Unser täglich Futter gib uns heute...

Für die meisten Hundehalter ist das Futter keine besondere Sache. Das Zeug gibt's im Überfluss in jedem Supermarkt. Und man kann jederzeit beliebige Mengen an Nachschub organisieren. Daher bleibt's auch meistens bei

»Futter? Na ganz einfach:
Dose oder Tüte aufmachen.
In Napf schütten.
Fertig!
«

Für unseren Hund ist jedoch das Futter die stärkste Ressource der Welt. Es gibt - abgesehen vom Jagd-Instinkt, der letztlich aber auch nur auf Futter abstellt - keinen stärkeren Instinkt für unseren Hund:

»Futter?! Wo?«
... und ca. 1/10-Sekunde später:
»Bin da. Kann losgehen!«

Und das bedeutet für uns als Hundehalter: Wir sollten dem Futter mehr Aufmerksamkeit schenken.

Sowohl bei Art und Inhalt, wie und was wir füttern; als auch im Hinblick darauf, welchen ungeheuren Macht-Hebel wir mit dem Futter zur Erziehung und zum Training unseres Hundes in der Hand haben. Ganz besonders, wenn wir dabei das instinktive Verhalten unseres Hundes, der natürlicherweise und völlig selbstverständlich voraussetzt, dass er für sein Futter arbeiten muss (und will), berücksichtigen.

Falsch: Die unnatürliche Fütterung

Läuft es bei dir auch so? Dose oder Tüte auf; Futter in den Napf; Wasser nachfüllen; Hund frisst ... Fertig.

Oft steht der Hund ungeduldig daneben und kann es kaum erwarten. Oder er hopst in freudiger und aufgeregter Erwartung an dir oder am Tisch hoch.

Denken wir mal eine Sekunde nach, wie es in der Natur ist: Wo steht da der Dosenöffner? Wo ist es da selbstverständlich, dass das Futter im Edelstahl-Napf serviert wird und der Hund sich in aller Ruhe den Bauch vollschlägt, bis er kaum noch laufen kann?

Nirgends? Sowas gibt es in der Natur nicht? ... Warum machen wir es dann so unnatürlich für den Hund?! Aus einem einzigen Grund: Wir vermenschlichen den Hund. Denn FÜR UNS ist sowas normal: Wir gehen in den Supermarkt, kaufen ein, decken den Tisch, essen. Punkt.

Doch der Hund ist ein Tier. Und er will ein Tier bleiben. Also tun wir das Beste für unseren Hund, wenn wir ihm gestatten, ein Tier bleiben zu dürfen.

Richtig: Arbeit fürs Futter

Für den Hund ist es völlig natürlich, für sein Futter arbeiten zu müssen. Er muss sich im Rudel unterordnen. Er muss dem Rudelführer gehorchen. Er muss jagen - oft ohne Erfolg; also ohne am Ende etwas zu essen zu haben.

All das steckt noch in den Instinkten unseres Hundes. Und all das ist für ihn "die natürlichste Sache der Welt".

Für uns ist das ein einfaches Ding: Wir können Futter auf dem Hof "verstecken", so dass der Hund seine Nase einsetzen muss, um es zu finden.

Und wir können einen Teil des täglichen Futters als Belohnung geben, die der Hund sich für die brave Mitarbeit bei Kommando-Übungen "verdient". So verbinden wir das Nützliche mit dem Sinnvollen.

Arbeitslose Hunde bekommen Flausen im Kopf. Hunde WOLLEN arbeiten. Und sie arbeiten besonders gern fürs Futter. Gibst du ihnen keine Arbeit; suchen sie sich selbst welche: Schuhe zerkauen, am Zaun entlangtoben, etc.

Tipp Mindestens 1/3 des täglichen Futters sollte sich der Hund jeden Tag erarbeiten dürfen. Durch "Leckerlies" für braves Befolgen der Kommandos. Oder durch Nasenarbeit bei der Suche nach dem Futter.

Wichtig: Auch beim Füttern gilt die Unterordnung

Auch beim Füttern gilt: Beweise dich als guter Rudelführer!

Dein Hund sollte sein Futter nur dann bekommen, wenn er ruhig und entspannt ist. Solange er aufgeregt herumhopst oder dich anderweitig drängt, dir endlich das Futter zu geben, solltest du es ihm verweigern.

Warum ist das wichtig? Wir wollen einen ruhigen und entspannten Hund haben, oder?! Und Futter ist für den Hund IMMER "Belohnung". Wenn wir ihn also im aufgeregten Zustand füttern, belohnen wir ihn für die Aufregung.

Tipp Gefüttert wird NUR, wenn der Hund ruhig und entspannt ist. Notfalls warten wir einfach, bis er sich wirklich entspannt hat, bevor wir ihm das Futter geben.

Wichtig: Futter verteidigen ist "normal"

Denke immer daran: Dein Hund stammt vom Wolf ab. Er hat also Wolf-Gene. Und in der freien Natur kommt Futter nicht aus dem Supermarkt. Vielmehr muss der Hund als Raubtier damit leben, dass es manchmal tagelang gar nichts auf dem Tisch gibt.

Deshalb ist Futter eine lebenswichtige Ressource, die dein Hund notfalls auch verteidigen wird.

Für uns bedeutet das: Es ist seins. Wir lassen es ihm. Und wir zeigen es ihm auch deutlich: Sobald der Napf mit dem Futter steht, verlassen wir den Dunstkreis des Napfes. Wir entfernen uns, so dass der Hund ungestört fressen kann.

Das Verteidigen von Futter ist ein normales, instinktives Verhalten. Es wird nur dann zum Problem, wenn dein Hund ernsthafte Aggressionen gegen dich zeigt. In diesem Fall hole dir frühzeitig professionelle Hilfe. Das ist kein Spiel! Denn Futter-Aggression kann sich zu einer echten Gefahr ausweiten, die in schmerzhaften Bisswunden endet.

Tipp Lass deinen Hund in Ruhe, solange er frisst. Geh weg, lass ihn allein.

Profi-Hilfe gefragt Ernsthafte Futter-Aggression deines Hundes (Zähne-Fletschen, Droh-Verhalten gegen dich, etc.) ist ein ernsthaftes Problem, das du nicht allein lösen können wirst. Hole dir frühzeitig professionelle Hilfe, wenn sowas auftritt.

Wichtig: Betteln und Hausieren verboten!

Genauso, wie dein Hund das Recht hat, sein Futter für sich zu beanspruchen, ist es dein Recht als Rudelmitglied, dein Futter für dich zu beanspruchen.

Ganz besonders gilt das für das Betteln am Tisch. Der Hund sitzt mit seinem treuesten Blick am Tisch und strengt sich redlich an, den Eindruck zu machen, dass er gleich vor Hunger umfallen wird, wenn du ihm nicht sofort etwas von deinem Futter abgibst.

Auch das ist normales Verhalten: Man weiß nie, wann es wieder etwas zu Essen gibt. Also holt man es sich, wo immer etwas zu holen ist. Und ja: Hunde können herzerweichend betteln, wenn sie erst mal gelernt haben, dass man so ganz leicht an (noch dazu super-leckeres) Futter kommt.

Wenn der Hund das Betteln nicht lässt, wird er für die Zeit, in der ihr am Tisch esst oder Essen zubereitet, aus dem Zimmer oder der Küche ausgesperrt. Er darf erst wieder reinkommen, wenn ihr fertig seid und abräumt oder abgeräumt habt.

Niemals vom Tisch füttern! Dein Hund legt "Abgeben von Futter" als Schwäche aus.

Tipp Ein gesundes Rudelmitglied verteidigt seine eigene Futter-Ressource. Das gilt auch für dich.

Darf ich ihm auch bei der Zubereitung meines Essens nichts abgeben?

Schon klar: »Ein kleines Stück kann doch nicht schaden, oder?!«

Wenn du dich auf der sicheren Seite bewegen willst: Nein, auch ein kleines Stück ist falsch. Wenn dein Hund es mit "deinem Futter" in Verbindung bringt, wird er es dir nicht als "Liebe", sondern als "Schwäche" auslegen. Du gibst ab, um ihn zu beschwichtigen ... um ihn zu bestechen.

Wenn du aber sicher bist, dass dein Hund es DEFINITIV nicht mit deinem Futter in Verbindung bringt: Klar, warum nicht?

Lass es ihn verdienen, indem er sich brav hinlegt. Übe mit ihm gleich, dass er es nicht sofort verschlingen darf, sondern, dass er warten muss, bis du es ihm erlaubst.

So verdient er es sich und ist am Ende dreifach stolz und glücklich: Er hat seine Rudelführung zufrieden gestellt, und er hat es sich redlich verdient. Und obendrein schmeckt es ihm auch noch. Was will ein Hund mehr, um glücklich zu sein?

Muss ich meinen Hund immer genau um 18:00 Uhr füttern?

Wenn du speziellen Futter-Plänen (Diät, etc.) folgst, dann halte dich an diese. Auch Welpen brauchen gegebenenfalls spezielle Fütterungszeiten.

Doch ein normaler, gesunder Hund hat draußen in der Natur auch keine "Öffnungszeiten der Futter-Theke". Und er braucht sie auch zu Hause nicht.

Nein, für deinen Hund ist nur wichtig, dass er nicht hungert. (Und "Hunger" meint wirklich HUNGER; nicht Appetit.)

Er braucht keine genauen Fütterungszeiten. Ihm ist nur wichtig, dass er, wenn es irgend geht, nicht hungrig schlafen gehen muss.

Füttere deinen Hund also möglichst NICHT zu immer den gleichen Zeiten. "Ungefähr abends" oder "mal Mittags, mal Abends" oder "wenn Zeit dafür ist" reicht völlig aus. Entscheidend ist vor allem, dass auch die Fütterung ruhig und entspannt abläuft.

Die Natur kennt keine "Fütterungszeiten". Dein Hund braucht also keine exakten Fütterungszeiten. Wichtig ist nur, dass er nicht hungert.

Instinkte Als Raubtier hat dein Hund IMMER Appetit. Die Instinkte sagen ihm »Friss, wann immer du etwas zu fressen bekommst. Du weißt nie, wann es das nächste Mal etwas gibt.«

No-Go: Diese Zusätze sollten wir unbedingt vermeiden

Auch, wenn du zu der Gruppe von Hundehaltern gehörst, die aus dem Futter keine Raketenwissenschaft machen wollen, solltest du ein paar Sachen beachten. Denn obwohl dein Hund es (vielleicht) gierig herunterschlingen wird:

Es könnte ihm nicht gut bekommen,
ist zum Teil sogar lebensgefährlich für den Hund

  • Alkohol
  • Avocados & Auberginen
  • Bärlauch & Schnittlauch
  • rohes Eiweiß/Eiklar (vom Hühner-Ei, etc.); dafür aber durchaus das Eigelb und die kompletten Eierschalen
  • Geflügelknochen (wegen der Splittergefahr)
  • (übermäßig) Getreide
  • Hefeteig
  • (übermäßig) Kartoffeln
  • verschiedene Nüsse (darunter vor allem Macadamia)
  • Mandeln & verschiedene Obstkerne (u. a. von der Pflaume, der Kirsche, der Aprikose, etc.)
  • rohes Schweinefleisch (es kann das Aujeszky-Virus enthalten: für Menschen ungefährlich; für Hunde aber u. U. tödlich)
  • Kakao & Schokolade
  • Tee
  • Weintrauben & Rosinen
  • Zwiebeln & Knoblauch
  • viele Süßstoffe, vor allem aber das für den Hund hochgiftige Xylit (auch als E967 bekannt), Birkenzucker ("Naturzucker aus Birkenrinde"); aber auch Pflaumen, Erdbeeren und Himbeeren enthalten große Mengen von Xylit
  • generell: Zucker und zuckerhaltige Lebens- und Genussmittel
  • generell: Salz und salzhaltige Lebens- und Genussmittel
  • generell: Koffein und koffeinhaltige Lebens- und Genussmittel

Wie bei allem, so gilt auch hier: »Die Dosis macht das Gift!« Es wird deinen Hund nicht gleich umbringen, wenn er doch mal einen Keks bekommt oder ein Stück Schokolade nicht schnell genug vor ihm sichergestellt wird. Doch dein Hund verträgt's einfach nicht.

»Die Dosis macht das Gift!« Wie fast überall gilt: In Maßen, nicht in Massen!

Einiges kann jedoch sehr schnell sehr gefährlich werden! Beispielsweise reicht bei Xylit schon eine ziemlich geringe Dosis, um den Hund umzubringen. Und rohes Schweinefleisch braucht nur die richtige Konzentration des Aujeszky-Virus, um den Hund umzubringen.

Achte einfach darauf! Mache kein Drama aus dem Futter. Aber achte darauf, was dein Hund so frisst!

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