Sind Ausnahmen als Belohnung für den Hund sinnvoll?

»Mein Hund war heute total brav. Er hat fein mitgearbeitet; wir hatten Null Stress. Deshalb möchte ich ihn dafür belohnen. Also darf er heute Nacht ausnahmsweise mit im Bett schlafen.«

Diese Situation kennen wir alle: Wir sind total happy, dass etwas super-toll geklappt hat. Und wir möchten diese Freude natürlich auch mit unserem Hund teilen. Schließlich ist geteilte Freude doppelte Freude, nicht wahr?!

Was läge da also näher, als eine Ausnahme von den sonst strengen Regeln zu machen? ... Oder?!

Was kennzeichnet denn eine "Ausnahme"?

Woran erkennen wir denn als Menschen, dass es sich um eine AUSNAHME handelt?

Als Schulkinder mussten wir immer "zeitig zu Bett". Gesunder Schlaf, und so. Doch manchmal gab es Ausnahmen: In den Ferien, am Wochenende, zu Silvester sogar super-lange.

Wie haben unsere Eltern uns klargemacht, dass die "Ferien-Ausnahme" nun, im Alltag, wieder wegfällt; und dass das obendrein "selbstverständlich" sei? Genau! Sie haben es uns ERKLÄRT. Sie haben uns beschrieben, warum hier eine Ausnahme möglich sei; dort aber nicht; und warum deshalb die Ausnahme nicht zur neuen Regel werden könne.

Und obwohl man es uns erklärt hatte, obwohl wir es verstehen konnten, fanden wir es meistens gar nicht so toll, wenn die Ausnahme zuende war und die "normale Regel" wieder einsetzte.

Können wir es aber auch unseren Hunden ERKLÄREN? Können wir ihnen verständlich machen, dass es eine AUSNAHME ist, und WARUM wir diese Ausnahme genau jetzt gestatten wollen; morgen aber wieder "alles normaler Alltag" sei?

Hunde sind Gewohnheitstiere - Sie mögen keine Änderungen

Im natürlichen Umfeld der Tiere gibt es keine Ausnahmen von geltenden Regeln. Entweder gilt eine Regel. Oder sie gilt nicht. Sie kommen mit beidem sehr gut klar.

Deshalb ist jede Ausnahme für den Hund eine Änderung der geltenden Regel. Mit einer einzigen Ausnahme änderst du also für den Hund binnen kürzester Zeit zwei Mal eine geltende Regel: Einmal am Beginn der Ausnahme; und einmal am Ende der Ausnahme.

Eine Ausnahme ist für den Hund also keine Belohnung, sondern zusätzlicher Stress: Erst muss er sich an die Ausnahme gewöhnen; dann muss er sich wieder an das alte Verhalten gewöhnen.

Was bedeutet das für uns?

Um unseren Hund möglichst nicht mit allzu vielen Änderungen unserer Regeln zu verwirren, hüten wir uns vor jeglichen Ausnahmen!

Wann immer wir etwas festlegen, sollte es auch dauerhaft genau so bleiben. Wenn der Hund also ins Bett darf, dann IMMER. JEDEN TAG.

Ich darf also NIEMALS Ausnahmen machen?

Keine Regel gilt ohne Ausnahme. Das gilt auch für die Ausnahmen.

Wichtig: Der Hund braucht GAR KEINE Ausnahmen. Niemals. Er versteht sie nicht einmal. Du wendest bei jeder Ausnahme also KEIN "hunde-freundliches", sondern ein rein menschlich-emotionales Prinzip des rein menschlichen Verständnisses an. Oder einfacher gesagt: Du belohnst dich mit Ausnahmen nur selbst; nicht den Hund.

Wann kann ich mir Ausnahmen leisten; und wann besser nicht?

Wenn dein Hund super-verträglich und absolut tiefenentspannt ist, und wenn er und du keine Probleme mit dem verdienten Respekt haben, dann ist eine Ausnahme für ihn kein Problem. Sie stresst ihn ein bisschen, weil er sich erst umgewöhnen muss; aber es bleibt im Rahmen, weil er sonst keine Probleme hat.

Wenn dein Hund aber sowieso "verhaltens-auffällig" ist, dann wird ihn jede noch so gut gemeinte Ausnahme nur noch mehr stressen als sowieso schon. Und dann solltest du JEDE AUSNAHME absolut VERMEIDEN, um gemeinsam mit deinem Hund ganz konsequent, geduldig und diszipliniert zunächst einmal die emotional vertrauensvolle Sicherheit klarer und zuverlässiger Regeln aufzubauen.

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