Kenne den Unterschied zwischen Dominanz und Aggression!

Bei der dominanten Erziehung unseres Hundes sollten wir nie den Grat zur Aggression überschreiten! Denn ja: Dein Hund erkennt den Unterschied sehr genau. Und das sogar schon auf große Entfernung; denn er ist ein Meister im Lesen und Verstehen der Körpersprache.

Dominanz bedeutet: Konsequenz und Disziplin, aber geduldige Ruhe.

Du kannst also sehr wohl darauf bestehen, dass festgelegte Regeln eingehalten werden. Doch als echt dominanter Rudelführer machst du das stets mit Geduld und Ruhe. Denn du bist dir deiner Autorität bewusst. Du weißt, dass du könntest. Und dein Hund weiß, dass du weißt, dass du könntest. Dabei belassen wir es.

Aggression bedeutet: Lautes, unwirsches, fahriges, verärgertes und/oder gewalttätiges Verhalten.

Wer laut oder gar körperlich aggressiv wird, der ist in den Augen des Hundes ein unecht dominanter Hochstapler. Solche Möchtegern-Anführern verdienen keinen Respekt. Sie bekommen die Unterordnung, weil sie Schläge androhen. Doch mittel- und langfristig wird jeder, der darunter leiden muss, nur immer widerspenstiger. (Das würde dir nicht anders gehen, oder?!)

»Ich bin wirklich wütend!«

Du bist sauer, weil dein Hund nicht auf dich hört? Dann gehe ein paar Schritte beiseite und schreie einen Baum an! Oder zerschlage ein bisschen Porzellan, wenn dir das hilft.

Doch an der Situation änderst du nur wenig, wenn du jetzt laut oder unbeherrscht wirst. Im Gegenteil: Das, was du jetzt mit dem Hund machst, ist die Grundlage für seine Entscheidung beim nächsten Mal.

Reagierst du - trotz deiner Wut - jetzt gelassen und freundlich, wird dein Hund zukünftig eher auf dich hören.

Reagierst du hingegen nur deine Wut an deinem Hund ab, sieht er keinen Grund, warum er zukünftig besser hören sollte. Schläge, ganz egal, ob verbal durch Anbrüllen, oder sogar körperlich, durch Herumzerren an ihm, bekommt er ja sowieso von dir. Also kann er auch vorher länger Spaß mit allem - nur nicht mit dir - haben.

Aber Hunde "brüllen" und "prügeln" doch auch ab und zu!

Oh ja, auch Hunde haben irgendwann "die Nase voll", wenn ein respektloser Hund so gar nicht auf die Korrekturen und Zurechtweisungen hören will.

Sie haben ihn etliche Male aufgefordert haben, sich endlich zu benehmen. Doch der freche Hund will einfach nicht gehorchen. Dann greifen sie auch zu Knurren, verärgertem Bellen (lies: "Anbrüllen") und sie benutzen sogar ihre Zähne und verprügeln den frechen Hund.

Es gibt da aber zwei sehr wichtige Haken!

1. Hunde machen das nur - und AUSSCHLIEẞLICH - während der Tat. NIEMALS hinterher. Absolut niemals. Ohne jegliche Ausnahme. NIE. MALS.

Schon 10 Sekunden nach der Tat ist ZU SPÄT.

Dein Hund verbindet JEDE "Strafe" mit dem, was er GERADE JETZT macht. Er kann nicht anders. So sagen es ihm seine Instinkte. Deshalb müsstest du ein absolut perfektes Timing haben und den Hund "inflagranti" - also WÄHREND DER TAT - erwischen.

2. Hunde "bestrafen" nicht; sie korrigieren! Das bedeutet, ein Hund hebt den warnenden Zeigefinger und sagt »Ich sehe, was du machst. Und ich will das nicht. Benimm dich! Jetzt! Sofort! Auf der Stelle!« Dabei benutzen sie ihre echte Dominanz, um ihre Autorität durchzusetzen.

Nur so kann der "bestrafende" Hund verhindern, dass der gemaßregelte Hund dauerhaft den Respekt vor ihm verliert. Schließlich handelt es sich ja nicht um ein Verbrechen, sondern nur um ein Fehlverhalten, das korrigiert werden muss.

Problem! Dein Hund kommt nach dem Abrufen nicht. Also bestrafst du ihn, sobald er bei dir ist. Dein Hund verbindet die Strafe fürs Nicht-Kommen aber damit, dass er zu dir gekommen ist. Perfekte Katastrophe!

Beispiel: Was bedeutet das für mich?

Machen wir es an einem typischen Beispiel fest, dann wird es leichter verständlich:

Dein Hund ist im Freilauf; irgendwo weit weg. Du rufst ihn zu dir. Doch er kommt nicht. Du wirst sauer und immer saurer, weil er einfach nicht hört. Irgendwann kommt er aber doch freudestrahlend angetrabt. Und du bist mittlerweile auf 180 und stehst mit geschwollener Halsschlagader da. Kaum ist dein Hund bei dir, bestrafst du ihn dafür, dass er nicht gleich gekommen ist.

... und dein Hund denkt dabei: »Alter?! Was geht denn jetzt ab? Ich komme zu Frauchen/Herrchen; und sie/er maßregelt mich dafür, dass ich komme? Aber hat sie/er nicht eben noch nach mir gerufen? War das mit dem "Herkommen-Sollen" also falsch? Hätte ich etwas anderes tun sollen?«

Du erkennst das Problem, ja?! Dein Hund verbindet die Strafe nicht mit dem Fehlverhalten des "Nicht-Gehorchens" nach dem Abruf. Er sieht es vielmehr als Korrektur seines aktuellen Verhaltens.

Das ist die perfekte Katastrophe! Denn nun hast du deinen Hund nicht nur nicht "bestraft". Du hast ihm auch noch gesagt:

»Wenn ich dich das nächste Mal rufe, dann will ich, dass du NICHT KOMMST! Klar soweit?! Oder muss ich dich noch öfter korrigieren, bis du es begriffen hast!«

Ja, aber wie zeige ich dann meine Dominanz?

In dieser speziellen Situation des misslungenen Abrufs (s. Beispiel) kannst du immer noch eine ganze Reihe Dinge machen, um deine Dominanz zu beweisen. (Guckst du hier: »Komm her!« - Mein Hund kommt nie, wenn ich ihn rufe)

Ganz generell wirst du dich dauerhaft der echten Dominanz befleißigen müssen. So erntest du zum Dank den Respekt deines Hundes. Und das zusammen verhindert, dass du überhaupt eine geschwollene Halsschlagader bekommst und über mögliche Bestrafungen nachdenkst.

Wenn eine Situation bereits eingetreten ist, solltest du NIEMALS aggressiv werden, sondern dich stets selbst zur Ruhe ermahnen. Dann gelingen dir auch die Korrekturen wie von Zauberhand. Wohlgemerkt: WÄHREND DER TAT. Denn nach der Tat ist es sinnlos und kontraproduktiv!

Fazit: Wut, Ärger und Aggression sind schlechte Ratgeber!

Wut, Ärger und Aggression sind IMMER miserable Ratgeber! Sie vernebeln deinen Blick! Sie verhindern eher, dass du das Richtige tust; als dass sie etwas Positives bewirken.

Das gilt nicht nur zwischen Menschen. Das gilt sogar noch sehr viel mehr beim Umgang mit Hunden. Denn mit "gelegentlicher Wut" kannst du sehr viel respektvolle Aufbauarbeit in deiner Beziehung mit dem Hund im Handumdrehen zerstören.

Wenn du dich also abreagieren musst - und ja, das kommt manchmal vor, weil JEDE Geduld irgendwann zuende ist -, dann gehe und schreie einen Baum an! Aber lass deinen Hund aus dem Spiel deiner eigenen menschlichen Emotionen! Er versteht sie nicht. Und er wird sie nie verstehen können.

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