Wie erkenne ich dominantes Verhalten meines Hundes?

Kein Hund dieser Welt zeigt "über Nacht" gleich mal die höchsten Stufen dominanten Verhaltens, lässt Frauchen nicht durch die Tür gehen, beißt kleine Kinder, hetzt Radfahrer oder dreht am Zaun völlig durch, wenn jemand vorbeigeht. Vielmehr entwickelt sich dieses Verhalten oft über Jahre hinweg.

Warum?

Weil wir die kleinen Anzeichen nicht erkennen. Weil wir die stärker werdenden Anzeichen ignorieren. Und weil wir unseren Hunden nicht ausreichend zeigen, wie wir uns das alternative bessere Verhalten vorstellen; ja, es sogar voller inbrünstiger Überzeugung als "Liebesbeweis" unseres Hundes interpretieren möchten. Aber auch, weil wir irgendwann "damit nicht mehr fertig werden"; und schlicht aufgeben und hoffen, dass es durch Wegsehen von allein verschwindet.

Typische Anzeichen

Nachfolgend findest du eine (unvollständige) Liste typischer Anzeichen für sich entwickelndes Fehlverhalten deines Hundes:

  • Dickköpfigkeit & Willensstärke
  • Im Weg herumstehen bzw. sich in den Weg stellen
  • Forderndes Verhalten
  • Aufdringlichkeit (in JEDER Form)
  • Betteln (vor allem am Tisch)
  • Anstupsen, um gestreichelt zu werden
  • Unaufgefordertes "Pfote geben", um Aufmerksamkeit einzufordern
  • Den eigenen Halter anbellen (außerhalb der natürlichen Aufregung von sehr aktiven Spielen)
  • Dauerhaft vor dem Leinenhalter herlaufen (Verstärkung: mit straffer Leine)
  • Bekannte Kommandos "nicht hören" bzw. "nicht verstehen" wollen (»Komm her!«, »Bleib!«, etc.)
  • Verärgertes Verhalten, wenn er vom Halter geweckt wird
  • Aufdringliches "Küsschen geben" (Verstärkung: im Gesicht)
  • Spielzeug verteidigen (damit vor dem Halter weglaufen; es "festhalten"; ggf. sogar mit Knurren)
  • Den eigenen Halter nicht aus den Augen lassen (in alle Räume mitlaufen)
  • Andere Menschen nicht an den eigenen Halter heranlassen ("Beschützen")

Wie gesagt: Diese Liste ist unvollständig und könnte noch eine ganze Weile fortgesetzt werden. Aber fällt dir jetzt schon etwas auf? Genau: Wir kennen das Eine oder Andere durchaus auch von unserem eigenen Hund.

Und gar nicht so selten finden wir es sogar schön, ja, wünschen uns sogar mehr davon. Weil es "sooooo niiiiiedlich" ist, wie er da mit leuchtenden Augen am Tisch bettelt. Weil es "soooooo rüüüüüüührend" ist, wenn er uns das Gesicht abschlabbert oder unaufgefordert die Pfote in den Schoß legt.

... weil wir es oft als "Liebesbeweis" unseres Hundes fehlinterpretieren.

Doch das ist KEIN LIEBESBEWEIS. Das ist ein Beweis, dass dein Hund verunsichert ist und nun verzweifelt - und immer verzweifelter - zu kompensieren versucht, was du an "elterlicher Anleitung" vermissen lässt: Er stellt dir Fragen; doch er bekommt keine Antworten von dir! Also muss er die richtigen Antworten notgedrungen selbst erraten. Du hilfst ihm schließlich nicht, so sehr er dich auch darum bittet.

Kurz gesagt: Das ist der Beweis, dass sich Dinge in eine schlechte und sogar sehr schlechte Richtung entwickeln, wenn wir hier nicht einschreiten und unserem Hund - und damit auch unserer Beziehung zu ihm - auf einen besseren Weg helfen.

Muss ich mir Sorgen machen?

Nichts aus der Liste oben ist für sich allein eine Katastrophe. Wenn unser Hund sich mal daneben benimmt und dominantes Verhalten zeigt, will er nicht immer gleich die Weltherrschaft.

Wenn es aber häufig - und immer häufiger - auftritt und/oder, wenn die Intensität zunimmt, dann solltest du durchaus ernsthaft darüber nachdenken, ob du an der Erziehung deines Hundes vielleicht etwas verbessern kannst.

Nicht, um irgendeinen unsinnigen Perfektionismus heraushängen zu lassen oder deinen Hund zu einem "Vorzeige-Hund" zu machen; sondern, um deinem Hund etwas mehr Führung und damit Sicherheit zu geben.

Denn was dein Hund am allerliebsten machen würde, ist, mit dem Wind um die Wette laufen; das Gras wachsen hören; an Laternen und Büschen "Zeitung lesen"; Stöcker zerbeißen, Tauben aufscheuchen und sich in Pfützen abkühlen.

Das kann er aber immer seltener, wenn er seine Zeit damit verbringen muss, das Revier zu verteidigen, euer kleines Rudel vor angreifenden Joggern und Radfahrern zu beschützen, um deine Aufmerksamkeit zu betteln oder aufzupassen, dass du - aus seiner Sicht - keinen Unfug machst...

Vielleicht möchtest du das ja wieder in eine bessere und nicht nur für den Hund gesündere Richtung schieben?

Wenn du das willst, dann findest du hier (Was tun gegen dominantes Verhalten?) einen Leitfaden für euer neues gemeinsames Leben.

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