Mein Hund hört einfach nicht auf mich

Selektive Taubheit ist ein Phänomen, das wir nicht nur von Hunden kennen. Doch wenn der Hund nicht hört, etwa, wenn wir ihn mit » Komm endlich her!« zu uns rufen wollen, kann das zu einem Problem werden, das wir lösen sollten, bevor es zu einem echten Problem wird.

Hier geht es um das allgemeine Hören des Hundes auf Kommandos. Spezielle Probleme der selektiven Taubheit findest du in den entsprechenden Problemfällen und deren Lösungen.

Dabei ist das "Hören können" bzw. das "Hören wollen" eigentlich ein ganz einfaches Problem, das du allein mit viel Konsequenz, Disziplin & Zuneigung leicht lösen kannst, weil es wirklich einfach zu lösen ist. Also "einfach" im Sinne der Lösung; keineswegs einfach im Sinne der praktischen Umsetzung; weil diese viel Disziplin und Konsequenz von dir selbst verlangt. ;)

Warum hört er nicht?

Zuallererst sollten wir uns immer fragen: » Warum? Warum hört er gerade nicht auf mich?« Die Antwort auf diese Frage kann vielfältig ausfallen. Und oft ist sie sogar situationsbedingt. Also schaue lieber zwei Mal hin und finde die richtige Antwort in der aktuellen Situation.

Der einfachste Fall ist, dass er es vielleicht wirklich nicht gehört hat. Im wilden Spiel oder wenn der Jagd-Trieb bereits die Führung übernommen hat, dann hört dein Hund dich eiinfach nicht mehr. Dann ist es bereits zu spät, um jetzt noch irgenwas abwenden zu können.

Doch wenn du sicher bist, dass weder Spiel- noch Jagd-Trieb die Oberhand haben; wenn du also absolut sicher bist, dass er dich gehört haben MUSS, dann hilft es nicht, lauter zu werden oder das Kommando immer und immer wieder zu wiederholen.

Versichere dich vor dem Kommando der Aufmerksamkeit deines Hundes

Auch Hunde sind nur Menschen. Und als solche können auch sie aus vielerlei Gründen abgelenkt sein und dein Kommando gar nicht hören. Oder nur zur Hälfte mitbekommen. Oder nur mitbekommen, DASS du etwas wolltest, aber nicht was du wolltest.

Deshalb versichere dich immer zuerst der Aufmerksamkeit deines Hundes, bevor du ein Kommando gibst.

Im Idealfall schaut dein Hund dich an. Dann weißt du, dass er dich hören wird. Doch wenn er das nicht macht, wenn er die Nase am Boden hat; oder wenn er gerade im wilden Spiel mit anderen Hunden ist, dann hole dir zuerst seine Aufmerksamkeit.

Dazu gibt es verschiedene Wege. Der beste (und einfachste) ist jedoch, einfach darauf zu warten, dass er dich zwischendurch mal anschaut oder wenigstens das Spiel kurzzeitig mal nicht so intensiv ist.

Das dauert manchmal 2, 3 oder auch 5 Minuten. Doch würdest du diese Zeit lieber damit verbringen, dir stattdessen die Lunge aus dem Hals zu schreien und dich dabei immer mehr aufzuschaukeln? » Rusty, komm her! ... Komm her, Rusty! ... Rusty! Hierher! ... Hier sollst du herkommen! ... Rusty! Rusty! Hier! ... Hierher! ... Komm zu Frauchen! ... Komm her! ... HIERHER! ... Kommst du endlich her?!«

Also ich bevorzuge da die "stille Methode": Ich warte einfach mehr oder weniger geduldig ab, bis der Hund zu mir herüberschaut (ja, das macht auch dein Hund selbst im wildesten Spiel immer mal wieder). Und ERST DANN rufe ich ihn zu mir. So weiß ich: Es lag jedenfalls nicht daran, dass er mich nicht hören konnte, wenn er jetzt nicht kommt. Dann ist er einfach nur respektlos mit mir umgegangen. Und dann stehen ihm (und mir) ein paar weitere Trainingseinheiten für mehr Respekt ins Haus. Doch erstmal will ich den Hund bei mir haben.

Auch Hunde wollen das Bessere wählen; nicht das kleinere Übel

Wenn du möchtest, dass dein Hund ein Kommando ausführt, dann sorge dafür, dass er sich freiwillig dafür entscheidet. Weil er es toll findet. Weil er dafür belohnt wird. Weil er dafür deine lobende(!) Aufmerksamkeit bekommt. Weil er dafür Leckerlie bekommt.

Sorge dafür, dass es deinem Hund Spaß macht, deine Kommandos auszuführen.

Natürlich kannst du die Ausführung des Kommandos auch mit Nachdruck verlangen. Doch dabei ergeht es deinem Hund nicht anders als dir in einer ähnlichen Situation: Man ergibt sich notgedrungen; aber man leistet bei nächster Gelegenheit Widerstand. Und sei es nur, dass man die Anweisung einfach "überhört", dass man selektiv taub wird.

Der "positive Weg" ist also vielleicht der längere Weg; doch es ist mit Sicherheit der nachhaltigere.

Nicht quatschen! Machen!

"Platz! ... Mach Platz! ... Machst du jetzt endlich Platz! ... Platz!, habe ich gesagt. ... Platz! ... Platz! ... Platz! ... Mach jetzt endlich Platz! ... Du sollst Platz machen! ... Platz!"

Wenn du so auf deinen Hund einquatscht, dann bluten ihm am Ende nur die Ohren; doch er hört das eigentliche Kommando schon gar nicht mehr, weil er "auf Durchzug geschaltet" hat.

Deshalb: Spare dir jegliche Kommentare zum Kommando. Gib das Kommando ein einziges Mal. Dann warte auf die Ausführung. Wiederhole das Kommando nach angemessener Zeit (in diesem Fall, also beim Kommando "Platz!", nach ca. 15-30 Sekunden) noch einmal. Wieder nur ein einziges Mal. Und warte erneut.

Reicht auch die Wiederholung des Kommandos immer noch nicht aus, dann falle in den "Übungs-Modus" zurück und tue so, als würdet ihr das Kommando gerade neu erlernen. Hilf deinem Hund auszuführen, was du bei diesem Kommando gern möchtest.

Und dann lobe ihn, als ob er es zum ersten Mal richtig gemacht hat. Als ob er es noch nie zuvor falsch gemacht oder überhört hätte.

Du sollst den Namen deines Hundes nicht missbrauchen

Hunde erkennen durchaus ihren Namen. Doch sie erkennen dich auch an deiner Stimme. Wann immer DU also ein Kommando rufst, wird dein Hund es automatisch auf sich beziehen. Dazu brauchst du seinen Namen NIEMALS zu verwenden. (Es sei denn, du hast mehrere Hunde und möchtest, dass sie zur gleichen Zeit unterschiedliche Kommandos ausführen.)

Tatsächlich gehört es zu den häufigsten Fehlern, den Namen des Hundes zusammen mit dem Frust über das Nicht-Befolgen eines Kommandos auszudrücken. Doch dabei lernt der Hund, dass sein Name etwas Negatives ist. Und wenn das zu oft vorkommt, dann wird er JEDE Verbindung mit seinem Namen als Beginn von etwas Negativem in Verbindung bringen. Und damit wäre der "Worst Case", also der schlimmste anzunehmende Fall, angerichtet.

Rufe den Namen deines Hundes nur, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Verbinde ihn jedoch NIEMALS mit Kommandos. (Mit Lob kannst du ihn dagegen IMMER verbinden.)

"Bello! ... Hierher! ... Komm her, Bello! ... Kommst du hierher, Bello! ... BELLO! KOMM! HER! ... Aber zackig! ... Bello! Hierher!"

Nicht nur, dass du herumquatscht, du verbindest seinen Namen auch noch mit deiner (zunehmenden) Wut. Dein Hund hat nun quasi doppelt weniger Grund, auf dein Kommando zu hören. Und auch zukünftig wird er seinen Namen immer mehr mit deinem Zorn in Verbindung bringen. Wenn du dann seinen Namen rufst, wird er umgehend "auf Durchzug schalten" und deine Kommandos geflissentlich überhören.

"Bello!" (Pause, um die erwünschte Aufmerksamkeit zu bekommen) dann: "Hierher!" (ein einziges Mal rufen)

Reagiert dein Hund nicht auf seinen Namen, rufst du den Namen ein weiteres Mal. Doch immer so freundlich und liebevoll, wie du nur kannst. Dein Hund MUSS seinen Namen mit Positivem in Verbindung bringen; je positiver, desto schneller wird er darauf reagieren.