Übung 2: Wir öffnen die Tür

Diese Übung ist der erste Schritt unserer Trainings-Serie "Ach du Scheiße! Wir bekommen Besuch!"

In der ersten Übung ( Übung 1: Es klingelt an der Tür!) haben wir erreicht, dass unser Hund nicht mehr wie angestochen zur Tür sprintet, wenn es klingelt. In diesem Schritt wollen wir erreichen, dass unser Hund akzeptiert, dass er auch hinter uns bleibt, wenn wir die Tür öffnen.

Dabei gilt wie immer: Nur Ruhe und Geduld helfen uns weiter. Und der Hund wird weder gelobt, noch bestraft. Stattdessen werden wir ihn auch in dieser Übung weitgehend ignorieren und selbst herausfinden lassen, was er machen sollte.

Langeweile ist der Schlüssel! Je langweiliger das Geschehen für den Hund ist, desto schneller lernt er diese Lektion. Denn letztlich wollen wir ja, dass "Besuch kommt!" für ihn nichts Besonderes mehr ist.

Erfolgstipp: Ein müder Hund kommt schneller zum Erfolg. Führe diese Übung idealerweise nach einem langen Spaziergang mit viel sportlicher Betätigung durch.

Schritt für Schritt zum Erfolg

Nimm dir für jeden Schritt die Zeit, die du und dein Hund brauchen. Es kann durchaus mehrere Tage dauern, bis sich der Erfolg einstellt. Doch je sicherer jeder Schritt funktioniert, desto einfacher machst du es dir und deinem Hund; und desto schneller kannst du die nächsten Übungen hinter dich bringen.

Vieles von dem, was ihr beide hier übt, hilft dem Hund auch in anderen Situationen ruhiger zu werden. Deshalb gib ihm die Zeit, es wirklich zu begreifen; bevor du mit dem nächsten Schritt weitermachst.

Am Ende dieser Übung wollen wir folgende Ziele erreicht haben:

  1. Unser Hund reagiert (fast) gar nicht mehr auf die Klingel.
  2. Zumindest rennt er nicht wie angestochen zur Tür.
  3. Je weniger Aufregung er beim Klingeln zeigt, desto besser.
  4. Wir können zur Tür gehen, ohne dass er sich wild an uns vorbeidrängelt.
  5. Idealerweise können wir sogar zur Tür gehen, ohne dass der Hund übermäßiges Interesse zeigt.

Wichtig! Je besser die Übung 1: Es klingelt an der Tür klappt, desto schneller wird es jetzt gehen. Fange also nicht zu früh mit dieser Übung an!

Diese Übung kannst du leicht abwandeln und zu den verschiedensten Zwecken verwenden. Was bei "Besuch kommt!" an der Wohnungstür klappt, klappt auch sehr viel schneller und leichter bei "Lass uns spazierengehen!" an der Wohnungs- oder Gartentür.

Außerdem lässt sich diese Übung bis zum echten Gehorsamkeits-Training (Obedience) ausbauen: Wir können dem Hund auch beibringen, fünf Schritte hinter uns zu bleiben; oder sich an der Tür allein abzusetzen, oder ... oder ... oder .... Wie weit du gehen willst, entscheidet allein deine Geduld; denn natürlich braucht es für das Aufbau-Training wieder viel Geduld, Ruhe und einiges an Zeit.

Wir brauchen immer noch die zwei Handys, die wir schon in der ersten Übung benötigt haben: Ein Handy ist mit dem Klingelton unserer Haustür-Klingel präpariert, so dass es sich anhört, als würde es an der Tür klingeln, wenn wir dieses Handy anrufen.

Das "Klingel-Handy" deponieren wir wieder nahe bei unserer Wohnungs-Klingel. Das andere Handy benutzen wir, um dieses Handy anzurufen.

Zunächst wiederholen wir die Schritte aus der Übung 1: Wir setzen uns aufs Sofa und warten, bis der Hund einigermaßen entspannt ist. In der Zwischenzeit machen wir, was immer wir machen wollen: Fern sehen, Buch lesen, Musik hören, am Computer surfen, whatever ...

Dann lassen wir das andere Handy klingeln...

Sobald unser Hund entspannt ist, rufen wir das andere Handy an. Mittlerweile dürfte es unseren Hund deutlich weniger interessieren, dass es an der Tür klingelt. Je nach Rasse und Charakter des Hundes wird er nun zwar immer noch ein bisschen Aufregung zeigen; doch im Wesentlichen wird er eher auf dich als auf das Klingeln achten: "Was macht Herrchen/Frauchen? Gibt's gleich Action?!"

Es ist also okay, wenn der Hund uns gespannt anschaut. Es ist auch okay, wenn er nun etwas unruhig wird. Nicht okay wäre es jedoch, wenn er jetzt losspringt. In diesem Fall sollten wir zur Übung 1: Es klingelt an der Tür! zurückkehren.

Es klingelt. Wir gehen zur Tür. Auch jetzt sollte unser Hund ziemlich ruhig bleiben. Leichte Aufregung ist okay, immerhin passiert gerade etwas. Doch wenn er jetzt loskläfft oder wild hin und her springt, kehren wir besser zur Übung 1: Es klingelt an der Tür! zurück.

Wir sollten jetzt also in einigermaßen entspannter Stille an der Tür ankommen können.

Gelingt das, öffnen wir nun die Tür. Ist der Hund uns nicht gefolgt, sollte er es HÖREN können. Falls eure Wohnungstür nicht quietscht oder andere Geräusche macht: Öffne die Tür. Schließe sie geräuschvoll. Öffne sie dann sofort wieder.

Auch an dieser Stelle kann es durchaus passieren - und wird anfangs wohl auch -, dass unser Hund nun das Öffnen der Tür zum Anlass nimmt, seine Aufregung deutlicher zu zeigen.

In diesem Fall schließen wir die Tür einfach wieder und bleiben still stehen. ... Still warten. ... Bei den ersten Durchläufen wird der Hund noch eine Weile brauchen, doch schon bald findet er allein heraus: "Sobald ich mich aufrege, wird's langweilig."

Warte einfach weiter still ab. Das stille Warten kann anfangs durchaus 5 Minuten dauern. Oder sogar noch länger. Gib ihm die Zeit, die er braucht. Dein Hund denkt nun über neue Strategien nach, denn dass die Tür geöffnet wird, aber nicht das Übliche passiert, ist natürlich neu für ihn.

Irgendwann wird der Hund sich hinsetzen oder anderweitig zeigen, dass er anfängt, sich zu beruhigen. Manche Hunde legen sich sogar ab. Anderen fällt es schwerer, allzu weit herunterzufahren. Doch alle Hunde zeigen deutlich, dass sie sich langsam entspannen.

Darauf haben wir nur gewartet ...

Wir stehen im Flur vor der Wohnungstür. Unser Hund zeigt deutliche Anzeichen, dass er ruhiger wird, weil einfach gar nix Aufregendes passiert.

Also öffnen wir die Tür erneut. Bei den ersten Durchläufen nur ein kleines Stück. Später immer weiter.

Jedes Mal, wenn der Hund wieder "hochfährt", schließen wir einfach nur die Tür. Jedes Mal, wenn er wieder entspannter ist, öffnen wir sie wieder.

Das wiederholen wir so lange, bis der Hund einigermaßen ruhig bleibt, wenn wir die Tür öffnen.

Diese Übung ist erfolgreich abgeschlossen, wenn ...

  • Wir schaffen es mit einem halbwegs unaufgeregten Hund bis zur Wohnungstür.
  • Wir können die Tür öffnen, ohne dass der Hund allzu aufgeregt ist.
  • Keinesfalls rennt der Hund jedoch aufgeregt herum oder kläfft gar.

Wie immer gilt: Wir brauchen keine Perfektion. Aber je besser wir diesen Schritt üben, desto schneller können wir die anderen Schritte absolvieren.

Es klappt ganz gut? Fein, dann verschärfen wir jetzt die Bedingungen: Die Tür ist geschlossen. Wir stehen davor. Der Hund ist einigermaßen ruhig bei uns ... oder sogar nur noch halb interessiert im Hintergrund.

Wir lassen es JETZT wieder klingeln! Wir rufen also das zweite Handy an, während wir an der Tür stehen.

Bleibt der Hund halbwegs entspannt? Gut, dann öffnen wir die Tür. Nach ein paar Sekunden stillen Wartens bei offener Tür schließen wir sie wieder. Und dann gehen wir - ohne den Hund zu beachten! - zurück in die Wohnung. Dort machen wir, was immer wir machen wollen: Aufs Klo gehen, Fern sehen, Musik hören, kurz gesagt: Stinknormaler stinklangweiliger Alltag. ... Bis wir den nächsten Durchlauf machen wollen.

Dreht er auf? Auch gut, dann warten wir einfach weiter oder nutzen die Gelegenheit, uns zwischendurch mal wieder hinsetzen zu können: Wir gehen völlig unbeeindruckt ins Wohnzimmer und setzen uns. Oder wir setzen unseren Alltag ungerührt fort. ... bis zum nächsten Durchlauf.

Nein, das ist kein Rückschritt. Vielmehr lernt unser Hund nun, dass seine Aufregung ihm nichts nutzt. Im Gegenteil: Je aufgeregter er ist, desto langweiliger wird es für ihn.

Und deshalb packen wir diese Übung ja in einzelne Schritte: So helfen wir ihm, in jedem Schritt leichter und schneller zu Ruhe und Gelassenheit zurückzufinden.

Wir haben das Ziel erreicht, wenn ...

  • Wir können beim Klingeln jederzeit aufstehen und zur Wohnungstür gehen.
  • Wir können auch die Wohnungstür öffnen, ohne dass der Hund sich aufregt

Wie immer gilt: Wir brauchen keine Perfektion. Aber je besser wir diesen Schritt üben, desto schneller können wir die anderen Schritte absolvieren.

Dreht der Hund bei einem Schritt allzu sehr auf, hast du ihm im vorangegangenen Schritt nicht genug Zeit gegeben, es wirklich zu begreifen. Kehre dann zum vorherigen Schritt zurück. Das spart euch beiden am Ende viel Zeit und Nerven.

Das Öffnen und Schließen der Tür kannst du nach Gutdünken machen und am Verhalten des Hundes ausrichten. Strengt es ihn noch sehr an, wenn du die Tür öffnest? Dann mache nicht zu viele Wiederholungen unmittelbar nacheinander. Gönne ihm zwischendurch mehr Pausen, indem du die Übung einfach später fortsetzt! Ist er schon chilliger? Dann kannst du es auch 10 Mal direkt hintereinander machen.

Der Hund wird nicht beachtet!

Die besten Erfolge erreichst du, wenn du es dem Hund so langweilig wie möglich machst. Deshalb bekommt der Hund bei der gesamten Übung überhaupt keine Beachtung. Kein Wort. Keine Geste. Noch nicht einmal anschauen. Der Hund existiert einfach nicht.

Natürlich musst du groben Unfug verhindern; etwa, dass er irgendwas runterreißt oder kaputt macht. Aber wirklich erfolgreich ist es nur, wenn es dir gelingt, den Hund überhaupt nicht zu beachten. Beschränke dich daher auf das Allernotwendigste, um deinen Hund vom Unfug abzubringen. Danach ignoriere ihn sofort wieder komplett.

Lasse ihn toben, wenn er will. Lasse ihn kläffen, wenn er muss. Er WIRD sich von allein beruhigen. Anfangs langsamer; später jedoch immer schneller. Und je langweiliger es ist, desto schneller wird er diese Lektion lernen.

KEINESFALLS LOBEN! Es mag sein, dass du versucht bist, deinen Hund zu loben, wenn er sich richtig verhält. Das wäre auch normal und okay. Doch die Gefahr, dass du seinen Aufregungszustand falsch abschätzt, ist zu groß. Und Lob zur falschen Zeit ist sehr viel schlechter als gar kein Lob! Das kann euch im unglücklichen Fall leicht wieder an den Anfang zurückwerfen. Schade um die dann verschwendete Zeit.