"Ach du Scheiße! Wir bekommen Besuch!"

"Mein Hund ist ja eigentlich sooooooo ein liebes Tier. Aber wenn es an der Tür klingelt oder wenn Besuch kommt, dreht er komplett ab. Er springt zur Tür, er kläfft ohrenbetäubend, er drängt sich überall dazwischen und er kommt überhaupt nicht mehr runter."

Du kennst dieses Problem? Gehört dein Hund auch zu den Hunden, die jeden und alles anspringen? Oder ist er eher der Typ, der erst wütend an der Tür kläfft; sich beim Öffnen aber zwischen deinen Beinen verkriecht und von dort aus weiterbellt? Ist er gar ein aggressiver Typ und muss irgendwo angeleint oder festgehalten werden, damit er nicht über den Besuch herfällt?

Was auch immer er ist: Es lässt sich mit ein bisschen Training ändern. Und schon bald habt ihr einen Hund, der sehr höflich sein kann; und vor dem kein Besuch zurückzucken muss, um Kleidung und/oder eigenes Fleisch zu schützen.

Zusammenfassung für Eilige

Nachfolgend schauen wir uns in aller Kürze die wichtigsten Punkte an. Mit diesem Wissen im Hinterkopf legen wir eine gute Basis für ein neues und besseres Verhalten des Hundes.

Die Ursache ist ebenso einfach, wie unangenehm: Dein Hund hat nie gelernt, sich "richtig" zu verhalten. Stattdessen hat er sich dieses Verhalten zugelegt, weil du ihm nie ein anderes Verhalten gezeigt hast.

Und so kommt es eben, dass er der Erste sein will, der den Besuch begrüßt; oder dass er sich in der Pflicht sieht, potenzielle Eindringlinge einzuschüchtern oder gar zu vertreiben. Ersteres ist einfach nur respektlos; letzteres ist im schlimmsten Fall sogar gefährlich.

Die gute Nachricht: Du kannst deinem Hund zeigen, wie es besser geht. Das wird möglicherweise einige Wochen dauern, doch es ist machbar, ... wenn du konsequent, geduldig und diszipliniert bist.

Der häufigste Fehler, den wir machen, ist, unserem Hund zur falschen Zeit Aufmerksamkeit zu widmen. Aufmerksamkeit ist für unseren Hund IMMER eine Belohnung. Und es wird umso mehr zur Belohnung, je "beruhigender" wir auf den Hund einquatschen.

Wenn du also zu jenen Menschen gehörst, die unentwegt brabbeln "Beruhige dich! Da ist nix Böses! Pschhhhhhh! Nun sei doch mal still! ...", dann sagst du deinem Hund nichts anderes als

"Ja, mach weiter! So ist es gut! So will ich es haben! Gib Laut! Vertreibe den Eindringling! Verängstige ihn wenigstens ein bisschen! Das hilft mir sehr! Das ist toll!"

... und irgendwie ist das nicht ganz das, was wir wollen, oder?! Also sollten wir unser Verhalten ändern.

Der Hund dreht auf? Wir beachten ihn einfach nicht. Null. Gar nicht. Überhaupt nicht. Er ist Luft für uns, ganz egal, was er macht. Kein Wort des Trostes. Kein Wort zur Beruhigung. Einfach schweigen. Wir schauen ihn nicht einmal an.

Der zweit-häufigste Fehler ist das Lob zur falschen Zeit; also schlicht gesagt: unser falsches Timing für das Lob.

Meist sieht es so aus, dass zuerst der vorgenannte Fehler (Aufmerksamkeit zur falschen Zeit) gemacht wird. Sobald der Hund dann erste Anzeichen von Zurückhaltung zeigt oder - noch schlimmer - wir den Hund von der Tür wegzerren, beginnen wir prompt, das scheinbar richtige Verhalten zu loben. So hat man es uns schließlich beigebracht, nicht wahr?! "Lobe deinen Hund für richtiges Verhalten!" Aber wie sieht dein Hund diese Situation?

Der Hund wird also scheinbar ruhiger, wir loben ihn dafür, weil wir denken, dass er damit erkennt, was wir von ihm erwarten. Doch der Hund hört nur:

"Das hast du gut gemacht! Genauso müssen wir es machen. Jetzt lass mich mal. Aber bleibe in der Nähe, ich werde deine Hilfe brauchen."

Hmmmm, das ist nicht wirklich, was wir wollen, oder?! Und die große Frage drängt sich auf: "Warum "missversteht" uns der Hund?" Die Antwort darauf ist ziemlich einfach: Er missversteht uns gar nicht. Im Gegenteil. Er wird für sein aktuelles(!) Verhalten gelobt. Doch das ist nicht "Ruhe & Geduld". Vielmehr ist er immer noch ziemlich aufgedreht und für ihn ist die Sache noch längst nicht zu Ende, nur, weil er mal ein paar Sekunden zurücktreten soll.

Wenn wir ihn also JETZT loben, dann BELOHNEN wir GENAU DIESES VERHALTEN.

Wie es richtig wäre? Zunächst einmal ist "Hund NICHT BEACHTEN!" in jedem Fall besser als falsche Beachtung. Doch wenn wir schon mit "positiver Verstärkung" arbeiten wollen, dann sollten wir unbedingt darauf achten, dass wir auch nur verstärken, was wir verstärken wollen.

Das heißt: Der Hund bekommt sein Lob erst, wenn er NACHWEISLICH RUHIG geworden ist. Und - genauso wie Menschen - auch Hunde brauchen Zeit zum Herunterfahren. Mindestens ein paar Minuten.

Woran du merkst, dass es Zeit fürs Lob ist? Nun, der Hund liegt entspannt herum und interessiert sich gar nicht mehr oder nur noch beiläufig für das, was da um ihn herum geschieht. DAS ist richtiges Verhalten. Und DAS wollen wir gern "positiv verstärken", nicht wahr?!

Zunächst einmal: Überlege dir, was du von deinem Hund erwartest, wenn es an der Tür klingelt. Stelle keine unrealistischen Forderungen an deinen Hund! Die Erwartung, dass dein Hund automatisch auf seinen Platz geht, sobald es an der Tür klingelt, ist beispielsweise völlig überzogen. Selbst der netteste Hund ist neugierig, wenn es klingelt. Immerhin passiert gerade etwas Neues; vielleicht sogar Interessantes und Spannendes.

Selbst die Forderung an den Hund, auf seinen Platz geschickt zu werden und dann dort bleiben zu müssen, ist eine extreme Herausforderung, die sogar super-gut erzogene Hunde nur schwer und mit viel Selbstbeherrschung umsetzen können.

Realistisch ist vielmehr eine Erwartung, wie: "Ich begrüße den Besuch zuerst. Und du bleibst still und ruhig und wartest, bis du an der Reihe bist." Dabei darf der Hund uns durchaus an die Tür begleiten. Aber es ist auch okay, wenn er sich gar nicht darum kümmert.

Wäre das auch ein Plan für dich und deinen Hund? Wenn ja, dann "Ärmel hoch! Lass uns loslegen!"

Obwohl es für uns ziemlich einfach erscheint, ist es für den Hund eine ziemliche Herausforderung. Daher teilen wir das Training in mehrere kleine Schritte auf; die wir alle nacheinander mit dem Hund üben. So geben wir dem Hund eine bessere Chance, wirklich sicher zu begreifen, was wir von ihm erwarten.

Das gilt umso mehr, je verfestigter das Fehlverhalten bereits ist; je länger der Hund also das falsche Verhalten bereits an den Tag legt.

Welche Schritte das sind? Lass uns mal überlegen:

  • Wir gehen an die Tür
  • Wir öffnen die Tür
  • Wir lassen den Besuch eintreten
  • Wir gehen mit dem Besuch ins Wohnzimmer

Das ist ein typischer Ablauf von "Besuch kommt!". Und da haben wir auch unsere kleine Schritte, die wir alle einzeln mit dem Hund üben, damit er bei jedem Schritt genau weiß, was wir von ihm erwarten.

Eile mit Weile! Übe jeden Schritt, bis er wirklich sicher funktioniert. Nur dann hat der Hund eine echte Chance zu begreifen. Gehst du zu schnell vor, werdet ihr nur unnötig Rückschläge haben und am Ende sehr viel länger brauchen.

Damit dein Hund sich zukünftig richtig verhalten kann, muss natürlich auch dein Besuch mitziehen. Wenn dein Besuch in die Wohnung stürmt und mit "Na, wer ist denn da?! Komm her! Lass dich angrabbeln!" den Hund wie ein Cheerleader aufheizt, dann ist unser ganzes Bemühen natürlich sinnlos. Deshalb gilt für den Besuch von jetzt an für alle Zeit:

  • Nicht anschauen!
  • Nicht ansprechen!
  • Nicht anfassen!

Für unseren Besuch ist der Hund IMMER Luft. Er existiert gar nicht. Erst dann, wenn WIR es sagen, darf der Besuch auch den Hund begrüßen. Und wir sagen es erst, wenn der Hund wirklich runtergefahren ist; denn auf diese Weise sagen wir dem Hund:

"Du bist tiefenentspannt? Dann darfst du jetzt den Besuch begrüßen. Je früher du dich zukünftig tiefenentspannst, desto eher darfst du. Es liegt allein bei dir."

Und das klingt doch genau so, wie wir es haben wollen, oder?!

So ändern wir das falsche Verhalten des Hundes

Unser Hund hat lange genug kläffend hinter der Tür gestanden und den Besuch bedroht oder zumindest zu beeindrucken versucht. Es wird Zeit, dass wir etwas unternehmen. Und so geht's:

Wichtig! Nimm dir die Zeit, die es braucht! Übe jeden Schritt, bis er wirklich sicher funktioniert. Je besser du das machst, desto besser kann dein Hund verstehen, was du von ihm willst. Und desto schneller kommt ihr am Ende zum Ziel. Dein Hund hat jetzt über Monate oder sogar über Jahre hinweg uns und den Besuch "verbellt". Da kommt es auf ein paar Tage mehr oder weniger auch nicht an.