Die Entwicklungsphasen unseres Hundes

Von der Geburt bis zum Tod macht unser Hund verschiedene Entwicklungsphasen durch.

In dieser Zeit entwickelt er nicht nur seinen Körper zum ausgewachsenen Hund, sondern auch seinen Geist, seine Beziehungen zu seiner Umwelt und grundlegende Verhaltensmuster.

Und wir, als Menschen und Hundehalter, wirken sehr stark darauf ein. Denn es ist unsere Welt. Es sind unsere Regeln. Wir müssen sie unserem Hund nahebringen. In jeder einzelnen Lebensphase.

Vorbemerkung

Je älter unser Hund wird, desto weniger scharf sind die einzelnen Lebensphasen voneinander abgegrenzt. Vielmehr wird es immer mehr ein fließender Übergang von einer Phase zur nächsten, der Wochen oder Monate dauern kann. Obendrein gibt es auch bei Hunden Früh- und Spätentwickler und rassetypische Unterschiede.

Deshalb ist es auch nicht möglich, 100%ig exakte Wochen- oder Monatsdaten anzugeben. Vielmehr sind es - insbesondere ab der Sozialisierungsphase - eher Richtlinien, also "ungefähre Faustregeln", für dich.

1. Woche Geburt und vegetative Phase

Direkt nach der Geburt (typischerweise mit dem Kopf voran) wird der Welpe von der Mutter saubergeleckt.

Dann beginnt der noch taube und blinde Welpe mit seiner Hauptaufgabe für diese Woche: Trinken & Schlafen. Das geschieht völlig instinktiv und wird durch bestimmte Schlüsselreize gesteuert, so dass er auch ohne Sehen und Hören den Weg zur Zitze der Mutter findet. In dieser Zeit kann er übrigens fast nur im Kreis kriechen, was verhindert, dass er das Nest allzu weit verlassen kann.

Mutter und Welpe kommunizieren zunehmend mit Schlüsselreizen miteinander. Der Welpe kann also schon sehr bald sein Missfallen durch Lautäußerungen kundtun; was wiederum seine Mutter instinktiv dazu veranlasst, sich besonders um ihn zu kümmern.

In dieser Phase kümmert sich allein die Mutter um die Sauberkeit - sowohl des Welpen (Sauberlecken & durch Bauch-Lecken die "Verdauung anregen"), als auch des Nests. (Ja, sie frisst instinktiv die Kacke des Welpen.)

2.-3. Woche Die Übergangsphase

Ab etwa der Mitte der 2. Woche beginnt der Welpe langsam, die Augen zu öffnen. Allerdings sieht und hört er immer noch nicht wirklich viel. Das setzt erst ab dem 17. Tag ein.

Jetzt ändert sich das Verhalten des Welpen rasant: Er lernt rückwärts zu kriechen, er nimmt die Geschwister im Nest wahr, er beginnt sich im Riechen und erstem "Anknabbern" zu üben, er beginnt mit der eigenen Fell- und Hautpflege, ... er schläft deutlich weniger und er beginnt mit ersten, vorsichtigen Erkundungen seiner nahen Umwelt.

Schon bald danach setzen die ersten Steh- und Gehversuche ein; und der Erkundungsradius erweitert sich immer mehr.

4.-8. Woche Die Prägungsphase

In der 4. Woche bekommen die Welpen ihre "Milchzähne". Und ab dann experimentieren sie sehr viel mit ihren Zähnen. Praktisch alles, was sie erreichen können, testen sie auch mit den Zähnen.

Viel wichtiger ist aber: Das ist die Prägungsphase! Die Sinneseindrücke dieser Zeit bilden die Grundlage für seine gesamte persönliche Entwicklung.

Und obwohl der Welpe in dieser Zeit noch ein ausgesprochener Egoist ist und sich ausschließlich um sein eigenes Wohlbefinden kümmert, ist es doch die wichtigste "Lehr-Zeit": Er lernt, was zur "normalen Umwelt" gehört.

Alles, was er in dieser Zeit kennenlernt, ist für ihn "normal". Das bedeutet nicht, dass er nicht das Eine oder Andere später doch fürchtet. Es bedeutet nur: »Kenne ich! Habe ich schon mal gesehen.«

Diese Phase ist also die Vorbereitungs-Phase für die nächste Phase, die für uns Menschen wichtigste Phase überhaupt: die Sozialisierungsphase.

8.-12. Woche Die Sozialisierungsphase

In der Prägungsphase hat unser Hund gelernt, dass Menschen (Autos, andere Tiere, Gerüche, Geräusche, etc.) zur "normalen Umwelt" gehören. In dieser Sozialisierungsphase lernt er nun den Umgang mit ihnen.

Sämtliche Erfahrungen, die unser Hund in dieser Phase macht, bestimmen den Rest seines Lebens. Was er jetzt nicht an "Freundlichkeit" und "nettem Umgang miteinander, aber auch mit Menschen und dem Rest der Umwelt" lernt, ist später nur sehr schwer mit sehr viel Training und noch mehr Schweiß und Tränen nachzuholen.

13.-16. Woche Die Rangordnungsphase

Die Sozialisierungsphase ist gerade im Abklingen, da setzt im 4. Monat auch schon die Rangordnungsphase ein. Du erkennst sie deutlich daran, dass der Hund sich neuerdings oft und gern in "Kämpfe" und Scheinangriffe - mit anderen Hunden, aber auch mit Menschen und sogar Objekten - einlässt, die von Knurren und Bellen begleitet werden. Manchmal offensichtlich spielerisch; gelegentlich aber durchaus auch, gerade, wenn man dieses Verhalten gar nicht kennt, fast wie eine ernsthafte Beißerei wirkend.

Spätestens von jetzt an - und bis zum Ende seines Lebens - sollten dem Hund klare Regeln gegeben und mit Konsequenz, Geduld und Disziplin durchgesetzt werden. Dazu gehören auch die Übungen des Grundgehorsams.

5.-6. Monat Die Jugend - und Rudelordnungsphase

In der Rangordnungsphase hat unser Hund seinen Rang bekommen und getestet. In dieser Phase lernt er seine Aufgaben im Rudel kennen und einzuhalten. Er stellt also seinen Rang nicht mehr so sehr infrage; sondern erlernt jetzt "das richtige Verhalten im Rudel".

Das ist eine natürliche "Überrest-Phase" aus seiner Zeit als wilder Wolf: Das Rudel erweitert sich um den Nachwuchs, die Aufgaben - etwa bei der Jagd oder beim Schutz des Rudels - werden nun auch auf seine Schultern gelegt: Er bekommt seinen Job und das Team spielt sich gemeinsam ein.

6.-12. Monat Die Pubertät bzw. Teenagerphase

Kaum spielt man sich gemeinsam ein, kommt auch schon die "Rotzlöffel-Phase" dazwischen: Wie der Mensch, so macht auch der Hund eine Pubertier-Phase durch. Er wird aufsässig, ungehorsam, frech, undiszipliniert, kann sich kaum noch konzentrieren, hört keine Kommandos mehr und tut den ganzen Tag so, als hätte er nie Benehmen oder Gehorsam gelernt.

Kurz gesagt: Die Hormone tanzen Rock'n'Roll. Und unser Hund wird geschlechtsreif.

Das ist für den Menschen die schlimmste Phase. Denn hier scheint gar nichts mehr zu helfen: Ganz egal, was man macht oder lässt; ganz egal, wie sehr man auf Regeln besteht oder nicht: Der Hund hat seinen eigenen Kopf ... einen SEHR DICKEN DICKKOPF ... er ist ... nun ja, ... eben ein Teenager, wie er im Buche steht.

Und es hat den Anschein, als ob der Hund praktisch alles, was er bisher gelernt hat haben sollte, komplett verlernt und vergessen hat.

Die "Puber-Tier"-Phase übersteht ihr gemeinsam am einfachsten, wenn du deinen Hund praktisch nie unkontrolliert von der Leine lässt; und ihr dafür im Gegenzug SEHR VIEL GEMEINSAME EINSAME "Quality-Time" verbringt.

2.-8. Jahr Der erwachsene Hund

Nach nur einem Jahr habt ihr es aber endlich überstanden: Der Hund ist erwachsen geworden. Die Pubertät verschwindet fast über Nacht; und von einem Tag auf den anderen kennt dein Hund plötzlich wieder Regeln und Kommandos.

Dein Hund ist jetzt ERSTMALS das, was du dir seit einem Jahr gewünscht hast; woran du seit einem Jahr die ganze Zeit gearbeitet hast. Er hat von all der Arbeit, die du in ihn gesteckt hast, nichts wirklich vergessen, es war nur unter dem allzu lauten Rauschen der Hormone verschwunden.

Jetzt seid ihr entweder ein eingespieltes Team, in dem sich jeder auf den anderen verlassen kann. Er wird zwar immer noch die Grenzen testen; doch macht er das jetzt "routinierter", duldet also die Beschränkung durch dich sehr schnell.

Oder du erfährst jetzt in epischer Breite und Tiefe, was du in den vorangegangen Phasen alles falsch gemacht hast. Und du bekommst schon ganz allmählich eine Vorahnung davon, womit ihr euch in den nächsten Jahren auseinandersetzen müsst.

ab 8. Jahr Der Senior

Auch Hunde werden alt. Und ruhig. Und würdevoll. Und gemächlich. Der Hund kennt die Abläufe in eurem gemeinsamen Leben wahrscheinlich besser als du selbst. Es gibt praktisch nichts, was ihn jetzt noch anheben oder überraschen könnte.

Und wie beim Menschen, so lässt auch beim Hund nicht nur der Bewegungsdrang, sondern auch die Gedächtnisleistung, das Gehör und der Geruchssinn allmählich nach. Und er muss jetzt wieder häufiger, weil die Blase öfter drückt.

Kurz gesagt: Er wird zum Elder Statesman, zum routinierten und immer ruhiger und selbstbewusster werdenden Staatsmann.

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