Was mache ich gegen dominantes Verhalten meines Hundes?

Dein Hund zeigt deutliche Anzeichen respektlosen Verhaltens? Du findest ihn in mehreren Punkten dieser Liste wieder? (Wie erkenne ich dominantes Verhalten meines Hundes?)

Du möchtest diese Probleme wirklich ernsthaft beheben?

Die Betonung liegt auf "wirklich ernsthaft"; denn je mehr Anzeichen du in der Liste wiedererkennst, desto mehr Anstrengungen wirst du unternehmen müssen, um das wieder geradezuziehen. Es wird dich Kraft, Geduld und Ausdauer kosten.

Habe Geduld! Fehlverhalten des Hundes baut sich nicht über Nacht auf. Und es lässt sich genauso wenig über Nacht abbauen.

Aber heute beginnt ein neues Zeitalter. Ab heute machen wir es - vielleicht nicht alles, aber vieles - besser. Denn ab heute weht ein neuer, ein frischer Wind des gegenseitigen Respekts in unserer Beziehung.

Schritt 1: Sicherstellen, dass keine Krankheit vorliegt

Bevor du jetzt mit irgendwelchen Erziehungs-Maßnahmen beginnst, solltest du sicherstellen, dass dein Hund wirklich gesund ist und "nur" an mangelhafter Erziehung leidet.

Es gibt durchaus auch medizinische Gründe, warum ein Hund sich (scheinbar) dominant oder aggressiv verhält. Kläre das mit dem Tierarzt deines Vertrauens ab!

Nur dann, wenn du sicher ausschließen kannst, dass dein Hund nicht etwa aggressiv oder aufdringlich ist, weil er vielleicht unter chronischen Schmerzen leidet und es dir auf diese Weise zeigen will, macht auch Erziehung überhaupt Sinn.

Schritt 2: Reflektiere dich selbst!

Hunde sind von Natur aus ausgesprochen soziale, höfliche und zurückhaltende Wesen. Das müssen sie auch sein, denn sie tragen verdammt scharfe Waffen, mit denen sie auch eigene Rudelmitglieder leicht lebensgefährlich verletzen könnten.

Wenn dein Hund also Fehlverhalten zeigt, dann kannst du mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass du irgendwie, irgendwo und irgendwann Fehler gemacht hast. Nicht nur einen, sondern jede Menge. Nicht nur ab und zu, sondern ziemlich ausdauernd. Und nicht nur kleine, sondern ziemlich große.

Kein Grund, eingeschnappt zu sein! Wir machen alle Fehler. Das ist nicht schlimm. Schlimm wird es nur, wenn wir die Fehler nicht finden oder nicht einsehen können (oder wollen).

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung! Finde heraus, was du bisher falsch gemacht hast. Und dann ändere das!

Sei ehrlich zu dir selbst! Du bist niemandem Rechenschaft pflichtig. Außer dir selbst. Und deinem Hund. Wenn du also "schummelst", dann betrügst du nur dich selbst und deinen eigenen Hund.

Schritt 3: Sei konsequent und geduldig!

Das Fehlverhalten deines Hundes hat sich über Jahre aufgebaut. Keine Chance, es in einer "Schnell-Reparatur" zu beseitigen.

Gib dir und deinem Hund Zeit! Und arbeitet konsequent und geduldig an eurem neuen Plan für besseres Verhalten.

Verlange konsequent die Einhaltung der neuen Regeln; aber zeige dich dabei geduldig! Dein Hund muss nun völlig neu lernen, wie es besser geht. Und selbst der cleverste Hund lernt nicht besser oder schneller als ein etwa 3-jähriges Kind. Also wird es viele, viele geduldige Wiederholungen und konsequente Belehrungen brauchen, bis das neue Verhalten zur Gewohnheit geworden ist.

Schritt 4: Gib nicht auf!

Oh ja, es wird Rückschläge geben!

Beim Hund, weil er immer wieder mal experimentiert, ob er nicht vielleicht auch auf einem leichteren Weg zum gewünschten Ergebnis kommt.

Und bei dir, weil du dann doch wieder weich, wie in der Sonne schmelzende Butter, wirst, wenn dich diese treuen Augen bettelnd anstarren.

Lasse dich davon nicht entmutigen! Nimm den Rückschlag tapfer hin. Vergiss ihn. Richte den Blick nach vorn; auf den nächsten Versuch; auf die nächste Gelegenheit. (Genau dasselbe macht übrigens auch dein Hund.)

Schritt 5: Höre nicht zu früh auf!

Wenn du wenigstens einigermaßen konsequent und geduldig bist, wirst du schon sehr bald die ersten deutlichen Verbesserungen feststellen:

Auf einmal zieht dein Hund gar nicht mehr so doll oder so oft an der Leine. Und neuerdings lässt er sogar die meisten Radfahrer und Jogger lebend vorbei.

Natürlich sind das großartige Erfolge!

Aber wenn du dich nun damit zufrieden gibst, dass es "manchmal" oder "meistens" so ist, dann ist es noch nicht sattelfest. Wer nur manchmal zu ertrinken droht, der kann eben immer noch nicht sicher schwimmen. Und um den muss man sich auch weiterhin kümmern.

Deshalb: Feiert eure ersten großen Erfolge! Aber macht unbeirrt weiter! Erst, wenn es eine sichere Gewohnheit geworden ist, wenn es "automatisch richtig" passiert, haben wir die Sache in trockenen Tüchern.

Ausrutscher wird es trotzdem immer noch geben. Schließlich bringen wir dem Hund eine ganze Reihe völlig unnatürlicher Sachen bei; etwa, wenn wir ihm sagen, dass er offensichtliche Bedrohungen (wie Radfahrer, die zu nahe kommen) nicht einschüchtern und vertreiben darf.

Entscheidend sind also die "90 Prozent"; nicht die 100 Prozent. Aber bis dahin MÜSSEN wir gemeinsam durchhalten:

Konsequent.
Geduldig.
Diszipliniert.
Und natürlich positiv lobend.

Die schlechte Nachricht: Die Erziehung deines Hundes endet niemals! Selbst der bravste und perfekteste Hund der Welt braucht immer wieder Antworten auf seine Fragen, braucht Führung, braucht Erziehung.

Die gute Nachricht: Es wird immer einfacher! Zum Einen, weil dein Hund dich zunehmend respektiert. Zum Anderen, weil ihr es nur noch hier und da mit Kleinigkeiten zu tun habt.

Schritt 6: Achte zukünftig schon auf die kleinen Veränderungen!

Ihr habt es geschafft! Der Hund ist super-entspannt, wenn Radfahrer vorbeikommen. Er pennt seelenruhig auf seinem Platz, ohne uns permanent zu kontrollieren. Er bettelt nicht mehr am Tisch, sondern liegt darunter (und furzt waffenscheinpflichtig). Und er hütet auch die Familie nicht mehr, sondern kann es ertragen, dass man sich von ihm entfernt. Kurz gesagt: Er kann nach all den Monaten der konsequenten Grenzen und des geduldigen Übens endlich ein glücklicher Hund sein.

Und du hast jetzt die Wahl:

Noch einmal so eine monate- oder sogar jahrelange Ochsentour vom über lange Zeit eingefleischten Fehlverhalten hin zum "netten & respektvollen Hund"? Oder darf es beim nächsten Mal etwas leichter, einfacher und schneller gehen?

Wenn du den einfachen Weg bevorzugst, dann achte zukünftig schon auf kleine Veränderungen im Verhalten deines Hundes. Je frühzeitiger du sie unterbindest und in eine bessere Richtung lenkst, desto weniger Kraft und Zeit müsst ihr beide - du und dein Hund - hineinstecken.

Denn nein: Dein Hund macht das nicht "absichtlich". Ihm fehlen nur hin und wieder (wegen unserer Nachlässigkeit) die Leitplanken. Und je länger sie fehlen, desto mehr fällt er aus der Rolle, desto mehr verfestigt sich das eigentlich schlechte Verhalten wieder als "normales Verhalten".

Wer von uns ist ohne Schuld? Ich sage nur »Schokolade!« Nicht sie ist unser Problem, sondern die Inkonsequenz, von der sich niemand - auch ich nicht - freisprechen kann. Trotz aller geduldigen Übung, davon loszukommen.

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