Praxis-Übungen: Einfache Dominanz- & Vertrauens-Übungen

Wir haben es ja nun schon an vielen Stellen immer wieder betont: Es braucht nur sehr, sehr selten körperliche Gewalt (und wenn, dann nur Kraft; doch niemals Prügel), um seine Vorrang-Stellung durchzusetzen.

Vielmehr machen Hunde das in den allermeisten Fällen auf sehr unterschwellige Weise aus. Hier ein kleines, fast schon nebensächlich wirkendes Zeichen der Macht; dort ein sekunden-schnelles Zeichen der Unterordnung ... so sieht das Leben eines Hundes aus.

Und wir - als verständige und tierliebe Hundehalter - machen es ihnen gern nach, wo immer wir es können. Schließlich verstehen Hunde ihre eigene Sprache noch am besten.

In diesem Abschnitt zeigen wir dir ein paar einfache Dominanz- und Vertrauens-Übungen. All diese Übungen kannst du mit Leichtigkeit in deinen Alltag integrieren; denn sie alle sind nur sehr kurze, aber für deinen Hund wichtige Zeichen der Macht. Trainiere und wiederhole sie des Öfteren mit deinem Hund.

Denke immer an den Grundsatz der echten Dominanz! Macht schreit nicht. Macht brüllt nicht. Macht prügelt nicht. Macht macht. Punkt.

Das bedeutet für dich: Die Übungen haben nur Erfolg, wenn du souverän, selbstsicher, ruhig und gelassen an die Übungen herangehst. Sei dir deiner Macht bewusst. Strahle sie aus. Doch sei IMMER gütig und gelassen. Gerade dann, wenn mal etwas nicht klappen sollte.

Grundsätzlich gilt: Mache ALLES mit Ruhe, Geduld und Konsequenz!

Bei keiner der folgenden Übungen solltest du laut werden oder herumzappeln. Spare auch mit Worten, wo immer es geht. (Ja, auch beim Lob!)

Nimm das positive Verhalten deines Hundes als selbstverständlich hin! Lobe ihn nur sehr sparsam für richtiges Verhalten; und auch das nur, wenn er es unmittelbar vorher falsch gemacht hat. Er soll begreifen, dass es "normal" ist, sich richtig zu verhalten.

Handle immer ruhig, besonnen und selbstsicher. Je besser du das verinnerlichst, desto einfacher werden diese Übungen. Für dich. Und für deinen Hund.

Das gilt umso mehr, wenn mal etwas nicht klappt. Je lauter du wirst, je energischer du auf deinen Hund zustampfst, je unbeherrschter du an der Leine herumzerrst, desto unglaubwürdiger wirst du in seinen Augen.

Test: Vertraust du mir?

Mit diesem Vertrauens-Test kannst du prüfen, wie sehr dein Hund deinen Vorrang akzeptiert.

Hierbei handelt es sich NUR UM EINEN TEST; nicht um eine Übung!

Du legst deinen Hund ab ("Platz!"); oder du setzt ihn ab ("Sitz!"); und du hockst dich neben ihn. (Wichtig: Nicht über ihn beugen, sondern daneben hocken!) Dann legst du deine Hand auf den oberen Nacken des Hundes; also kurz hinter den Ohren auf den oberen Hals. Nicht "zugreifen", sondern nur entspannt auflegen. Jetzt drückst du seinen Kopf sanft aber nachdrücklich nach unten, bis er fast(!) auf dem Boden liegt. (NIE ganz auf den Boden drücken! Das ist für Hunde sehr unangenehm, weil es ihnen das Gefühl von eingeklemmt sein vermittelt.)

Hintergrund: Je weniger Druck du ausüben musst, um den Kopf deines Hundes nach unten zu bewegen, desto bereitwilliger erkennt er deinen Vorrang an. Im perfekten Fall weicht der Kopf deines Hundes gerade so weit vor deiner Hand aus, dass die Hand dem Kopf folgen muss, ohne den geringsten Druck auszuüben. (Du spürst nur das Fell; aber nicht den Hals des Hundes.)

Doch Achtung! Weigert sich dein Hund, den Kopf unter deiner Hand nach unten zu nehmen, zwinge ihn nicht dazu! Es ist ein Test, wie unterordnungsbereit er ist. Nicht mehr. Nicht weniger. Nutze stattdessen die anderen Übungen, um seine Unterordnung herzustellen.

Nicht übertreiben! Hierbei handelt es sich NUR um einen Test. Weigert sich dein Hund, zwinge ihn keinesfalls dazu! Du würdest nur Widerstand und Abneigung erzeugen; also das Gegenteil von Unterordnung erreichen.

Morgens grüßt du mich zuerst! Ich grüße in 10 Minuten zurück.

Verzichte auf das Morgen-Ritual der Begrüßung deines Hundes! Viele Menschen neigen dazu, morgens die Augen aufzumachen und direkt ihren Hund anzusprechen oder gar zu liebkosen. Daraus entwickelt sich oft ein Ritual, denn der Hund lernt schnell: »Wenn ich mich zeitig anstelle, bekomme ich gleich mal Streicheleinheiten für lau.«

Ändere das! Kein Wort. Kein Blick. Keine Geste für deinen Hund. Auch, wenn es schwer fällt. Warte damit mindestens 5 - 10 Minuten nach dem Aufstehen. Erst dann begrüßt du ihn. Und selbst dann nur "hoheitsvoll": Ein paar sanfte Worte reichen. Streicheleinheiten entfallen noch ganz und werden auf (sehr viel) später vertagt oder fallen kurz und knapp aus. (Ein paar Mal sanft streicheln ist okay. Doch keine ausgiebigen Knuddeleien!)

Hintergrund: Ein Rudelführer verhält sich hoheitsvoll souverän. Er lässt sich begrüßen, er erwartet die Begrüßung (deshalb grüßt dein Hund dich auch); doch er ignoriert diese Begrüßung vollständig.

Auch das "Betteln um Aufmerksamkeit" ist ein natürliches Verhalten der Hunde. Sie bitten ihren Rudelführer um gutes Wetter. Trotzdem - bzw. gerade deswegen - solltest du es ignorieren; denn wenn du darauf reagierst, störst du ihr eigenes Ritual. (Nein, sie erwarten nicht wirklich Aufmerksamkeit von dir. Vielmehr erwarten sie, dass du lediglich zur Kenntnis nimmst, was sie gerade tun.)

Kurz gesagt: Ignorieren! Nicht darauf eingehen. Erst nach 5 - 10 Minuten erfolgt die huldvolle(!) Begrüßung deines Hundes.

Ich bin wieder da. Mach bloß kein Drama daraus!

Ins Rudel zurückkehrende Rudelführer werden vom Rudel begrüßt --- nicht umgekehrt! Und auch das nicht laut und aufdringlich, sondern durch "vorbeistreifenden" Körperkontakt; etwa, indem dein Hund sich still an dich anlehnt und/oder dich mit der Schnauze anstupst.

Verhält sich dein Hund angemessen, wird er ebenfalls - kurz(!) und huldvoll flüchtig - begrüßt. Ein kurzer Streichler, ein paar warme Worte im Vorbeigehen an den Hund. Nicht mehr. Genauso, als sei es die normalste Sache der Welt, dass man eben noch weg war und jetzt halt wieder da ist.

Erziehung: Verhält sich dein Hund hingegen NICHT angemessen - hopst er etwa herum, winselt laut, springt er dich an, rennt er wie angestochen durch die Wohnung, oder ... oder ... oder ... - wird er ignoriert. Vollständig! Kein Wort. Kein Blick. Keine Geste für deinen Hund. Erst, wenn er runtergefahren ist und wieder "Normal-Niveau" erreicht hat, erfolgt die (sanfte und kurze!) Begrüßung durch den Rudelführer. Das sollte im Regelfall nach spätestens 5 Minuten der Fall sein.

Hintergrund: Der Rudelführer ist das Zentrum des Rudels. In diesem Sinne ist die Freude des Hundes über deine Rückkehr normal, gut und für ihn selbst auch wichtig, denn sie ist instinktiv und zutiefst ehrlich. Doch überdrehtes Verhalten wird NICHT BELOHNT. Nicht in der freien Natur. Und auch nicht zu Hause. Und jede Aufmerksamkeit, die du ihm in solchen Situationen schenkst, bestätigt ihn im Glauben, dass er sich richtig verhält; denn du beachtest ihn ja jetzt.

Gemeinsames Toben im Dreck festigt die Bindung

Viele Menschen neigen dazu, ihren Hund mit "Hol-das-Stöckchen!" beschäftigen zu wollen und glauben, nur weil der Hund auch nach dem 30. Mal immer noch den Stock holt, er wäre damit glücklich. Aus der Sicht des Hundes ist das zumindest ein Ersatz; doch ein schlechter.

Wenn du eine wirklich feste Bindung zu deinem Hund haben willst, dann wälze dich mit ihm im wahrsten Sinne des Wortes im Dreck: Tobe mit ihm herum! Sei gemeinsam mit ihm übermütig! Runter auf die Knie und Ellenbogen! "Augenhöhe" ist gefragt!

Robbe über die Wiese! Springe deinen Hund an und raufe mit ihm! Renne mit ihm um die Wette. Auch nach einem selbst geworfenen Stock. Zerre mit ihm gemeinsam am Stock. Laufe für deinen Hund völlig überraschend spontan und aus voller Kraft in irgendeine Richtung los; bleibe mitten im Lauf urplötzlich stehen, drehe dich zu deinem Hund um und blockiere seinen Weg, wenn er versucht, dich zu überholen. Sobald er bremst, laufe in eine andere Richtung los. Wiederhole das bis du umfällst (denn dein Hund kann das länger als du :)). 

Kurz gesagt: Kopiere das Verhalten von spielenden Hunden. Sei selbst ein "spielender Hund" für deinen Hund.

Du wirst einen mega-glücklichen Hund erleben, der gar nicht genug vom Spiel bekommen kann; und der es dir mit bereitwilliger Unterordnung dankt, dass du mit ihm auf Hunde-Art spielst...

Doch Achtung! Weise deinen Hund unbedingt zurecht, wenn er allzu übermütig wird. Blaffe ihn kurz und deutlich mit deinem " Aus!"-Kommando ( Aus!, Nein!, Pfui!, etc.) an, wenn er dich allzu sehr bedrängt; spiele danach aber sofort weiter, als sei nichts geschehen. Das ist für deinen Hund ebenfalls Teil des Spiels, denn so kann er gefahrlos ausprobieren, wie ernst dir die Führung des Rudels ist und wie weit er bei dir gehen darf.

Manchmal schaukelt sich dein Hund auch so sehr in seiner Freude über das Spiel auf, dass er die Grenzen nicht mehr akzeptieren mag. Sollte er sich mit dem kurzen Kommando nicht mehr sofort(!) zur Räson bringen lassen, brich das Spiel AUF DER STELLE ab und ignoriere den Hund und seine Spiel-Aufforderungen völlig. Kein Wort. Nicht anschauen. Behandle ihn, als sei er Luft. Warte dann, bis dein Hund sich von allein beruhigt hat. (Das wird schnell geschehen, weil es urplötzlich ohne dich langweilig ist.) Sobald er sich beruhigt hat, kannst du weiter mit ihm über die Wiese toben.

So lernt er, dass er bei Überschreitung der Grenzen "mit Spiel-Ende bestraft" wird.

Zurechtweisung ist Bestandteil des Tobens! Es ist normal, dass Hunde beim Toben aufdrehen. Sie sind super-glücklich dabei. Aber sie testen auch Grenzen. Deshalb ist es wichtig, dass du bei allem Toben immer auf den Regeln bestehst. Überschreitet dein Hund die Regeln, weist du ihn mit einem kurzen Kommando zurecht. Direkt danach wird sofort weitergespielt. So lernt dein Hund, dass du es mit den Grenzen ernst meinst.

Mehrfach in kurzer Zeit Grenzen überschritten? Spiel SOFORT beenden! Wenn dein Hund "überdreht", ist das Spiel sofort vorbei. Auf diese Weise lernt er, dass du nur spielen wirst, wenn er sich benimmt. In so einem Fall wartest du einfach ab, bis der Hund sich von allein runtergefahren hat. (Meist dauert das erheblich weniger als 10 Minuten.) Danach kann das Spiel weitergehen. Du wirst schnell feststellen, dass dein Hund sich sehr viel deutlicher um gutes Benehmen bemüht ... denn er WILL MIT DIR SPIELEN.

Vertrauen durch "Fliegen"

Hebe deinen Hund hoch! Ja, das ist kein Scherz: Nimm ihn sanft in den Arm und hebe ihn mindestens so hoch, dass er keinen Boden-Kontakt mehr hat.

Halte ihn dort für etwa 10 - 30 Sekunden. Und dann setze ihn wieder sanft auf die Erde zurück. Danach drehe dich um und gehe weg, als wäre nichts geschehen. Wiederhole diese Übungen völlig spontan, wann immer du willst. (Faustregel: Nicht öfter als etwa 10 Mal am Tag.)

Hintergrund: Für Hunde ist es eine unangenehme Situation, die Kontrolle über die eigenen Bewegungen aufgeben zu müssen. Dein Hund muss dir daher vertrauen, dass er in der Zwischenzeit keiner Gefahr ausgesetzt ist. Durch das wiederholte Hochheben und Absetzen gibst du ihm genau dieses Vertrauen in dich und deine Stärke, ihn in der Zwischenzeit sicher zu beschützen. (Er weiß ja nicht, dass ihm schlimmstenfalls ein Sturz aus deinem Arm droht.)

Ich bin größer (und stärker) als du

Wenn dein Hund liegt und du gerade (zufällig) an ihm vorbeikommst, halte kurz bei ihm an. Beuge dich über(!) ihn herunter und berühre ihn kurz aber deutlich am Bauch. (Etwa 5 Sekunden lang.) Nicht "streicheln", sondern nur "kurz und deutlich spürbar berühren" Danach gehe weiter, als sei nichts geschehen...

Hintergrund: Dabei handelt es sich um eine Bestätigungsgeste der Dominanz. Du zeigst in Hunde-Sprache, dass du stark bist und Macht besitzt. Und dein Hund zeigt dir durch die stille Duldung bzw. durch Beschwichtigungsgesten (Lecken an deiner Hand, "Zusammenkriechen" des Körpers, Vermeidung von Blickkontakt, etc.), dass er deine Stärke und Macht anerkennt.

Normalerweise sollte man es tunlichst vermeiden, sich ÜBER Hunde zu beugen. Doch du willst ja Dominanz zeigen. Also machst du es jetzt auch.

Weg da! Jetzt komme ich!

Bei dieser Übung solltest du "wirklich dominant" erscheinen. Stelle dir vor, du bist der Chef eines großen Unternehmens und musst an deinen Mitarbeitern vorbei zum Rednerpult gehen: Schultern straff, Brust raus, Bauch rein, Kopf geradeaus gerichtet ... und dazu ein selbstsicherer, aber ruhiger Schritt. Übe das erst mal vor dem Spiegel und ohne deinen Hund, denn es muss - zumindest am Anfang - wirklich sitzen: Dein Hund soll Respekt vor dir haben; so wie die Mitarbeiter des Unternehmens vor ihrem Chef. (Ja, auch die üben sowas vor dem Spiegel.)

Sobald du diese selbstsichere Haltung drauf hast, geht's los:

Du gehst selbstsicher dort entlang, wo dein Hund gerade steht, sitzt oder liegt. Der Blick ist geradeaus gerichtet. Du schaust den Hund nicht an. Und du sprichst nicht mit ihm. Dort hinten - genau hinter dem Hund - ist dein "Rednerpult". Dort willst du jetzt hin. Und nichts anderes ist für dich interessant.

Hintergrund Mit so einer Geste fordern dominante Hunde von anderen Hunden Respekt: »Mach Platz! Ich will jetzt hier entlang gehen.« Ein unterordnungsbereiter Hund wird diese Forderung schon von Weitem erkennen und von ganz allein Platz machen. Dabei gibt es keinerlei körperliche Berührung.

Erziehung Sollte dein Hund sich weigern, dir Platz zu machen, dann drückst du ihn - wie immer: sanft aber nachdrücklich - beiseite. Anschließend bleibst du auf dem Platz, an dem der Hund eben noch lag, saß oder stand, ein paar Sekunden (etwa 10 - 15 Sekunden) still stehen. Der Blick ist weiterhin auf unser eingebildetes "Rednerpult" da hinten gerichtet. Kein Wort an den Hund. Keine Geste für den Hund. Der Hund ist einfach nur Luft. ... Und dann gehst du weiter, als sei nichts geschehen.

Dein Platz ist mein Platz

Beanspruche gelegentlich (also ruhig zwei, drei Mal am Tag) den Platz deines Hundes. Das gilt ganz besonders für "seinen Stammplatz", also sein Körbchen oder seine Decke.

Warte ab, bis dein Hund sich abgelegt hat. Dann beanspruche seinen Platz, indem du ihn - wie immer: sanft aber nachdrücklich - beiseite schiebst, wenn er nicht schon freiwillig aufsteht und fortgeht, und dich auf die "noch warme Stelle" setzt, an der er bis eben gelegen hat. Wichtig dabei ist: Kein Wort! Schon gar kein Kommando! Bewege dich einfach souverän; gerade so, als sei es die normalste Sache der Welt, dass du auf einer haarigen Hunde-Decke oder in einem äußerst unbequemen Hunde-Körbchen kauernd die Zeitung liest...

Vermeide dabei, wenn möglich, Blickkontakt mit dem Hund. Nur, wenn er widerspenstig ist, schaue ihm direkt und fordernd in die Augen (und knurre gegebenenfalls kurz und leise), während du ihn beiseite schiebst. 

Auf diesem Platz bleibst du mindestens ein, zwei Minuten sitzen, bevor du ihn wieder freigibst. Dein Hund sollte den Platz ohne Mullen und Knullen freiwillig (und im Idealfall: ohne, dass du ihn berühren musst) räumen und sich in einigem Abstand von dir wieder hinlegen.

Hintergrund: Für einen souveränen Rudelführer gilt: »Ich wähle zuerst meinen Platz. Du darfst dir dann einen eigenen Platz unter den verbleibenden aussuchen.«

Diesen Anspruch hat der Rudelführer jederzeit. Also auch "mitten in der Nacht" oder "unmittelbar, nachdem dein Hund sich zum Pennen hingelegt hat". Du brauchst hier keinerlei scheinheilige Rücksichten nehmen.

Geschmust wird, wenn ich das sage

Wenn dein Hund zum Schmusen zu dir kommt, solltest du ihm das IMMER verweigern. Ganz egal, wie treu sein Blick auch sein mag.

In solchen Fällen schicke ihn ruhig aber bestimmt fort ... nur, um dich fünf Minuten später zu ihm zu begeben (oder ihn zu dir zu rufen), und selbst mit dem Schmusen zu beginnen.

Aber Achtung! Warte wirklich mindestens 5 Minuten ab. Dein Hund darf keinen Zusammenhang zwischen »Ich gehe einfach hin, dann hole ich mir meine Streicheleinheiten.« und deiner Streichel-Aktivität herstellen.

Entscheidend ist, dass er deutlich merkt, dass du - und NUR DU - bestimmst, wann für dich die richtige Zeit für Streicheleinheiten ist.

Praxis-Tipp: Es ist IMMER besser, wenn du zum Hund gehst und ihn dort streichelst, wo er gerade ist. Auch, wenn das bedeutet, dass du vom bequemen Sofa herunter rutschen und dich auf den Boden legen musst.

So vermeidest du anderes Fehlverhalten, das durch Missinterpretation deiner Erlaubnisse (»Komm her!« = »Ach? Ich darf aufs Sofa?«) entstehen kann.

Gespielt wird, was, wann und wie ich das will

Ändere das Spiel-Ritual oft und spontan. Wenn du beispielsweise mit deinem Hund immer beim Spaziergang auf einer bestimmten Wiese spielst (Ball fangen, Toben, Zerrspiele, etc.), dann überrasche deinen Hund öfter mal damit, dass du woanders mit ihm spielst.

Das gilt umso mehr, wenn dein Hund dich zum Spiel auffordert. In diesem Fall schicke ihn ruhig, aber bestimmt, weg. Rufe ihn 10 Minuten später zu dir und spiele erst dann mit ihm.

Wichtig! Es ist auch entscheidend, dass du selbst Anfang und Ende des Spiels festlegst ... und durchsetzt. Du - und nur du allein - bestimmst, wann, wie lange und was gespielt wird.

Hintergrund In einem Rudel bestimmt die Rudelführung, wann Zeit für das Spiel ist. Nicht, indem sie Spiele anderer Rudelmitglieder verbietet; sondern, indem sie sich nur selbstbestimmt daran beteiligt und so andere Rudel-Mitglieder motiviert, mitzumachen.

Was dein ist, das ist mein. Was mein ist, teile ich ... vielleicht.

Besitz ist ein Symbol für Macht. Nicht nur beim Menschen. Auch bei Tieren. Auch bei Hunden.

Deshalb darf der Rudelführer jederzeit(!) über das Spielzeug verfügen. Es "gehört" ihm. Er hat immer den ersten und letzten Anspruch darauf.

Trainiere das mit deinem Hund regelmäßig und systematisch. Er darf nur - und wirklich NUR - Anspruch darauf erheben, wenn du es gestattest bzw. duldest. Doch er muss es ohne Streit und Widerstand herausgeben, wann immer du selbst Anspruch darauf erhebst.

Gesundheit deines Hundes: Gerade "Obsessionen", also "Besessenheiten", sind bei Hunden weit verbreitete nervliche Störungen. Behalte ein Auge darauf, dass nicht auch dein Hund solche Störungen entwickelt!

Hintergrund: Für Hunde ist Besitz (fast) ausschließlich ein Status-Symbol. Sie sammeln Besitz nicht, um ihn dann zu benutzen, sondern um anderen Hunden zu zeigen, wie viel Macht sie besitzen.

Wären Hunde Menschen, würden sie natürlich auch einen Porsche oder einen dicken Mercedes kaufen. Doch nicht, um damit zu fahren, sondern um darum herum einen Show-Room mit Flutlicht zu bauen, der allen Nachbarn und Anwohnern demonstriert: »Seht her, wie mächtig ich bin!«

Doch solche "Besitz-Sammel-Leidenschaft" kann, wie beim Menschen auch, schnell in krankhaftes Verhalten umschlagen. Dann kennt die Habgier und die Sucht nach Macht und Anerkennung der Macht plötzlich gar keine Grenzen mehr. 

Zerr-Spiele sind Beute-Kämpfe. Hier gewinnt der Mächtigere; nicht der Stärkere.

Bei vielen Menschen ist es beliebt, seinen Hund an Spielzeugen zerren zu lassen. Man behält also ein Ende des Spielzeugs selbst in der Hand und macht dann mit dem Hund gemeinsam "Tau-Ziehen".

Das ist ein fantastisches - und wirklich sehr gutes! - Mittel zur Festigung deiner Bindung mit dem Hund. Du darfst es auch gern öfter mit ihm machen; er wird es dir wirklich danken.

Vorsicht! Wichtig ist aber, dass DU in den meisten Fällen das Zerrspiel gewinnst. Und das letzte Zerrspiel des Tages MUSS ZWINGEND IMMER zu deinen Gunsten ausgehen.

Hintergrund: Zerr-Spiele sind simulierte Beute-Kämpfe. Man kämpft also - aus der Sicht des Hundes halb im Spaß; aber mit ernstem Hintergrund - um eine Beute. Und solche Beute-Kämpfe sind natürlich auch Ritual-Kämpfe. Deshalb ist es wirklich, wirklich wichtig, dass du bei diesem Spiel sehr viel häufiger "gewinnst", als dein Hund.

Ich entscheide, wie reagiert wird. Du darfst mich dabei unterstützen.

Das ist wohl die schwerste aller Übungen. Doch es ist auch eine der wichtigsten. Deshalb übe sie immer und immer wieder.

Wann immer eine Situation eintritt, die ein Handeln erfordert, ist es Aufgabe des Rudelführers, die Entscheidung zu treffen, wie genau zu reagieren ist: Angriff? Verteidigung? Flucht? Unterwerfung? Ruhe?

Praxis-Tipp 1: Sowas wirst du leichter schaffen, wenn du deine Umwelt im Auge behältst. Wenn du beispielsweise den Radfahrer schon siehst, bevor dein Hund ihn sieht, kannst du optimal reagieren: Lege deinen Hund umgehend ab und leine ihn an. Lange, bevor der Radfahrer an euch vorbeifährt. Konzentriere dich dann darauf, dass dein Hund im "Platz!" bleibt, bis der Radfahrer vorbei ist. Danach: Ableinen und weitermachen, als sei nichts geschehen.

Praxis-Tipp 2: Ablenkung ist eine Wunderwaffe bei Hunden. Wenn dein Hund zur Aggression gegen Radfahrer neigt und du den Radfahrer zu spät gesehen hast, wirf etwa 2-3 Meter entfernt von deinem Hund ein Leckerlie ins Gras. Fordere dann deinen Hund auf, danach zu suchen. Wirf notfalls ein zweites, drittes und viertes Leckerlie an anderen Stellen ins Gras und beschäftige deinen Hund, bis der Radfahrer vorbei ist.

Praxis-Tipp 3: In Gefahren-Situationen (und auch Radfahrer stellen aus Hunde-Sicht eine Gefahr dar), spiegeln Hunde ganz besonders stark die Emotionen ihres Rudelführers. Konzentriere dich deshalb hier ganz besonders auf die echte Dominanz-Ausstrahlung. Wirst du laut oder unsicher, spiegelt dein Hund das. Dann wird auch er ganz automatisch immer lauter und unsicherer.

Beende immer alle Kommandos mit einem Erfolgserlebnis

Wann immer dein Hund ein Kommando nicht befolgt, bestehe erst recht auf dessen Befolgung. Dazu musst du nicht laut werden. Nur Geduld haben und so lange weitermachen, bis es wenigstens ansatzweise klappt.

Erst, wenn das Kommando wenigstens halbwegs geglückt ist, kannst du nachgeben.

Hintergrund: Dein Hund lernt so, dass er erst dann "Ruhe bekommt", wenn er es richtig macht. Für ihn ist diese Rechnung dann einfach: »Ich kann's gleich richtig machen; oder ich werde so lange genervt, bis ich es richtig mache. ... Da ist die Entscheidung leicht. ;)«

Sei in allen deinen Handlungen konsequent!

Man kann es nicht oft genug betonen: Konsequenz ist der Schlüssel zu allem!

Deshalb sei in allem, was du tust (oder lässt) konsequent. Bestehe - ruhig aber selbstsicher und nachdrücklich - darauf, dass deine Regeln eingehalten werden. (s. "Die Hausordnung")

Es braucht (fast) nie laute Worte. Entscheidender ist vielmehr, dass du nicht nur deine Stimme, sondern - auch und vor allem - deinem Körper den notwendigen Ausdruck ausstrahlen lässt. (s. "Deine Körpersprache" und "Deine Stimme")

Sei tolerant, solange es nicht um Regeln geht!

Zeige Toleranz und Geduld, wenn dein Hund auf der Wiese "Mäuse jagen" will (oder, wie mein Labrador-Mischling, "das Gras wachsen hört"). Lass ihm den Spaß für einige Minuten, bevor du ihn abrufst und weiterziehst.

Das musst du nicht jedes Mal machen, wenn er mal wieder selbständig Beschäftigung sucht. Aber gestatte es ihm wenigstens gelegentlich.

Hintergrund: Ein souveräner und selbstsicherer Rudelführer lässt zu, dass sich sein Rudel selbst beschäftigt. Bei natürlichen Wanderbewegungen hat es das Rudel nie wirklich "eilig", irgendwo hin zu kommen. Für deinen Hund ist es also normal und natürlich, sich auch mal hier und da mit etwas anderem als der reinen Wanderung zu beschäftigen.

Und für den Rudelführer bedeutet das: »Die Regel, dass das Rudel zusammenbleibt, besteht weiterhin. Doch innerhalb dieser Regel gibt es (fast) Narrenfreiheit.« 

Die einzige Ausnahme: Es gibt Arbeit. Entweder, weil eine Gefahr droht; also weil das Rudel beschützt werden muss. Oder weil die Jagd nach dem Futter gleich beginnt. Dann unterbricht der Rudelführer jede selbständige Aktivität seiner Rudelmitglieder und ruft sie zusammen.

Keine physische Gewalt! --- "Respekt" ist unser Ziel!

Du siehst: Auch hier reden wir zu keinem Zeitpunkt von "physischer Gewalt". Es geht auch uns immer um die kleinen, subtilen, aber für den Hund wichtigen Bewegungen und Handlungen, mit denen Hunde sich untereinander Respekt beweisen.

Und mit diesen Handlungen fordern wir genau das von unserem Hund: »Respektiere mich! Es ist mein Job, dich zu beschützen. Als zolle mir Respekt! Das macht es für uns beide einfacher.«