzustehen ... was aber auch keine Katastrophe wäre, sofern es nicht jedes Mal passiert: In diesem Fall rufe den Hund sofort zu dir und gib ihm ein Leckerlie, sobald er bei dir angekommen ist. Dann wiederhole diesen Schritt.

Schritt 6: »Platz!« aus dem Stand

Bisher hat unser Hund jedes Mal bereits gesessen, wenn wir das »Platz«-Kommando gegeben haben. Da das aber mittlerweile sicher funktioniert, gehen wir nun den letzten Schritt:

Von jetzt an soll unser Hund aus dem Stand ins »Platz!« gehen. Dabei wiederholen wir den Schritt 5; nur mit dem Unterschied, dass der Hund jetzt nicht mehr sitzt, sondern vor uns steht.

Wenn wir uns vorher genug Zeit genommen haben, um das Kommando-Wort zu üben (Schritte 1-3) und das Kommando selbst zu üben (Schritt 5), dann ist das jetzt nur noch ein winziger Schritt, der nur relativ wenige Wiederholungen (vielleicht 20-30 Wiederholungen) braucht.

Benefit: Wir verlängern das Liegenbleiben

Unser Hund legt sich jetzt auf Kommando ab und bleibt nach dem ersten Leckerlie (direkt nach dem Hinlegen geben!) wenigstens 30 Sekunden liegen, OHNE DASS WIR DAS KOMMANDO WIEDERHOLEN.

Dann werfen wir ihm von jetzt an etwa alle 30 Sekunden ein weiteres Leckerlie vor die Nase. Doch wir sagen kein Wort. Und wir rühren uns auch noch nicht von der Stelle. Nur stumm alle 30 Sekunden ein Leckerlie hinwerfen.

Nach ca. 2-3 Minuten stellen wir das Leckerlie-Geben ein und verlegen uns auf kurzes, leises und sanftes verbales Lob alle 30 Sekunden: »Braver Junge!« bzw. »Braves Mädchen!«

Klappt auch das, entfernen wir uns langsam rückwärts vom Hund, bis wir maximal 5 Meter entfernt von ihm stehen. Dabei wiederholen wir das verbale Lob alle 30 Sekunden.

Es ist okay, wenn der Hund nun irgendwann aufspringt. Merke dir diese Entfernung, denn daran kannst du später bei Spaziergängen, im Garten und an allen möglichen Stellen arbeiten. (Es ist die Vorbereitung für das »Bleib!«-Kommando.)

Wenn der Hund aber selbst bei 5 Metern Entfernung immer noch halbwegs entspannt liegt, drehen wir uns vom Hund weg. Nicht nur den Kopf drehen, sondern den ganzen Körper. Zunächst seitlich drehen, später auch den Rücken zuwenden. Wie gesagt: Es ist okay, wenn der Hund jetzt irgendwann aufspringt. Das ist kein "Fehler", sondern völlig natürliches Verhalten. Er wird ruhiger, je öfter ihr das Kommando übt.

Bleibt er nun immer noch liegen, obwohl wir uns schon weggedreht haben (dann ist dein Hund übrigens schon sehr gut auf dich eingestimmt oder ein besonders träger Typ), beschäftigen wir uns mit anderen Dingen: Ruhiges und leises Aufräumen des Zimmers, Handy checken, mit Familienmitgliedern reden, etc. Alles chillig und leise.

Das Ziel ist hier einfach nur noch, die Zeitspanne, in der unser Hund ohne jegliche Wiederholung des Kommandos liegen bleibt, möglichst lange auszudehnen. Es ist also nur noch ein Benefit, das den Respekt unseres Hundes fördert, und nicht mehr Teil der erforderlichen Übungsaufgabe für das »Platz!«-Kommando.

In eigener Sache: Wir brauchen deine Unterstützung!

Diese Website ist ein Community-Projekt. Hilf uns mit deiner Spende, diese Seite erhalten und mehr Inhalt bereitstellen zu können!

Jetzt per PayPal unterstützen

Zeige uns mit deiner Spende, für wie sinnvoll du es hältst, dass wir diese Seite weiterhin betreiben und für dich verbessern!