Praxis-Test: Respektiert mich mein Hund?

Das ist die größte aller unserer Fragen; denn das ist unser großes Ziel: Haben wir wirklich den Respekt unseres Hundes? Akzeptiert er uns nicht nur als Leinenhalter und Dosenöffner, sondern respektiert er uns auch wirklich als "Chef" und Rudelführer?

Nicht öfter als 1-2 Mal im Monat testen! Wenn du diesen Test zu oft machst, LERNT dein Hund, was er tun soll.

Wichtig bei diesem Test ist, dass du ihn keinesfalls öfter als 1-2 Mal im Monat machst. Anderenfalls lernt dein Hund, was du von ihm in dieser Situation erwartest. Dann ist es nur noch ein toller Trick, den er dir vorführt; und der Test hat KEINERLEI WERT mehr.

Der ultimative Test: Werde ich wirklich respektiert?

Um herauszufinden, ob unser Hund uns wirklich ehrlich respektiert, machen wir ein kleines Experiment:

Wir schnappen uns ein lecker riechendes Würstchen. Dann legen wir uns lang ausgestreckt auf den Boden. Bauch und Gesicht nach unten. Das Würstchen legen wir eine Armlänge oberhalb von unserem Kopf ab.

Dann legen wir die Arme seitlich an unseren Körper und bewegen uns nicht mehr. Von jetzt an darf NUR NOCH DER KOPF bewegt werden.

Nun warten wir, bis der Geruch des leckeren Würstchens in die Nase unseres Hundes zieht. (Einmal seinen Namen rufen, so dass wir seine Aufmerksamkeit bekommen, wenn er weiter weg ist.)

Dann bewegen wir uns nicht mehr und warten auf die Aktivität unseres Hundes. Wenn er vom leckeren Geruch angelockt ankommt, um sich das Würstchen zu holen, ...

... beginnt das eigentliche Experiment:

Wir schauen unseren Hund nur streng an. Kein Wort! Keine Geste! Kein Geräusch! Keine Bewegung! Aber unsere Mimik sagt: »Meins! Das ist MEIN Würstchen! Hau ab! Such dir dein eigenes Würstchen oder geh spielen; aber dieses hier bekommst du nicht!«

Was macht unser Hund jetzt? Können wir ihn NUR MIT UNSEREM "bösen Blick" davon überzeugen, dass er dieses Würstchen nicht bekommt?

Ergebnis: Er zieht ab, ohne dass ich mehr machen musste

Bestnote! Allein dein "böser Blick" hat den Hund vertrieben? Dein Hund darf natürlich kurz diskutieren; also das Würstchen eine Weile fest im Blick behalten. Je leckerer das Würstchen ist, desto natürlicher ist es für ihn, dich noch ein paar Mal zu fragen, ob du das wirklich allein essen willst.

Wichtig: Er darf dabei aber KEINESFALLS Anzeichen machen, es sich wirklich nehmen zu wollen. Und er sollte sich nach spätestens 30 Sekunden ohne jegliches Kommando, ja, sogar ohne IRGENDEIN Geräusch an ihn, unverrichteter Dinge trollen.

Ergebnis: Ich musste einmal streng »Nein!« sagen, aber dann trollte er sich

Passt schon. Zwar ist das schon ein bisschen respektlos, aber hey, das Würstchen riecht verdammt lecker. Da darf man schon mal einen Versuch starten. Das solltest du also nicht allzu verbissen sehen.

Wichtig: Er reagiert SOFORT auf das Kommando (er zuckt ein bisschen zurück, gerade so, als hätte man ein Kind mit der Hand in der Schokoladen-Schublade erwischt). Und wichtig ist auch, dass es keine weiteren Kommandos braucht. Nach diesem einen Kommando muss der "böse Blick" ausreichen, um ihn vom Würstchen zu vertreiben.

Ergebnis: Es gab deutliche Diskussionen, aber zumindest hat er das Würstchen nicht

Naja, geht besser. Ist aber noch keine Tragödie. Ihr beide solltet an eurem gegenseitigen Respekt arbeiten. Aber du kannst dich entspannen! Es ist nur verbesserungsbedürftig; nicht "versetzungsgefährdet".

Wichtig: Allein Worte und dein "böser Blick" haben ausgereicht. Du musstest das Würstchen NICHT "handgreiflich" verteidigen; und auch nicht mit den Händen herumfuchteln oder dich überhaupt dabei bewegen.

Ergebnis: Ich musste die Hände zur Hilfe nehmen, um das Würstchen zu beschützen

Deutlich respektlos! Ihr beide müsst unbedingt an eurem gegenseitigen Respekt arbeiten, denn da liegt einiges im Argen.

Wichtig: Du hast das Würstchen noch unbeschädigt und konntest es allein durch Herumfuchteln und Herumzappeln - aber ohne das Würstchen anzufassen und den ganzen Körper bewegen oder gar aufstehen zu müssen - erfolgreich beschützen.

Ergebnis: Ist ein Hund von einem Würstchen satt? Frage für einen Freund.

Inakzeptabel respektlos! Der Hund hat das Würstchen? Entweder im Handstreich geholt oder nach mehr oder weniger langer Diskussion mit dir? Und nichts hat geholfen, ihn davon abzuhalten?

Tja, was soll ich sagen? Du solltest dich DRINGEND auf den Hosenboden setzen und darüber nachdenken, wie es passieren konnte, dass dein Hund so unglaublich respektlos wurde. Und dann mache dir schleunigst einen Plan, wie du es verbessern willst!

Experiment-Erleichterung: Es hat beim ersten Mal nicht so gut geklappt?

Wenn du beim ersten Mal grandios gescheitert bist, dein Würstchen zu verteidigen, kannst du es mit einer kleinen Veränderung noch einmal probieren. Das ist dann eine erhebliche Verschärfung/Verschlechterung der Bedingungen für deinen Hund und gleichzeitig eine Vereinfachung/Erleichterung für dich.

(Warte für die Wiederholung des Tests aber mindestens einen ganzen Tag ab! Sonst stellt sich beim Hund ein Lern-Effekt ein, den wir hier gar nicht haben wollen.)

Lege das Würstchen eine halbe Armlänge vom Kopf entfernt ab. (Nicht eine ganze Armlänge, wie eben noch.) Ansonsten bleibt aber alles gleich: Keine Gesten! Keine Bewegung! Kein Geräusch! Und kein Kommando!

Wird es dieses Mal besser? Ja? Dann ist er zumindest nicht völlig respektlos.

Wichtig: Es ist nur eine Momentaufnahme!

Mit diesem Test erfährst du lediglich, was dein Hund GERADE JETZT von dir hält. Nutze das Ergebnis also als Grundlage für die weitere vertrauensbildende Arbeit mit deinem Hund! Je weniger Respekt du hier bekommen hast, desto mehr solltest du vor allem an dir selbst arbeiten.

Tipp: Meistens liegt es an fehlender oder falsch interpretierter Konsequenz in der Erziehung.

Dein Hund ist bereit, dich zu respektieren. Allerdings wird er dir diesen Respekt nicht schenken. Du musst ihn dir verdienen!

Wie verdiene ich mir den Respekt meines Hundes?

Sei selbstkritisch! Wir machen alle Fehler. Dumm ist nur, wer nicht aus seinen Fehlern lernt.

Sei geduldig! Was sich in Monaten oder Jahren eingeschlichen hat, braucht auch Wochen und Monate, um wieder zu gehen.

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