Aufreiten, Rammeln, Klammern, Aufsteigen, Aufspringen, ...

"Mein Hund ist dominant!"

Die allererste Antwort, die den meisten Menschen dazu einfällt lautet

"Alles klar! Mein Hund ist dominant!"

Aber ganz so einfach ist die Antwort nicht. JA, es KANN dominantes Verhalten sein. Aber NEIN, es MUSS NICHT. Vielmehr gibt es eine ganze Reihe von Ursachen, die zu dieser Handlung unseres Hundes führen.

Welpen & Junghunde

Im Welpenalter spielen die Hunde miteinander, um soziale Fähigkeiten zu lernen und zu üben. Dazu gehört auch das "Aufreiten". Allerdings nehmen Welpen es nicht als sexuelle, und schon gar nicht als dominante Handlung wahr. Sie wenden es an, sie lernen es; aber Sinn und Zweck sind ihnen nicht bewusst.

Für Junghunde ist es zwar immer noch eine Lern-Phase; doch es hat schon sehr viel mehr sexuelle Komponente. Und es zeigen sich zudem erste, deutlich erkennbare Muster von Imponiergehabe; etwa das Üben von Überlegenheits-Verhalten gegenüber einem anderen Hund.

Spielend lernen! Für Welpen und Junghunde ist es vor allem spielerisches Lernen von sozialen Verhaltensweisen.

Beobachten! Macht der Hund es zu häufig, wird es gar zur Besessenheit, sollte man korrigierend eingreifen: Nicht zwingend "ganz verbieten"; wohl aber die Häufigkeit reduzieren.

Aufreiten beim Menschen ist IMMER falsch! Unterbinde es strikt, konsequent und jedes Mal!

Junge und erwachsene Hunde

Ab etwa dem Beginn des zweiten Lebensjahres, also nach dem Ende der Pubertät, wird das Aufreiten schließlich zu einem sozialen Verhaltensmuster mit vier verschiedenen Hintergründen:

  1. Sexuelle Handlung
  2. Übersprungs-Handlung (lies: "Ausweich-Verhalten" bei Unsicherheit)
  3. Imponier- bzw. Dominanz-Handlung
  4. Spielerisches Aufreiten

Und hier gilt: Nicht überbewerten, sondern Kontext beachten!

Manchmal sollte man den Hund einfach "sein Ding durchziehen" lassen. Entweder, weil er es für seinen eigenen Seelenfrieden braucht. Oder weil es gerade eine spielerische (Über-)Reaktion im Überschwang der Freude ist. Oder weil es Teil der Kommunikation mit einem anderen Hund ist.

Wenn es jedoch im Kontext falsch erscheint, wenn der so besprungene Hund deutlich zeigt, dass er das nicht will (wenn er also nicht still stehen bleibt), wenn es beim Menschen gemacht wird, oder wenn es sogar zur Obsession, also zur regelrechten "Besessenheit", wird (etwa, wenn er es auch an irgendwelchen Objekten, Spielzeugen, Kissen, oder anderen Dingen macht), dann sollte man es jedoch nachdrücklich - also konsequent und ruhig - schon im Ansatz unterbinden.

Ausnahme: Reitet dein Hund ungewöhnlich häufig auf und ist ihm dabei scheinbar völlig egal, ob Hunde, Menschen, andere Tiere oder Objekte, können auch medizinische Ursachen vorliegen. Im Zweifel sprich mit deinem Tierarzt!

Es gibt Unterschiede: Genau hinschauen!

Wer genau hinschaut, der stellt übrigens schnell fest, dass sich das Verhalten beim Aufreiten von Fall zu Fall unterscheidet. Wir können also anhand des Verhaltens unseres Hundes unmittelbar vor und direkt beim Aufreiten ablesen, welcher der vier vorgenannten Hintergründe (Sex, Übersprung, Spiel oder Imponier-/Dominanz-Verhalten) höchstwahrscheinlich zutrifft:

Sexuelles Verhalten liegt vor, wenn dein Hund von hinten aufreitet, sichtbar körperlich erregt (ausgefahrener Penis) ist und typische sexuelle (Pump-)Bewegungen macht.

Spielerisches Aufreiten erkennt man daran, dass der Hund mitten im Spiel mit anderen Hunden "einfach mal zwischendurch" aufreitet. Meist dauert das nur ein paar Sekunden. Und in jedem Fall fehlen dann die typischen sexuellen Merkmale. Dabei kann es sich um Übersprungs-Verhalten handeln (wenn etwa der Hund vom Verhalten der anderen Hunde irritiert ist); es kann aber auch einfach Ausdruck überschwänglicher Freude sein.

Übersprungs-Verhalten liegt vor, wenn es "irgendwie unerwartet" passiert. Eigentlich hat man damit gerechnet, dass der Hund irgendwas anderes macht; doch plötzlich reitet er auf.

Imponier- und Dominanz-Verhalten liegt hingegen vor, wenn dein Hund sich kaum darum kümmert, "ob es sexuell überhaupt funktionieren" könnte. Beispielsweise reitet er über dem Schwanz des anderen Hundes auf. Oder er reitet seitlich (oder sogar von vorn) auf. Und meistens fehlen dann auch die typischen sexuellen (Pump-)Bewegungen. Vielmehr verharrt der Hund einfach ein paar Sekunden lang in diesem "Klammergriff", bevor er wieder ablässt.

FAUSTREGEL: Reitet dein Hund andere Hunde auf, ist es fast immer entweder sexuelles, spielerisches oder Imponier- bzw. Dominanz-Verhalten.

FAUSTREGEL: Reitet dein Hund Menschen oder Objekte auf, ist es fast immer entweder Übersprungs- oder Imponier- bzw. Dominanz-Verhalten.

Was davon sollte ich unterbinden?

Grundsätzlich brauchst du beim spielerischen Aufreiten nicht eingreifen. Tobt dein Hund mit anderen Hunden herum und reitet er dabei gelegentlich auch mal auf, dann ist es völlig unbedenklich. Lass ihm einfach seine Lebensfreude. Sollte es den Betroffenen zu viel werden, dann korrigieren sie deinen Hund allein.

Das sexuelle Aufreiten ist schon etwas problematischer: Wie sieht die fremde Hündin das? Und was sagt der fremde Halter dazu? Immerhin könnte sich da (unerwünschter) Nachwuchs anbahnen. Solange hier Unklarheiten bestehen, oder wenn die fremde Hündin deutliches Abwehrverhalten zeigt (sie bleibt nicht still stehen); dann solltest du es umgehend unterbinden.

Imponier- und Dominanz-Verhalten ist Teil der natürlichen Kommunikation zwischen Hunden. Daher solltest du hier nur sehr dosiert eingreifen. Wenn dein Hund sich beispielsweise übertrieben fordernd verhält, sollte er zumindest gebremst werden. Und wenn der betroffene Hund deutliche Unterordnungs-Signale zeigt (Ablegen unter deinem Hund, auf die Seite oder den Rücken drehen, Beschwichtigungssignale, etc.), dein Hund aber trotzdem nicht nachlässt und Druck rausnimmt, solltest du durchaus eingreifen. Oft reicht es dann, ihn kurz beim Namen zu rufen und so ein bisschen aus der Konzentration auf die Situation herauszuholen.

Das Aufreiten beim Menschen ist hingegen IMMER mindestens respektlos und sollte IN JEDEM FALL unterbunden werden. Es gibt für einen Hund KEINEN Grund, einen Menschen aufzureiten. Nicht im Spiel; nicht im Übersprung und schon gar nicht im Imponier- oder Dominanz-Verhalten.

Wie unterbinde ich das Aufreiten meines Hundes?

Dafür gibt es leider keine Universal-Antwort. Das hängt sehr stark vom Charakter deines Hundes und von der Situation selbst ab.

Praxis-Tipp Unterbrich schon den Ansatz! Warte nicht, bis der Hund bereits aufgeritten ist.

Oft reicht es schon, den Hund mit fordernder Stimme beim Namen zu rufen: »Hasso! Nein!« Damit hast du eine gute Chance, ihn aus der Konzentration auf dieses Verhalten herauszureißen und, da er nicht weiß, wie er weitermachen kann, zu einem anderen Verhalten zu bewegen.

Aber auch "Benno! Hierher!", also das Abrufen, ist gerade im Ansatz des Verhaltens ziemlich erfolgreich. Ganz besonders, wenn du deinem Hund eine Belohnung oder ein alternatives Spiel anbieten kannst.

Und wenn gar nichts anderes hilft, es aber notwendig ist, dann ziehe den Hund vom Betroffenen herunter. Biete ihm dann SOFORT eine Belohnung an. Und lenke seine Aufmerksamkeit SOFORT auf etwas anderes: Ein Spiel, ein Kommando, einen Trick, den er vorführen soll.

Wie immer so gilt auch hier: Frühzeitig alternatives Verhalten anbieten! So lenkst du am einfachsten von diesem unerwünschten Verhalten ab.

Praxis-Tipp Du bist unsicher, ob dein Hund gleich aufreiten will? Dann rufe ihn doch einfach GENAU JETZT ab! So trainiert ihr ganz nebenbei auch noch das Abruf-Kommando; und du hast eine mögliche Fehleinschätzung in eine positive Situation gedreht.

Wie unterbinde ich das Aufreiten fremder Hunde auf meinem?

Nun, zeige, dass DU der Boss bist; und dass sich der fremde Hund gerade MIT DIR anlegt, wenn er weitermacht! Fordernde oder drohende Körperhaltung, ein zackig-militärischer Tonfall und das kurze Kommando "Nein!" wirken oft wahre Wunder.

Zur Verstärkung gehe in mäßigem Schritttempo und deutlich drohender Körperhaltung auf den fremden Hund zu, starre ihm dabei direkt in die Augen und wiederhole im Abstand von etwa 10-15 Sekunden das » Nein!«

WICHTIG! Nicht Plappern! Kein "Gehst du da runter? Hau ab! Runter von meinem Hund! Verpiss dich! Geh weg! Geh da runter!"; denn in deinem Wortschwall verliert sich die Wichtigkeit für den feindlichen Hund. Er hört dann nur noch Rauschen. Und wenn er vielleicht noch am Anfang kurz überlegt hat, ob er aufgeben soll, wird er im Verlaufe deines Wortschwalls immer sicherer: "Der/Die tut nix. Er/sie bellt nur."

Nicht Plappern! Zunächst fordernde, wenn das nicht hilft, drohende Körperhaltung und von Zeit zu Zeit ein scharfes "Nein!"