Kann dein Hund keine ordentliche Begrüßung mit dem fremden Hund hinbekommen, wird er dir das zeigen: Er nutzt die erstbeste Gelegenheit, in deinen Schutz zu gelangen. Dann wird er versuchen, zwischen deine Beine zu gelangen oder dich zwischen sich und den fremden Hund zu bringen.
Selbst in dieser scheinbar klaren Situation gibt es noch keine klare Antwort, was wir hier richtigerweise tun sollten. Vielmehr hängst es sehr stark davon ab, wie der andere Hund sich verhält und - vor allem - was der andere Hundehalter macht.
Wenn dein Hund Sozial-Defizite im Umgang mit Hunden hat, dann erteilt der andere Hund ihm gerade eine wichtige Lektion, die wir nicht behindern sollten: "Du kannst dich nicht einfach drücken, wenn es mal nicht nach deinem Kopf geht. Stehe es durch!" Das gilt ganz besonders, wenn der andere Hund keinen besonders aggressiven oder aufdringlichen (lies: sozial-defizitären) Eindruck macht.
Wenn dein Hund aber eigentlich einen soliden und sicheren Umgang mit Hunden kennt und beherrscht, dann hat er zwischen deinen Beinen oder hinter nichts zu suchen. Er kennt doch die Regeln der Begrüßung und der damit einhergehenden Rangordnungs-Diskussion. Also sollte er sie auch befolgen.
Hier kommen wir aber zu einer ebenso wichtigen wie seltenen Ausnahme: Wenn der andere Hund extreme Sozial-Defizite im Umgang mit Hunden hat und dein Hund mit seinem Latein der Demonstration seiner eigenen Unterwürfigkeit am Ende ist.
Das sollten wir ernst nehmen. An dieser Stelle beweisen wir uns als guter Beschützer und Lehrer und stellen uns passiv-aggressiv gegen den fremden Hund. Wichtig: PASSIV-AGGRESSIV! Also nicht den anderen Hund anbrüllen und schon gar nicht auf ihn losstürmen, aber eine deutliche und hoffentlich unmissverständliche Drohung an ihn schicken, dass "Näherkommen" für ihn bedeutet, dass er sich mit dir anlegen wird. (Gesegnet ist, wer die Körpersprache beherrscht.)
Jetzt sollte auch der andere Hundehalter eingreifen und seinen Hund zurechtweisen. Denn im Zweifel kann es bedeuten, dass der fremde Hund nun auch dich angehen wird.
Fordere ZUERST den anderen Hundehalter auf, seinen Hund unter Kontrolle zu bringen. Er ist jetzt deine/eure beste Chance. Brülle den anderen Hundehalter jedoch NICHT an, vermeide vor allem die schrille Tonlage, die viele Menschen an den Tag legen, wenn sie Angst haben oder unsicher sind, und vermeide vorerst unbedingt auch jede hektische Bewegung. Fordere ihn stattdessen in klarem Kommando-Ton mit normaler Lautstärke dazu auf, die weitere Eskalation zu verhindern. Danach nimm eine drohende Körperhaltung ein und starre den anderen Hund stumm an. Läuft er weiter auf dich zu, tritt ihm so selbstsicher, wie du nur irgend kannst, einen Schritt entgegen. Ducke dich dabei leicht, so dass du den Eindruck vermittelst, "zum Sprung auf den anderen Hund anzusetzen".
Achtung! Manchmal werden feige Hunde plötzlich mutig. Achte darauf, dass dein Hund nun nicht seinerseits dein Verhalten als "Signal zum Angriff" missversteht! Gerade sozial schwache Hunde neigen dazu, nun im Schutz ihrer Halter von Feigheit auf Übermut umzuschalten. Verhindere das unbedingt, indem du deinen Hund frühzeitig zur Ordnung rufst!