Praxis-Tipps: "Komm her!"
Der Lebensretter für kritische Situationen

»Komm her!
Komm her!
Komm her!
Kommst du endlich her?!
«

Wer hat es noch nicht immer verzweifelter, schriller und wütender über Plätze, Wege, Wiesen und durch Wälder schallen hören? Dieses eine Kommando, das zahllose Hundehalter schier in den Wahnsinn zu treiben geeignet ist.

Und doch ist es so mega-wichtig, dass der Hund möglichst in jeder Situation darauf hört. Nicht nur, weil wir uns auf den Heimweg machen wollen, sondern auch, um den Hund von unzähligen dummen Gedanken abzubringen.

Dabei ist es eigentlich gar nicht sooooo schwierig, deinem Hund das Hören beizubringen.

Wichtig! Hier schauen wir uns ausschließlich alltägliche Praxis-Übungen an. Wie du das Kommando sinnvoll aufbaust (also überhaupt erst einmal dem Hund beibringst), findest unter den Grundkommandos: "Komm her!"

Das Problem: Mein Hund hört einfach nicht! :(

Oh, natürlich hört dein Hund dich sehr gut. Und natürlich sieht er, wie du da am Rande der Wiese ungeduldig herumzappelst. Die selektive Taubheit hat nämlich einen ganz einfachen Hintergrund:

Achte mal darauf,
WANN GENAU du deinen Hund zu dir rufst!

Eigentlich rufst du ihn doch nur zu dir, wenn du etwas von ihm willst, nicht wahr?! Meistens bedeutet das Rufen für den Hund also: » Tja, Kumpel! Das Spiel ist vorbei. Tut mir ja wirklich leid; aber wir müssen weiter.« Und fast immer ist es dann auch mit dem Anleinen nach einem mehr oder weniger langen Freilauf verbunden.

Wenn »Komm her!« immer nur bedeutet, dass der Spaß vorbei ist: Warum sollte der Hund sich nicht taub stellen, wenn er gerufen wird?

Kurz gesagt: Dein Hund lernt, dass »Komm her!« bedeutet, dass der Spaß vorbei ist. Welchen Grund sollte er also haben, zu dir zu kommen, wenn du ihn rufst? Stattdessen wird er sich immer öfter einfach taub stellen und so noch einige Minuten Zeit für Spiel und Spaß gewinnen können. ... Wer würde das nicht machen?

Es ist schon zu krass? Dein Hund hört praktisch überhaupt nicht auf den Abruf? Dann lies hier weiter!

Die Lösung: Öfter mal Rufen ohne Konsequenzen!

Der besondere "Trick" dabei ist, dass meine Hunde nach dem Abrufen (und der Ankunft bei mir) keinerlei negative Konsequenzen erleben. Im Gegenteil: Ich lobe sie, ich besteche sie mit Futter und Leckerlie, ich biete ihnen ein kurzes Spiel, beispielsweise ein Zerrspiel mit anschließendem Weitwurf des Stocks, an.

... und dann schicke ich sie wieder weg. So lernen die Hunde sehr schnell:

»Er ruft mich? Cool!
Das wird bestimmt lustig.
Oder spannend.
Oder lecker.
Also nix wie hin da!
«

Deshalb üben wir das Abrufen jeden Tag etliche Male. Und in den verschiedensten Situationen.

Natürlich muss ich meine Hunde auch mal rufen, um sie anzuleinen oder festzuhalten. Aber hey: Sie wissen es ja vorher nie. Und da es in den aller-aller-allermeisten Fällen nur ein "Spaß-Rufen" ist, hoffen sie einfach auf ihre gute Chance.

Profi-Tipp Gib deinem Hund einen guten Grund, zu dir zu kommen! Dann wird er immer gern kommen und alles andere stehen und liegen lassen.

Psssst! Der Geheimtrick: Tägliches Üben!

Das "Komm-her!"-Kommando ist so wichtig, dass du es jeden - wirklich JEDEN - Tag üben solltest. Selbst der schlaueste Hund, vor allem aber du selbst, braucht diese Bestätigung der Sicherheit, dass das Kommando wirklich sauber funktioniert.

Und wichtiger noch: Je öfter ihr es gemeinsam trainiert, desto besser klappt es. Und mit "besser" meine ich wirklich, dass dein Hund ganz freiwillig und auf der Stelle alles stehen und liegen lässt, wenn du ihn rufst.

Es geht überall und immer

Dabei ist das Kommando so einfach ganz nebenbei einsetzbar, dass wirklich überall und jederzeit "der richtige Zeitpunkt dafür" ist.

Wann immer meine Hunde frei herumlaufen, rufe ich sie daher von Zeit zu Zeit einfach so zu mir. Nur um zu sehen, ob sie mich noch beachten. Oder weil sie sich irgendwas im Fell aufgelesen haben. Oder einfach nur, weil mir gerade danach ist.

Der schlimmste Fehler: Ungeduld

Das Abrufen des Hundes bedeutet für ihn zunächst einmal einen "Tausch":

»Er/Sie ruft mich? Aber sieht er/sie denn nicht, dass ich hier gerade mit Spielen beschäftigt bin? Außerdem sieht es nicht so aus, als ob er/sie meine Hilfe wirklich bräuchte. Warum soll ich also den Spaß beim Spielen aufgeben?«

Dein Hund soll also etwas ziemlich Interessantes aufgeben und dafür zu dir kommen. Dort wird er vermutlich direkt angeleint und es geht auf kürzestem Wege nach Hause, wo die pure Langeweile auf ihn wartet.

Aber verständlicherweise hast du auch nicht ewig Zeit. Die nächsten Termine warten. Und die Uhr tickt unerbittlich.

Der größte Fehler, den du jetzt machen kannst, ist laut und ungeduldig werden.

»Alter?! Das ist nicht sein/ihr Ernst, oder?! Jetzt wird er/sie auch noch stinkig? Na, das sitze ich mal lieber in der Entfernung aus und warte, bis er/sie sich wieder beruhigt hat.«

Du erreichst also das Gegenteil dessen, was du eigentlich erreichen willst: Anstatt, dass der Hund nun endlich kommt, weil du dir immer wütender die Lunge aus dem Hals brüllst; scheint er immer schwerhöriger zu werden.

In solchen Situationen musst du dir zuallererst einmal eingestehen, dass du es bisher gründlich verkackt hast, mit deinem Hund »Komm her!« zu üben. Das ist bitter, aber kein Weltuntergang. Nutze die Erkenntnis, das Versäumte schleunigst nachzuholen!

Um aus dieser beschissenen Situation halbwegs souverän herauszukommen, ohne sich vor dem Hund und den anderen Hundehaltern der Lächerlichkeit preiszugeben, gibt es mehrere Ansätze. Das hängt vor allem vom Grad der akuten Schwerhörigkeit deines Hundes ab.

Die wichtigsten Fehler (und natürlich Lösungen dazu) findest du auf der Seite: »Komm her!« - Fehler & Lösungen

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