Rund um die Uhr ein Wellness-Tempel für den Hund?

In den verschiedenen Abschnitten haben wir es immer wieder betont: Eine wesentliche Grundlage eures guten Zusammenlebens ist die

gute Auslastung deines Hundes.

Das bedeutet: Dein Hund will (und muss) körperlich und geistig angemessen ausgelastet werden, wenn er körperlich und geistig gesund bleiben soll. Leisten wir das nicht, wird unser Hund schrullig, bekommt "Ticks" oder sucht sich seine Aufgaben selbst. Dann steht er eben aufgeregt kläffend am Gartenzaun, wenn jemand vorbeiläuft...

Aber bedeutet das nun wirklich, dass wir unserem Hund einen "Rund-um-die-Uhr-Wellness-Tempel" bieten müssen?

Hunde schlafen bzw. dösen 12-16 Stunden am Tag

Natürlich müssen, sollen - und DÜRFEN - wir unseren Hund nicht 24 Stunden am Tag "bespaßen".

Einerseits wollen gesunde Hunde 12-16 Stunden am Tag einfach nur vor sich hin dösen, im Halbschlaf oder sogar Tiefschlaf von der Jagd auf die Nachbarskatze träumen, ... also einfach GAR NICHTS TUN.

Andererseits würde ein solches "Rund-um-die-Uhr"-Programm unseren Hund nur unnötig aufdrehen und in eine Erwartungshaltung versetzen, die wir gar nicht dauerhaft erfüllen könnten.

12-16 Stunden schlafen Gesunde Hunde verbringen 12-16 Stunden am Tag mit ganz oder halb geschlossenen Augen.

Sogar 20 Stunden sind nicht unnormal. Kranke, alte oder erschöpfte Hunde, aber auch so manche besonders chillige Charaktere der verschiedensten Rassen schlafen bzw. dösen durchaus auch bis zu 20 Stunden am Tag.

Wir haben "nur" 4-6 Stunden Zeit für unser gemeinsames Programm

Da Hunde von Natur aus so viel schlafen und vor sich hin dösen, müssen wir eigentlich nur relativ wenig Zeit am Tag "für sie aufwenden". Und dabei gilt obendrein:

Qualität geht über Quantität.

Du kannst deinen Hund sehr viel glücklicher machen, wenn du ihn 20-40 Minuten am Tag so richtig forderst; als wenn du mit ihm 4 Stunden am Tag immer im selben Kreis um den Block läufst.

Finde ein ausgewogenes Maß aus Erziehungs-Aufgaben, Training der 7 Grundkommandos und guten Spielen mit deinem Hund! Verteile all das auf den ganzen Tag, indem du mal hier 5 Minuten; mal dort 10 Minuten; und wenigstens zwei Mal am Tag 1-2 Stunden ganz bewusst mit deinem Hund verbringst.

Qualität geht über Quantität! Nicht "Wie lange waren wir unterwegs?", sondern "Was haben wir gemacht?" ist aus der Sicht deines Hundes entscheidend.

Tipp 1: Auch gemeinsam Chillen ist gemeinsame Zeit mit hoher Qualität

Bei alledem muss - und sollte - nicht die ganze Zeit Rummel sein. Dein Hund muss auch lernen, dass es entspanntes Zurücklehnen geben muss.

So setze ich mich beispielsweise auf meinen Spaziergängen mit meinen Rabauken JEDES MAL für 10-20 Minuten irgendwo hin und beschäftige mich in dieser Zeit nur mit mir selbst: Ich lese ein paar Seiten in einem Buch; ich schließe die Augen und träume vor mich hin; ich telefoniere mit Freunden; ich schmuse völlig unaufgeregt ein bisschen mit diesem oder jenem meiner Hunde, ... kurz gesagt: Wir sind immer noch unterwegs, aber ich teile meinen Hunden mit, dass jetzt eine Ruhephase angesagt ist.

Im Regelfall legen sich meine Hunde dann in mehr oder weniger weitem Kreis um mich herum ebenfalls ab. Sie entspannen sich und fangen selbst an, vor sich hin zu dösen; während sie darauf warten, dass wir - irgendwann - weitergehen.

Gemeinsam Chillen ist Quality-Time! Auch ruhiges Verhalten muss unser Hund lernen.

20-30 Meter "Umfeld-Erkundung" ist okay! Schleppleine mitnehmen! Während solcher Ruhepausen will dein Hund sich im Umfeld von 20-30 Metern bewegen.

Tipp 2: Beginne Aktivitäten "anti-zyklisch"!

In der Hunde-Welt ist es von entscheidender Bedeutung, wer wen wozu auffordert. Derjenige, der anfängt, hat in ihrer Vorstellungswelt "das Sagen". Deshalb ist es immer hilfreich, wenn du dich dieses Wissens bedienst und darauf achtest, wer wann wen zum Spiel oder zum Schmusen auffordert.

Ignoriere die Spielaufforderung deines Hundes geflissentlich! Und fordere deinen Hund stattdessen zum Spiel auf, wenn er gerade gelangweilt in der Ecke liegt oder es - etwa beim Spaziergang - in diesem Moment gar nicht erwartet.

Gleiches gilt fürs Schmusen: Ignoriere die Aufforderung deines Hundes zum Kuscheln! Biete ihm stattdessen das Schmusen an, wenn er es gerade gar nicht erwartet.

Das heißt nicht "immer". Das heißt "meistens". Du kannst also durchaus mal nachgeben, wenn dein Hund dir um die Beine streicht und beschmust oder bespaßt werden will. Aber es sollte nicht der Regelfall sein.

Wer anfängt, hat das Sagen! Wer anfängt, bestimmt die Regeln. Je öfter das widerspruchsfrei akzeptiert wird, desto "verfestigter" ist diese Regel.

Tipp 3: Immer alles zur gleichen Zeit? Essen um 18:00 Uhr; Verdauungsspaziergang um 18:30 Uhr; ...?

... das ist mal wieder so ein religiöses Ding.

Es gibt diese Leute, die schwören darauf; behaupten gar, dass Unregelmäßigkeit dem Hund psychisch - und sogar physisch - schaden würde.

Und es gibt jene Leute, die verweisen auf die Natur, wo es vieles, aber ganz bestimmt keine zeitplan-gesteuerte Regelmäßigkeit, gäbe: An manchen Tagen gäbe es auch nach vielen Stunden intensiver Bewegung nichts zu Essen; und an anderen Tagen wäre der Tisch auch völlig ohne sportliche Betätigung schon vor Sonnenaufgang reichlich gedeckt; und mit vollem Wanst wird auch gern auf allzu sportliche Bewegung verzichtet.

Fakt ist jedoch: Hunde gewöhnen sich an solche Regelmäßigkeiten. Ihre innere Uhr geht sehr genau. Wer also nicht 100%-ig garantieren kann, dass sein Hund AUSNAHMSLOS IMMER - auch im Falle, dass man selbst im Krankenhaus liegt; auch im Urlaub; etc. - zur gleichen Zeit das gleiche Programm bekommen kann, der sollte vielleicht darüber nachdenken, gar nicht sooo übermäßig präzise Zeitpläne zu entwickeln...