Praxis-Tipp: Hunde-Begegnungen - Richtig & Falsch

Im vorherigen Abschnitt "Begegnungen mit fremden Hunden" haben wir uns schon wichtige Hintergründe zu Begegnungen von Hunden untereinander angeschaut. Jetzt führen wir das Ganze auf die praktische Ebene:

Wie verhalte ich mich richtig?
Was sollte ich vermeiden?

Denn ob du es glaubst oder nicht: Dein Verhalten trägt maßgeblich dazu bei, ob die Hunde sich vertragen werden oder ob es gleich so richtig Druck im Kessel geben könnte.

Das gilt insbesondere, wenn die Gemüter sowieso schon aufgeheizt sind und nur noch der berühmt-berüchtigte Funke an der Lunte fehlt, um die Situation komplett eskalieren zu lassen.

Richtiges Verhalten

Hunde sind Meister der Körpersprache. Doch um "reden" zu können, müssen sie sich bewegen können. Eine Leine - ganz besonders eine straff festgehaltene Leine - behindert den Hund jedoch in seiner "Redefreiheit". Das wiederum kann schlicht zu Missverständnissen führen, die wiederum in - eigentlich von beiden Hunden ungewollte - Aggression münden kann.

Da dein Hund den fremden Hund nicht in Ruhe aus der Entfernung "abchecken" kann, zwingst du ihn dazu, aus nächster Nähe zu beurteilen, ob der fremde Hund für ihn eine Gefahr darstellt. Logischerweise ist er dabei sehr viel kritischer, denn seine Instinkte sagen ihm, dass jeder Fehler Verletzung oder sogar Tod bedeutet. Das bedeutet: Extremer Stress für beide Hunde! Dein Hund will - und kann - sich keinen Fehler erlauben. Also behindere seine Kommunikation mit dem anderen Hund nicht durch eine Leine!

Damit beide Hunde ungestört agieren können, entferne dich wenigstens 10, 15 Schritte von beiden Hunden. Auf diese Weise fühlt sich dein Hund nicht falsch bestärkt, muss nicht auf dich Rücksicht nehmen und kann sich allein und ungestört dem fremden Hund und der Begrüßung widmen.

Die Begegnung von Hunden kann durchaus etwas stürmischer werden. Gelegentlich kommt es dabei auch zu kurzen scheinbaren und tatsächlichen Aggressionen der Hunde.

Kurze Aggressionen sind normal und Bestandteil der normalen Kommunikation zwischen den Hunden. Im Regelfall dauern solche kurzen Aggressionen nur wenige Sekunden, können aber im Verlauf der Begegnung durchaus mehrfach und kurz hintereinander auftreten.

Nicht einmischen! Selbst wenn es mal "bösartig" klingen sollte: Es gehört zur Kommunikation der Hunde. Jede Einmischung deinerseits kann die Aggression vertiefen.

Wichtig! Auch anstarren, lautes Reden, hektische Bewegungen, natürlich auch Rufen, Schreien und auf die Hunde zugehen; aber auch einfach nur allzu große Nähe zu beiden Hunden ist aus Sicht der Hunde bereits eine "Einmischung". Vermeide all das möglichst!

Wenn du deinen Hund schon abrufen willst (Lasse den Hunden Zeit für die angemessene Begrüßung!), dann mache es freundlich und bestimmt!

Bedenke, dass dein Hund eine angemessene Gelegenheit finden muss, um deinem Ruf zu folgen. Es kann durchaus 20, 30 Sekunden dauern, bis dein Hund auf den Abruf reagieren KANN. Ob er es dann macht, steht auf mehreren anderen Blättern. (Funktioniert der Abruf überhaupt? Lässt der andere Hund das Entfernen deines Hundes überhaupt zu? Verändert sich die Situation gerade (beispielsweise durch einen weiteren Hund, der nun mitmischen will)? etc.

Klare, kurze Kommandos! Rufe deinen Hund EIN EINZIGES MAL ab. Nimm dazu eine fordernde Körperhaltung ein und sprich das Kommando in klarem, militärisch-zackigem Ton in normaler Lautstärke aus.

Geduld! Selbst wenn der Abruf normalerweise super klappt, wird dein Hund jetzt unter Umständen nicht sofort hören (können). Das hat viele mögliche Gründe. Entscheidend ist hier nur: Gedulde dich! Lasse deinem Hund Zeit! Er muss selbst den passenden Moment finden, deinem Abruf zu folgen.

Selbst wenn der fremde Hund eigentlich ein guter Bekannter ist: Jedes "Kommando", das du an den fremden Hund richtest, kann dieser als Aggression gegen ihn auffassen. Auch dein eigener Hund kann ein "Hau ab!" an den anderen Hund als Angriffssignal verstehen.

Kümmere dich um deinen eigenen Hund! Verhalte dich dem fremden Hund gegenüber stets defensiv. Nicht "feige", sondern zurückhaltend und selbstsicher.

Grundsätzlich gilt die Regel: Jeder kümmert sich um seinen eigenen Hund! Wenn der fremde Hund gar zu aufdringlich wird, bitte den Halter des fremden Hundes um Hilfe, die Situation zu deeskalieren.

Vermeide insbesondere aggressives Verhalten gegen den fremden Hund, wenn es bereits knallt. Jedes Schreien, jede hektische Bewegung, vor allem auch jede Bewegung auf den fremden Hund zu steigert die Aggression BEIDER Hunde: DEIN Hund sieht sich bestärkt; dem "feindlichen" Hund wird die Möglichkeit genommen, "gesichts-wahrend" aus dieser schwierigen Situation zu kommen.

Jede Aggression gegen den fremden Hund verschärft die Situation unnötig. Daher kümmere dich nur um deinen eigenen Hund.

Falsches Verhalten

Hunde benutzen ihre Körpersprache zur Kommunikation untereinander. Dabei kommt es für sie darauf an, dass sie zur richtigen Zeit die richtigen Bewegungen machen können.

Durch eine Leine werden sie in ihrer Bewegung gehindert. Eine womöglich vor lauter Angst des Halters auch noch straff gehaltene Leine behindert den Hund so sehr, dass Missverständnisse in der Kommunikation schon vorprogrammiert sind.

Missverständnisse in der Körpersprache der Hunde führen in dieser stressigen Begegnungs-Situation in Aggression gegeneinander.

Die Begegnung ist für beide Hunde eine besondere Stress-Situation. Der "feindliche" Hund betrachtet dich dabei durchaus als Teil des Rudels deines Hundes.

Wenn du nun - wohlgemerkt: aus der Sicht der Hunde - aggressives Verhalten zeigst, indem du wild herumfuchtelst, hektische Bewegungen machst, laut redest oder gar schimpfst und schreist, verstärkst du potenzielles aggressives Verhalten BEIDER Hunde.

Richtig: Wenn du schon nicht weggehen magst, dann stehe stocksteif still, schaue die Hunde NICHT an & bewege dich nicht! Versuche "unsichtbar" zu werden. So hilfst du beiden Hunden, die Begegnung möglichst friedlich zu gestalten.

Die Begegnung ist für beide Hunde eine besondere Stress-Situation. Der "feindliche" Hund betrachtet dich dabei durchaus als Teil des Rudels deines Hundes.

Wenn du nun - wohlgemerkt: aus der Sicht der Hunde - potenziell aggressives Verhalten zeigst, indem du die Hunde anstarrst oder deinem Hund "gut zuredest", verstärkst du potenzielles aggressives Verhalten BEIDER Hunde.

Richtig: Wenn du schon nicht weggehen magst, dann stehe stocksteif still, schaue die Hunde NICHT an & bewege dich nicht! Versuche "unsichtbar" zu werden. So hilfst du beiden Hunden, die Begegnung möglichst friedlich zu gestalten.

Ganz egal, ob angeleint oder abgeleint: Wenn du zu deinem Hund rennst und ihn vom fremden Hund wegzureißen versuchst, machst du gleich zwei große Fehler:

Fehler 1: Durch das Hinlaufen - womöglich noch laut schreiend und wild herumfuchtelnd - bestärkst du deinen Hund in möglichem Fehlverhalten. Er wird dein Verhalten als Aggression gegen den fremden Hund verstehen und dir natürlich nach Kräften dabei helfen wollen.

Fehler 2: Auch auf den "feindlichen" Hund wirkt dein Verhalten logischerweise aggressiv. Da er sich aber schon im "Vollkontakt" mit deinem Hund befindet, ist Flucht für ihn keine Option mehr. Er muss, weil er instinktiv glaubt, sein Leben schützen zu müssen, notwendigerweise selbst noch aggressiver werden. Sogar "feigen" Hunden, die normalerweise die erste Gelegenheit zur Flucht nutzen würden, bleibt nun nichts anderes mehr übrig: Sie MÜSSEN zur defensiven Aggression, also zur aggressiven Verteidigung, greifen.

Ganz besonders kleinere Hunde sind dann IN BESONDERER GEFAHR! Durch das Wegzerren, womöglich noch das "Hochzerren" an der Leine in den "schützenden Arm", kann der Beute-Instinkt des gegnerischen Hundes geweckt werden. Anstatt also den Kleinen vor dem Großen zu retten, verstärkst du nur die Aggression des Großen gegen den Kleinen und provozierst unter Umständen gefährliche Verletzungen ... sowohl deines Hundes als auch bei dir selbst!

Wann sollte ich einschreiten?

Die wohl wichtigste Frage überhaupt bei nicht ganz ruhig ablaufenden Hunde-Begegnungen lautet:

Wann soll ich eingreifen?

Diese Frage ist nicht ganz einfach ultimativ richtig zu beantworten, weil dazu viele Faktoren beitragen, ob, wann und wie heftig man eingreifen kann, sollte oder sogar muss. Allein an diesem Satz siehst du schon, das "Eingreifen" nicht gleich Eingreifen ist:

Manchmal kann (oder muss) man es einfach überhören und übersehen. Manchmal reicht ein kurzer Ordnungsruf "Öh! Spinnt ihr?!", um beide Hunde für die notwendigen Sekunden-Bruchteile aus ihrer Aggressions-Spirale herauszuholen. Manchmal ist ein einziger drohender und stampfend auftretender Schritt auf die Hunde zu ausreichend, um beide voneinander abzulenken und die Aufmerksamkeit für ein, zwei Sekunden auf sich selbst zu ziehen. Aber manchmal hilft alles nix und man muss die beiden Hunde voneinander trennen.

Und es wird nicht leichter: Innerhalb einer einzigen Begegnung kann ALLES des eben Genannten in wilder Mischung mehrfach gelten. Daher braucht es ein gerütteltes Maß an Erfahrung und Wissen, um sicher entscheiden zu können:

Wann muss ich eingreifen? Wann nicht?

Faustregel

  • Kurze Aggression?
  • Unterbrochene Aggression?
  • Kein Blut?

Dann ist es im Regelfall "nicht so schlimm" und Eingreifen meist nicht erforderlich ... und auch nicht sinnvoll oder hilfreich. Selbst, wenn es insgesamt ein bisschen ruppiger zur Sache gehen mag, als man gern möchte.