Futter? Gibt's nur aus der Hand!

Bei dieser Übung handelt es sich um eine der kraftvollsten und zugleich sehr natürliche Dominanz-Übung mit unserem Hund.

Sie eignet sich ganz besonders dann, wenn der Hund bereits in der "gelben Phase" seiner Respektlosigkeit angekommen ist. Aber im Grunde kannst du sie jeden Tag anwenden. Einfach so. Denn sie schadet nicht, sondern verstärkt die Bindung deines Hundes zu dir besonders schnell und stark.

Warum? Wir demonstrieren unserem Hund, dass WIR - und NUR WIR ALLEIN - über die Ressource "Futter" verfügen. Und wie das genau geht, schauen wir uns in diesem Abschnitt an.

Hintergrund: Futter ist instinktiv immer eine knappe Ressource!

Für alle Jäger - und der Wolf als Urahne unserer Hunde ist ein solcher Jäger - ist Futter IMMER eine knappe, weil sehr unberechenbare Ressource:

Manchmal geht man auf der Jagd tagelang leer aus und muss mit knurrendem Magen schlafen gehen. Tatsächlich sind statistisch 4 von 5 Jagd-Versuchen erfolglos. Deshalb schlagen sich Wölfe und Hunde stets den Bauch bis zum Anschlag voll, sobald sie Futter bekommen. Ihre Instinkte sagen ihnen: »Nimm, was du kriegen kannst! Wer weiß, wann es wieder etwas gibt?!«

Und genau das nutzen wir nun schamlos aus. (Der Hund weiß ja nicht, dass wir es nicht ertragen könnten, ihn wirklich hungern zu lassen. Und er weiß auch nicht, dass wir jederzeit unbegrenzt Futter-Nachschub besorgen können.)

Voraussetzung: Wasser bekommt der Hund jederzeit und in beliebiger Menge!

Obwohl wir von heute an das Futter rationieren, bekommt unser Hund trotzdem ungehinderten Zugang zum Wasser. Und zwar so viel, wie er haben will.

Tipp: Stelle nicht nur einen Wassernapf, sondern gleich einen 5-Liter- oder 10-Liter-Eimer mit Wasser hin. Und fülle den Eimer jeden Tag komplett mit frischem Wasser auf.

Beschränke den Zugang zum Wasser in keinem Fall! Stelle den Napf oder Eimer also dort auf, wo der Hund JEDERZEIT ankommen kann.

Die Natur als Vorbild

Für Hunde ist es völlig natürlich, dass sie jeden Tag beim Aufstehen ein reich gedecktes und abwechslungsreiches Büfett vorfinden. Für Hunde ist es völlig natürlich, dass sie für ihr Futter arbeiten müssen.

Sie müssen gemeinsam mit dem Rudel auf die Jagd gehen. Sie müssen diszipliniert pirschen. Sie müssen in enger Zusammenarbeit mit dem Rudel arbeiten.

Als Belohnung für erfolgreiche Arbeit erhalten sie ... Futter.

Wir kopieren die Natur: Futter gibt's nur gegen erfolgreiche Arbeit!

Da unser Hund nicht mehr in seiner instinktiv-natürlichen Umwelt leben kann, und auch, weil er schlicht kaum noch andere Arbeit hat, kopieren wir nun einfach die instinktive Natur:

Futter gibt's fortan nur gegen erfolgreiche Arbeit!

Da wir aber nicht gemeinsam mit unserem Hund jagen gehen dürfen, akzeptieren wir jede Form von "Arbeit", die der Hund für uns leistet: Er befolgt ein Kommando richtig? Dann gibt's jedes Mal eine halbe Hand voll Futter! Und zwar so oft und so lange, bis die übliche Tagesration weg ist:

Kommando richtig befolgt? Da hast du deine halbe Hand voll Futter! Noch ein Kommando richtig befolgt? Da hast du die nächste halbe Hand voll Futter!

Für jede erfolgreiche Arbeit gibt's ein bisschen Futter!

Aber wir füttern direkt aus der eigenen Hand!

Dabei wird dem Hund das Futter jedoch nicht auf einem Palmblatt oder in einem Edelstahl-Napf serviert, sondern er bekommt es direkt aus unserer eigenen Hand.

»Whaaaaat?! Das Feuchtfutter auch?« Ja, genau! Auch das Feuchtfutter! (Wenn es dich ekelt, Feuchtfutter, frischen Pansen, frisches Fleisch, etc. anzufassen, dann besorge dir halt ein paar "Futter-Handschuhe".)

Wichtig! Mit dem Futter wird NICHT GESPIELT!

Dabei ist es wirklich wichtig, dass du NIEMALS mit dem Hund "Futter-Machtspiele" spielst! Futter ist für Hunde eine besorgnis-erregende und sehr mächtige Ressource.

Wer damit spielt ohne über die ausreichende echte Dominanz zu verfügen, zieht sich schnell mal den (heftigen) instinktiven Zorn des Hundes auf den Nacken und erzeugt blitzschnell ein neues - und sehr gewaltiges - Problem: den Futter-Neid.

Deshalb:

  1. Futter in die Hand nehmen.
  2. Hand aufhalten
  3. Hand still hinhalten bis das Futter verschwunden ist

NIEMALS WEGZIEHEN. NIEMALS DIE HAND SCHLIEẞEN!

Was du aber sehr wohl machen kannst: Dosiere die Futtermenge beim Griff in den Vorratssack, BEVOR du sie dem Hund hinhältst.

Wie oft?

Fühle dich völlig frei. Es gibt keinerlei "Obergrenzen".

Du kannst deinen Hund mit 20, 30 oder auch 70 "Portionen" aus der Hand füttern. Und du kannst es jeden Tag machen. Wenn du willst: Für den Rest seines Lebens.

Ich mache es zum Beispiel völlig nach Gutdünken. Normalerweise lasse ich meine Rabauken das Futter auf dem Hof zusammensuchen. (Ich werfe es einfach wild über den Hof; verstecke es hier und da unter Eimern und Planen und lege auch schon mal etwas Laub darüber.) Auf diese Weise bekommen sie typischerweise von mir etwa 50-80, manchmal aber auch 100 Prozent ihrer Tagesration.

Es gibt aber auch Tage, da möchte ich mit einem (oder allen) meinen Hunden intensiver trainieren. Dann bekommen sie nur Wasser und - wenn wir einen stressigen Tag mit viel Arbeit vor uns haben - als Ohnmachtshäppchen vorab pro Nase etwa eine gute Hand voll Trockenfutter. Den Rest müssen sie sich dann im Laufe des Tages erarbeiten.

Futterneid? Gibt's bei uns nicht.

Sobald ich feststelle, dass einer meiner Hunde MIR GEGENÜBER (oder generell Menschen gegenüber) auch nur kleinste Anzeichen von Aggressionen zur Futter-Verteidigung zeigt, üben wir das Füttern aus der Hand besonders intensiv. Mindestens mehrere Tage lang; wenn es sein soll auch wochenlang.

Aber prinzipiell kann ich sagen: Ja, sie stürzen sich gern wie Verdurstende in der Wüste auf ihr Futter; und ja, sie rangeln draußen auch um das eine oder andere gefundene Futter. Aber das ist völlig natürlich und wird üblicherweise in Sekundenschnelle geklärt.

Darüber hinaus kennen die Hunde keinen Futterneid. Nicht untereinander. Und auch nicht - was viel wichtiger ist - gegen Menschen; ganz egal, ob unmittelbare Familie oder Freunde/Bekannte, die "zu nahe" daneben stehen ... und schon gar nicht gegen mich.

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